Auf dem „Chrüzlinger Fäscht“ hat die Stadt Wolfach jedes Jahr einen eigenen Stand. Foto: Stadt Wolfach

Was einst durch eine Hilfsaktion in der Nachkriegszeit begann, hat inzwischen Tradition. Wolfach und Kreuzlingen in der Schweiz berichten, wie ihre Städtepartnerschaft begann.

Eine Stunde und 45 Minuten braucht man mit dem Auto von Wolfach nach Kreuzlingen. Die Schweizer Bodenseegemeinde hat mit 23.400 Einwohnern etwa vier mal so viele wie die Kinzigtal-Stadt, dennoch haben die beiden Orte seit vielen Jahren eine enge Verbindung.

 

Am 18. Mai 2003 unterzeichneten sie offiziell die Partnerschaftsurkunde. „Damit wurde eigentlich nur offiziell besiegelt, was schon länger Bestand hatte“, erklärt Susanne Brückner von der Stadt Wolfach. „Bereits seit 1947 gab es zwischen Vereinen und Menschen enge Beziehungen.“ Als im Nachkriegsdeutschland große Not herrschte, hatte der damalige AOK-Direktor Ernst Baral, ein gebürtiger Kreuzlinger, in seiner Heimatstadt um Hilfe nachgesucht. Die Kreuzlinger halfen nicht nur mit Medikamenten, sondern schickten auch Kleidung, Wäsche und Nahrungsmittel. Aus der Hilfsaktion wurde im Laufe der Zeit auch eine menschliche Bindung, die bis heute besteht.

Schweizer unterstützen Kuchenmarkt mit Raclette

In Kreuzlingen ist ein eigens dafür verantwortlicher Verein zuständig für die Pflege zu den Partnergemeinden. Neben Wolfach hat die Schweizer Stadt auch noch Kontakt zu Cisternino in Süditalien. Thomas Niederberger ist Teil des Vorstands und gleichzeitig Stadtpräsident von Kreuzlingen. In seinem Amt hat er bereits viel über die Kinzigtalgemeinde gelernt. „Wir kennen inzwischen die Flössergeschichten, die Bollenhüte und sogar ihre Farbkennzeichnungen“, erzählt Niederberger auf Anfrage unserer Redaktion. Auch die Wolfacher Glasbläserei, den Schlosskeller und den Kuchenmarkt kennen die Schweizer inzwischen gut. Nicht nur Wolfach selbst, auch die umliegenden Gemeinden haben es den Partnern aus dem Süden angetan. „Bei unserem letzten Besuch am 1. und 2. Mai hat der Vorstand in einem Hotel in Hofstetten übernachtet, da war es traumhaft“, erinnert sich Niederberger.

Zahlreiche Freundschaften seien durch die vielen Besuche entstanden. „Auch der Wolfacher Bürgermeister und ich pflegen einen sehr guten Austausch“, so der Vorstand. Die Besuche beieinander seien ein wesentlicher Bestandteil des Kontakts. Jedes Jahr ist die Stadt Wolfach beim „Chrüzlinger Fäscht“ mit einem eigenen Stand vertreten, genauso wie beim Kreuzlinger Jahrmarkt. Im Gegenzug nimmt eine Delegation aus Kreuzlingen regelmäßig am traditionellen Wolfacher Kuchenmarkt teil. „Sie bereichern den Markt mit einem feinen Raclette-Angebot und bringen viele Schweizer Gäste auf den Kuchenmarkt“, freut sich Brückner.

Auch das jährliche gemeinsame Wanderwochenende kommt gut an. Vertreter des Wolfacher Partnerschaftsausschusses und des Schwarzwaldvereins organisieren für die Gäste aus der Schweiz ein abwechslungsreiches Ausflugsprogramm. Im vergangenen Jahr führte die Reise sie unter anderem zum Gutacher Vogtsbauernhof, nach Gengenbach und zum großen „Bollenhut-Feschd, das im Rahmen des 750-jährigen Jubiläumsfestes des Wolfacher Stadtteils Kirnbach gefeiert wurde. Der Kreuzlinger Gesangsverein wirkte außerdem beim Jubiläum des Wolfacher Männergesangsvereins Bergecho St. Roman mit. „Darüber hinaus gibt es noch weitere Vereinsfreundschaften und auch viele private Freundschaften zwischen Bürgern“, so Brückner.

Die beiden Gemeinden werden im Jahr 2028 das 25-jährige Bestehen ihrer offiziellen Partnerschaft feiern. „Da werden wir gemeinsam auf jeden Fall schöne Feierlichkeiten auf die Beine stellen“, freut sich Niederberger.

Die Serie

Unsere Redaktion stellt die Städtepartnerschaften der Kinzigtalgemeinden in einer Artikelserie vor. Im Fokus stehen neben der Historie und den Besonderheiten der jeweiligen Region auch immer die Eindrücke der Menschen, die die Partnerschaft mit Leben füllen.