Die Stadt wird einzelne Wälder, wie hier am Simmozheimer Berg, stilllegen, um so Öko-Punkte zu generieren. Foto: Biermayer

Gereizte Stimmung im Liebenzeller Gemeinderat: Erneut kritisierte UL-Rat Thomas Becker das geplante Alt- und Totholzkonzept im Stadtwald. Die Stadtverwaltung sagt, bei einem Treffen mit den angrenzendenn Privatwaldbesitzern hätten sich die Wogen geglättet. Becker interpretiert das jedoch anders - und warnt weiter vor dem Borkenkäfer.

Bad Liebenzell - Schon vor knapp einem Jahr hatte sich der Liebenzeller Gemeinderat im Rahmen der Forsteinrichtung für ein Alt- und Totholzkonzept (ATK) im Stadtwald entschlossen. Im September wurden dem Gremium mögliche Flächen präsentiert. Dazu zählen Waldstücke im Monbachtal, in Möttlingen im Gründle und am Simmzoheimer Berg, der Kapplerswald, der Hopf und die Sommerhalde in Unterlengenhardt, die Winterhalde bei Maisenbach und ein Waldstück in Beinberg. Dazu soll im Rosenhardt bei Maisenbach ein Auerwildkonzept angewendet werden, sodass es dieser Vogelart möglich wird, sich dort anzusiedeln. All diese Maßnahmen bringen viele sogenannte Öko-Punkte. Diese braucht die Stadt, um für Projekte wie die Erweiterung des Gewerbegebietes Egarten oder der Erddeponie einen ökologischen Ausgleich zu schaffen.

In der Sitzung im September stieß das ATK insbesondere bei Ratsmitglied Thomas Becker (UL) auf wenig Gegenliebe, denn der Wald wird in den betreffenden Gebieten stillgelegt. Das heißt: Der Wald wird nicht mehr bewirtschaftet. So soll vor allem die Biodiversität im Wald gesichert und gesteigert werden. Becker sorgte sich damals vor allem um die angrenzenden Waldstücke und was passiere, wenn beispielsweise der Borkenkäfer im stillgelegten Wald umgehe. Der mache an der Grenze zum Privatwald ja nicht Halt.

Kritik am Vorgehen der Verwaltung

Becker forderte von der Stadtverwaltung, sich mit den Anrainern zu treffen. Die war damals wenig begeistert. Sich mit allen der mehr als 100 Waldbesitzer zu treffen, sei ein großer Aufwand. Anfang März hat eine solche Veranstaltung aber doch stattgefunden. So erzählte Till Brieger vom Bauamt, dass sich viele Sorgen haben beseitigen lassen. Eine Bewirtschaftung der Privatwälder sei wie bisher möglich.

Becker, der bei der Informationsveranstaltung ebenfalls dabei war, sah das anders: Dort habe es deutliche Kritik am Vorgehen der Verwaltung gegeben. Viele Personen hätten immer noch Angst, vor allem vor dem Befall durch den Borkenkäfer. Mit dem Auerwildkonzept habe er indes keine Probleme, weshalb Becker bat, die Abstimmung über beide Konzepte zu trennen.

Zum Borkenkäfer meinte Bürgermeister Dietmar Fischer (CDU), dass die Förster in allen Wäldern unterwegs seien und das Problem im Auge hätten. Der Schutz sei gewährleistet, die Maßnahme ökologisch sinnvoll. Becker platzte daraufhin der Kragen: Das ATK gebe es doch nur, weil man den Egarten erweitern wolle, polterte er.

Fischer erwiderte, dass es vorrangig um den ökologischen Nutzen gehe. Erst dann kämen die Punkte. Rainer Becht vom Bauamt pflichtete seinem Chef bei. Dies sei eine kostengünstige Situation für die Stadt, in der sich etwas Ökologisches umsetzten lasse. Außerdem sei Becker bei der Informationsveranstaltung zu früh gegangen. Gegen Ende hätten sich die Wogen geglättet. Dies bestätigte auch Gemeinderat Maik Volz (CDU). Er war ebenfalls bei der Veranstaltung. Nach stellenweise deutlicher Kritik sei man im Einvernehmen auseinander gegangen.

Der Gemeinderat entschied sich schließlich einstimmig für die Umsetzung des Auerwildkonzeptes. Auch die Umsetzung des ATK wurde bei einer Gegenstimme von Thomas Becker (UL) beschlossen.

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