Das Kind nicht gleich mit dem Bade ausschütten wollen die Forstleute im Stadtwald Meßstetten, wie Klaus Richert, Leiter des Forstbereichs Albstadt, in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats erklärt hat. Außerdem verriet er, warum der Stadtwald wächst.
Nach oben wachsen die Bäume im Stadtwald Meßstetten in jeder Sekunde, in der sie Sonne tanken. Derzeit wächst allerdings auch die Fläche, die zum Stadtwald gehört.
Warum? „Viele Privatbesitzer verkaufen Wald“, erklärte Klaus Richert am Freitagabend im Gemeinderat, etwa weil sie weiter weg wohnten und keinen Bezug mehr zu ihren Waldgrundstücken hätten. Und der „sehr engagierte Revierleiter“ Thomas Holl kaufe ein. 30 000 Euro sind im Waldhaushalt 2025 deshalb für den Kauf von Grundstücken eingeplant, 5000 Euro für den Bau von Maschinenwegen und 10 000 Euro für die Ersatzbeschaffung von Geräten.
Leisten können sich das die Meßstetter, denn die Einnahmen im Ergebnishaushalt übersteigen mit 1,4 Millionen Euro die Ausgaben von 785 000 Euro um 615 000 Euro. Hauptgrund für den Geldsegen sind die Holzverkäufe mit geplanten 832 798 Euro und die Verrechnungserlöse aus den Ökopunkten mit 330 400 Euro. Solche Ökopunkte gibt es unter anderem für die Umwandlung von bewirtschaftetem in Bann-Wald wie kürzlich im Gewann Untereck zwischen Tieringen und Laufen. Weil in Meßstetten zudem klimaangepasstes Waldmanagement betrieben wird, gibt’s 120 000 Euro aus dem gleichnamigen Bundesförderprogramm obendrauf. Das sind die größten Einnahmeposten im Ergebnishaushalt – die Jagdpacht mit 17 700 Euro ist einer der kleineren.
Die Dienstleistung der Forstleute wird teurer
Bei den Ausgaben schlagen die Erstattungen für den Einsatz der Forstleute mit 181 300 Euro am höchsten zu Buche – und diese steigen laut Richert: 2023 waren es noch 158 174 Euro. „Wir mussten unsere Kosten überprüfen und nach oben gehen – auch für Holzverkäufe“, für deren Erledigung nun zwei Euro pro Festmeter fällig werden. Zweithöchste Ausgaben sind die 177 025 Euro für das Holzfällen und die Ausgaben für Waldarbeiter respektive deren Versicherungen mit diversen Posten – für Lohn sind es 182 770 Euro.
Für Unterhaltung von Wegen und der Erholungsfunktion des Waldes fallen 80 270 Euro an, für den Rückeschlepper-Einsatz 75 710 Euro.
Der Holzpreis steige derzeit, wie Richert berichtete: „Richtung 100 Euro“ pro Festmeter. Nadelholz werde stark nachgefragt, und auch für Brennholz steige der Preis. „Warum erhöhen wir dann den Verkauf nicht?“ fragte Matthias Schwarz, Fraktionschef der Freien Wählervereinigung, und erfuhr: „Der Holzpreis ist ordentlich, aber noch nicht auf sehr gutem Niveau.“ Sollte er weiter steigen, „können wir in Absprache mit der Stadt den Hiebsatz anpassen“.
Laut Plan ist für 2025 bisher nur eine leichte Erhöhung auf 11 600 Festmeter vorgesehen – das sind 50 Festmeter mehr als in der zehn Jahre umspannenden Forsteinrichtung vorgesehen sind.
Im Gegenzug werden nur rund 300 Fichten sowie zehn Buchen am Wildgehege angepflanzt, denn im Wesentlichen setzen die Forstleute im Meßstetter Stadtwald auf Naturverjüngung. Viel aufzuforsten gibt es auch nicht, denn – anders als 2023 bei einem heftigen Sturm – habe es in diesem Jahr keine großen Schadensereignisse gegeben.
Das „Ja“ der Stadträte zum Forstbetriebsplan 2025 fiel nach nach der kurzen Diskussion einstimmig aus – und Klaus Richert versäumte beim Verlassen des Sitzungssaales nicht, ein Lächeln aufzusetzen und seinem Revierleiter Thomas Holl auf die Schulter zu klopfen.