Der heftige Gewittersturm aus dem Vorjahr wirkt immer noch nach: Zwar konnte das Schadholz zu einem ordentlichen Preis verkauft werden, durch den Substanzverlust im Stadtwald sind aber nun teure Nachpflanzungen nötig.
Der neue Stadtförster Jürgen Baumer, der jüngst die Nachfolge von Rainer Wiesenberger angetreten hat, kämpft mit seinem Forstteam weiter mit den Nachwehen des August-Sturmes aus dem Vorjahr. Wie Baumer den Gemeinderäten im Verwaltungsausschuss berichtete, seien alleine in den Jahren 2023 und 2024 16 000 Festmeter Schadholz angefallen. Das entspreche etwa dem 2,5-fachen des jährlichen Holzeinschlags. Insgesamt sei infolge des Sturmes ein wirtschaftlicher Verlust von 500 000 Euro für den Stadtwald zu verzeichnen gewesen.
Sturmböen wüteten mit bis zu 160 Stundenkilometer
„Planmäßig wurde 2024 kein Holz eingeschlagen“, macht Baumer die Ausnahmesituation deutlich. Die 11 000 Festmeter Holzeinschlag aus dem laufenden Jahr seien Sturm- sowie Borkenkäfer-Holz. Und insgesamt deutlich mehr, als es im zehnjährigen Forsteinrichtungswerk der Stadt Hechingen vorgeschrieben ist. In diesem ist ein jährlicher Hiebsatz von rund 6800 Festmetern Holz vorgesehen.
Heißt im Umkehrschluss: „Durch den Sturm hat sich im Stadtwald ein deutlicher Substanzverlust ergeben“, so der Stadtförster. Immerhin habe das angefallene Sturmholz zu einem ordentlichen Preis vermarktet werden können. 2024 konnten so Einnahmen von 660 000 Euro generiert werden, im Gegensatz zu den geplanten 320 000 Euro. Baumer sprach daher von einem „voraussichtlichen Überschuss von rund 300 000 Euro“.
Doch durch den Sturm, der kurz, aber mit Böen bis zu 160 Stundenkilometern intensiv wütete, sind Kahlflächen entstanden. Bis zum Jahresende sollen daher vier Hektar wiederaufgeforstet sein.
Bergahorn und Stieleiche dominieren
Auch der Waldwirtschaftsplan für das Jahr 2025, den der Verwaltungsausschuss einstimmig genehmigte, steht unter dem Zeichen Wiederaufforstung, Jungbestandspflege und Kultursicherung. In Zahlen: Fünf Hektar, davon unter anderem 2750 Stück Bergahorn und 3500 Stück Stieleiche, werden neu mit Bäumen bestückt. Das Motto bei der Wahl der Baumart: „Vielfalt statt Einfalt“, wie Baumer betonte. Der Fokus liege dabei auf klimaresistenten Laubbäumen.
Klimawandel macht Forstplan unberechenbar
Doch: Die Wiederaufforstung kostet. Baumer sagt daher zum Waldhaushalt 2025: „Wir können mit der schwarzen Null zufrieden sein.“ Einnahmen von geplanten 585 500 Euro stehen geplante Ausgaben in Höhe von 580 800 Euro entgegen. Weil in den Jahren 2023 und 2024 über Plan Holz eingeschlagen werden musste, wird der Hiebsatz 2025 zum Ausgleich zurückgefahren. 5200 Festmeter sollen eingeschlagen werden.
Klar ist für Baumer: „Die Planung in der Waldwirtschaft für die kommenden Jahre wird durch den Klimawandel und zunehmende Wetterextreme immer unsicherer.“ In diesem Jahr habe sich beispielsweise der Grundwasserstand durch das regenreiche Frühjahr erholen können. 800 Liter pro Quadratmeter habe es an Niederschlag in diesem Jahr in Hechingen gegeben – und damit mehr als üblich bis Oktober. Auf der anderen Seite sei es durch den vielen Regen zu Hangrutschen gekommen, die Waldwege müssten instandgesetzt werden, was ebenfalls wieder Geld koste. Dafür habe die Verwaltung aber einen Förderantrag gestellt.
Hinzu müsse der Privatwald, auf welchen die städtischen Forstmitarbeiter nur wenig Einfluss hätten, beachtet werden. „Da kommen auf die Besitzer Kosten zu“, sagt Baumer.
In der Sitzung wollte AfD-Fraktionssprecher Kai Rosenstock mit Blick auf die Ausgaben im Forst-Zahlenwerk wissen, ob es sich lohnen würde, eigene Forstschlepper anzuschaffen. Jürgen Baumer betont, dass die Maschine alleine für den Hechinger Wald nicht ganzjährig ausgelastet sei und die Unterhaltung eines solchen Fahrzeuges ebenfalls hohe Summen verschlingen würden.
Zahlen und Fakten zum Hechinger Stadtwald
21 Prozent
der Hechinger Gemarkungsfläche macht der Stadtwald aus. Das sind 1415 Hektar. Die hauptbaumart ist mit 33 Prozent die Buche, gefolgt von der Fichte mit 18 Prozent und Eiche mit zehn Prozent.
Nach dem Waldbegang 2017 hat der Gemeinderat Hechingen ein Zielsetzungspapier mit Prioritäten für den Hechinger Forst festgelegt. Oben auf der Liste steht die Walderhaltung, vor einer gesunden Waldökonomie und der Artenvielfalt. Die Schwerpunkte liegen also auf Substanzerhalt und einem gesunden Forstökosystem. Die Produktionsfunktion steht hinten an.
Wie schwer es ist mit Holzpreisen zu kalkulieren, zeigt die Entwicklung des Fichtenpreises pro Festmeter in den vergangenen Jahren. So gab es laut Stadtförster Jürgen Baumer im Jahr 2019/2020 40 Euro pro Festmeter, 2021/2022 110 Euro und 2023/2024 70 Euro. Zum Vergleich: Nach Sturm Lothar fiel der Preis 2001 bis 2004 auf 25 Euro pro Festmeter Fichte. Heißt: Wenn Masse anfällt, geht der Preis in den Keller.