Für die Stadtwerke Freudenstadt war 2023 das beste Jahr in ihrer Geschichte. Foto: Christiane Frey

Während andere Energieversorger mit Millionenbeträgen unterstützt werden müssen, schütten die Stadtwerke Freudenstadt 3,8 Millionen Euro an die Gesellschafter aus. Wie ist das möglich?

„Das Jahr 2023 war das beste in der Geschichte der Stadtwerke“, berichtete Stadtwerke-Geschäftsführer Peter Günther im Gemeinderat bei der Vorstellung des Jahresabschlusses stolz. Mit einem Jahresüberschuss von 2,9 Millionen Euro wurde geplant, am Ende standen knapp 5,5 Millionen Euro zu Buche.

 

Davon werden 3,8 Millionen Euro an die Gesellschafter gemäß ihrer Kapitalanteile ausgeschüttet. Der Rest wird der Stromnetzsparte zugeordnet und fließt in das Rücklagenkonto. Einstimmig gab das Gremium seine Zustimmung zur vorgeschlagenen Gewinnverwendung. Die Stadt Freudenstadt hält 65 Prozent der Anteile, die Thüga 20 Prozent und die Badenova 15 Prozent.

Ausbau der Stromnetze

Oberbürgermeister Adrian Sonder bestätigte Günther: „Die Stadtwerke sind gut aufgestellt, stehen aber auch vor großen Herausforderungen.“ Für Günther ist das vor allem der Ausbau der Stromnetze. „Und dafür brauchen wir eine gute Eigenkapitalausstattung und wollen deshalb jetzt mit diesem guten Jahresergebnis auch die Rücklagen stärken.“

Mit ein paar Zahlen verdeutlichte der Geschäftsführer, wie sich das Jahr 2023 insgesamt entwickelt hatte. Die Gesamtleistung stieg von 56,5 Millionen Euro auf 71,1 Millionen Euro, der Materialaufwand erhöhte sich von gut 39 Millionen Euro auf etwa 52 Millionen Euro. Einsparungen ergaben sich aus nicht besetzten Stellen, zudem wurde das Investitionsbudget nur zu 78 Prozent ausgeschöpft.

Stromspeicherung durch Photovoltaikanlagen

Die Stadtwerke hatten auch Vorsorge für Risiken getroffen, die schlussendlich nicht eintraten und das Ergebnis somit positiv beeinflussten. Damit erklärte Günther auch die Frage aus dem Gremium, warum die Erlöse so hoch seien.

Weitere Fragen gab es zur Stromspeicherung durch Photovoltaikanlagen und zur Schwankung von Strompreisen. Da musste der Stadtwerke-Chef bekennen: „Es ist kompliziert.“ Beim Einbau von Photovoltaikanlagen würden heute meistens Batteriespeicher eingebaut. Allerdings werde bei viel Sonneneinstrahlung auch viel Strom erzeugt, der nicht komplett verbraucht und dann ins Netz eingespeist werde. Das führe zu schwankenden Strompreisen, die sogar negativ werden könnten. Bei Stromüberschüssen werde dieser Strom an die europäischen Nachbarstaaten verkauft.

Dynamische Stromtarife

Für Verbraucher gebe es inzwischen Apps, mit deren Hilfe die Schwankungen der Strompreise im Tagesverlauf ausgenutzt werden könnten, um den Verbrauch auf günstige Zeiten zu konzentrieren. Ab 2025 gebe es dann dynamische Stromtarife, die zum Börsenpreis abgerechnet werden. Dazu benötigt man ein intelligentes Messsystem, einen „Smart Meter“. Bei manch einem Gemeinderat rauchte da der Kopf: so viele einfache Fragen und so viele komplizierte Antworten.

Sonder freute sich über das gute Jahresergebnis der Stadtwerke, es gebe einige Städte, die ihre Energieversorger mit Millionenbeträgen unterstützen müssten. Auf seinen Antrag hin wurde Peter Günther als Geschäftsführer einstimmig entlastet, ebenso wie die Mitglieder des Aufsichtsrats.