Weniger Bäume werden dieses Jahr im Weiler Stadtwald gefällt. Erholung und Naturschutz stehen besonders im Fokus, wie Revierleiter Jakob Jetter berichtet.
Der Weiler Wald, der flächenmäßig nur 121 Hektar umfasst, zeichnet sich durch eine große Artenvielfalt aus. Darauf will Forstrevierleiter Jakob Jetter aufbauen, um den Wald zukunftsfest und widerstandsfähig zu machen.
Seit Anfang dieses Jahres ist der junge Mann aus Neuenburg für das Forstrevier Lörrach-Weil am Rhein verantwortlich, wobei der Weiler Wald den weitaus kleineren Bereich davon ausmacht.
Dafür aber einen mit großen Herausforderungen: Durch die Lage im Verdichtungsraum und der hohen Infrastrukturdichte in der 3-Länder-Stadt grenzen die Waldflächen vielerorts an Straßen, Bahnlinien und die Autobahn.
Dort spielt die Verkehrssicherung eine wichtige Rolle, mit der sich das Forstamt im Auftrag der Stadt Weil am Rhein zu kümmern hat.
Hinzu kommen weitere Funktionen, die der Wald für die Stadtbewohner erfüllen soll. Er soll als Erholungsraum für die Städter dienen und, gewissermaßen als „Grüne Lunge“ zu einem guten Stadtklima beitragen. Waldstücke liegen teilweise in Landschafts- oder Naturschutzgebieten.
Erholungsfunktion kollidiert mit Verkehrssicherung
Die Erholungsfunktion sei besonders wichtig, betonte Jetter bei der Vorstellung des Waldwirtschaftsplans 2026 im Finanzausschuss. An vielen Stellen überlagere sie sich mit der Verkehrssicherungspflicht.
Die Aufgabe des Försters ist, herauszufinden, wo genau was davon möglich ist und wie der Wald zu diesem Zweck beschaffen sein sollte.
In der Zwischenzeit habe er sich ein gutes Bild des Zustands des Weiler Walds machen können, so Jetter. Er habe im Rahmen des Programms „Klimaangepasstes Waldmanagement“, dem sich die Stadt Weil am Rhein angeschlossen hat, 6,2 Hektar Stilllegungsflächen ausgewiesen und insgesamt 600 Habitatbäume markiert.
Dabei handelt es sich um Bäume, die verschiedenen anderen Organismen Lebensraum bieten.
Vorwiegend Laubbäume im Stadtwald
Insgesamt elf Baumarten sind Jetter zufolge im Weiler Stadtwald in größerem Maße zu finden, wobei der Anteil an Nadelbäumen mit vier Prozent nur sehr gering ausfällt. Am häufigsten gibt es Rotbuche, Eiche, Bergahorn, Spitzahorn und Esche, aber auch Pappeln, Hainbuchen, Linden und Robinien sind zu finden.
Ziel sei, so führte Jetter aus, ein breites Spektrum an Baumarten zu fördern, damit langfristig vielfältige Ökosystemleistungen erhalten bleiben. Ein Mischwald könne außerdem der Trockenheit viel besser standhalten als Monokulturen.
Notwendig sei deshalb, dass gezielt Bäume entnommen werden, um das Wachstum anderer zu begünstigen und somit konkurrenzschwächere Baumarten eine Chance zu geben.
Manche Bäume sind ein Sicherheitsrisiko
Weitere Bäume müssten gefällt werden, weil sie ein Sicherheitsrisiko darstellen, an bestimmten Stellen müssten zudem Totholz abtransportiert sowie Kronen gelichtet werden.
Eine solche Kombination aus Waldumbau und Verkehrssicherung habe etwa am Rebgartenweg stattgefunden, aber auch im Mooswald, im Nonnenholz und auf dem Landesgartenschau-Gelände. Pflegemaßnahmen haben an der Pferdekoppel bei Haltingen, am „Alten Sportplatz“ Märkt, am Waldkindergarten und im Sohleck stattgefunden.
Im kommenden Jahr würden weniger Bäume gefällt als im Forsteinrichtungsplan vorgesehen: 400 statt 500 Festmeter. Mit dieser geringe Nutzung bewege man sich unter dem Nachhaltigkeits-Hiebsatz, hielt er fest.
Neue Kleingewässer für Amphibien
Die Konsequenz seien zwar geringere Einnahmen aus dem Holzverkauf, zugleich werde aber das „Inventar“ des Stadtwalds geschont, und es gebe weniger Konflikte mit Waldbesuchern. Ansprechende Waldbilder sollten nach Möglichkeit erhalten werden, hieß es außerdem.
600 Bäume würden nachgepflanzt, hinzu kommen Maßnahmen zum Wasserrückhalt im Wald – etwa die Anlage von Kleingewässern – , um dort den Lebensraum für Amphibien zu erweitern.
Der geringere Hiebsatz und der höhere Pflegeaufwand schlagen sich in den Zahlen für das Forstbetriebsjahr 2026 nieder. Aus den Einnahmen in Höhe von 33 700 Euro und den Ausgaben in Höhe von 65 900 Euro ergibt sich ein Minus in Höhe von 32 200 Euro
Information: Der nächste planmäßige Hieb ist an der Haltinger Straße geplant. Dort fallen Bäume bei Unwetterereignissen regelmäßig auf die Straße. Daran sollen auch die Privatwaldbesitzer, die das vorwiegend betrifft, beteiligt werden, sagte Jetter.