Wie finden die Balinger ihre Stadtwerke? Wie zufrieden sind sie? Eine Umfrage sollte Licht ins Dunkel bringen. Das Ergebnis hat nicht nur den Energieversorger überrascht.
Mit 18 Stadtwerken aus ganz Deutschland gingen die Balinger Energieversorger ins Rennen. Eine Beratungsgesellschaft führte eine Umfrage unter den Kunden durch und wollte wissen, wie diese zum Beispiel die Zuverlässigkeit der Versorgung, das Preis-Leistungs-Verhältnis oder die Korrektheit der Abrechnungen einstufen.
Dazu wurden 200 Stadtwerkekunden und 40 Nicht-Kunden befragt. Letztere seien nicht leicht zu finden gewesen, wie Marketingchefin Tamara Sauer in der jüngsten Sitzung des Stadtwerkeausschusses dem Gremium erläuterte. Fünf bis zehn Minuten hätten die Teilnehmer jeweils für die Bearbeitung des Fragebogens gebraucht.
Das macht den OB glückselig
Die Ergebnisse wurden in ganz großer Runde vorgestellt, wie Sauer berichtet. Sie sei schon ein bisschen nervös geworden, gesteht sie und habe sich darauf gefasst gemacht, von besser platzierten Stadtwerken viele Verbesserungsvorschläge mit nach Balingen zu nehmen.
Pustekuchen: Die Balinger sind im Ranking an der Spitze und haben von den Kunden 82 von 100 Möglichen Punkten bekommen. „Das nehme ich glückselig zur Kenntnis“, so Oberbürgermeister Dirk Abel. Und auch Sauer mache das stolz. „Wir werden von den anderen gefragt, wie wir das in Balingen machen.“
Das Lob ist 56 Seiten stark
Das große Lob – also die Auswertung – ist satte 56 Seiten stark. Nur neun Prozent der Teilnehmer gaben an, mit der Abrechnung nicht zufrieden zu sein. Diese sei womöglich zu schwer zu verstehen, meldete sich Sybille Fleischmann (SPD) zu Wort und bat bei Sauer um mehr Details. Diese werden per Email an die Räte nachgeliefert, sagte Sauer zu.
„Wir wollen Ansprechpartner für die Menschen vor Ort sein“, gab Sauer die Devise weiter. Dabei sei eine Herausforderung, neben Strom, Wasser und Gas auch die anderen Geschäftszweige des Unternehmens bekannt zu machen. „Dass die Sauna oder das Lochenbad zu den Stadtwerken gehören, wissen nicht viele.“
Es gab auch Kritik
Die meisten Kunden wissen allerdings, wie sie die Stadtwerke erreichen können: entweder im Kundencenter in der Friedrichstraße persönlich oder telefonisch. Für die telefonische Erreichbarkeit allerdings gab es von den Befragten Kritik – die Mitarbeiter seien telefonisch schwer erreichbar.
Sauer erklärt: „Weil viele anrufen, haben wir einen großen Ansturm, aber gelegentlich zu wenig Manpower.“ Man sei sich bewusst, dass da noch Luft nach oben sei – wie auch beim elektronischen Kundenportal im Internet. Das ist seit Oktober 2024 online. Neue Kunden würden sich dort zuverlässig registrieren, die Bestandskunden müsse man noch anlocken.
„Der Schwabe bruddelt halt gern.“
Hinter den positiven Bewertungen stünden alle Mitarbeiter, wie Sauer betont, die, die zu den Kunden gehen und auch jene, die in der Verwaltung sitzen. Und: „Das ist auch die Dame, die Schulkindern nach dem Schwimmunterricht beim Föhnen hilft.“
„Der Schwabe bruddelt halt gern“, wusste Stephan Reuß (FDP) zu den wenigen Kritikpunkten zu sagen. Er fragte an, ob denn die Einführung einer APP geplant sei, denn „am Handy ist man schneller, als am PC.“
Eine solche APP ist tatsächlich geplant, antwortete Stadtwerke-Chef Markus Streich. Diese werde mit dem Systemanbieter entwickelt und soll in Zusammenarbeit mit der Stadt gedeihen. Seinen Stromverbrauch werde man dort aus verwaltungstechnischen Gründen allerdings nicht eingeben können. „Sie werden weiterhin Post von uns bekommen.“
Nur wenige Kunden wechseln
Für Klaus Hahn (CDU) ist das gute Ergebnis, das die Stadtwerke eingefahren haben, auch ein Zeichen der Loyalität seitens der Kunden. Das konnte Sauer bestätigen – nur wenige würden von den Stadtwerken zu anderen Anbietern wechseln. Und wenn doch, dann sei das einzige Argument der Preis.
Die Stadtwerke bewiesen auch Loyalität für die Region und unterstützen Vereine. So wurden bereits Gardekostüme finanziert, etliche Fußballturniere oder Vereinsevents. Das lässt sich das Unternehmen jährlich 160 000 Euro im Jahr kosten.