Fand die Diskussion gar nicht lustig: Oberbürgermeister Jürgen Roth. Foto: Eich

Es ist noch gar nicht so lange her, da sorgte Oberbürgermeister Jürgen Roth mit einer bemerkenswerten Aussage über die Bezeichnung "Erster Bürgermeister" für den ersten Beigeordneten Detlev Bührer für Irritationen. Nun sorgt die FDP für einen ähnlichen Wirbel.

Villingen-Schwenningen - Frank Bonath stellte den Antrag: Ein zweiter Beigeordneter solle her, ein so genannter Bildungsbürgermeister und damit neben Roth und Bührer ein dritter Mann in der Verwaltungsspitze. Vergleichbare Städte hätten einen solchen. Und außerdem stelle sich die Frage, ob ein Oberbürgermeister tatsächlich ein Dezernat operativ leiten solle – wie das im übrigen in VS der Fall ist – oder sich eher aufs Strategische konzentriere.

 

Zunächst emotionslos

Offensichtlich beherrscht emotionslos verfolgte Oberbürgermeister Jürgen Roth den Vorstoß im Verwaltungs- und Kulturausschuss zunächst. Bonath betonte, diese Diskussion bewusst außerhalb des Wahlkampf zu führen und erläuterte, dass ein solcher Beigeordneter weder über einen Dienstwagen noch über großes Statusgehabe verfügen müsse, er könne auch als Führungskraft in den Reihen der Mitarbeiter sitzen. Wichtig sei jedoch eine strukturelle Veränderung.

Dass dem Oberbürgermeister die Diskussion nicht schmeckte, wurde bereits in seiner ersten Anmerkung dazu deutlich: "Vielen Dank für Ihre Sorge, was meine Managementqualitäten betrifft", sagte er an Bonath gewandt – die Fachbereitsleiter seien vor genau diesem Hintergrund mit vielen Befugnissen ausgestattet worden, einzig eine politische Legitimation fehle ihnen, da sie nicht gewählt woden sind.

Die Grünen ziehen mit

Die Fraktionen meldeten sich zu Wort. Klaus Martin (CDU) lehnte eine zusätzliche Stelle eines Bürgermeisters kategorisch ab. Bei den Grünen stimmten angesichts sich häufender Überlastungsanzeigen bei der Stadtverwaltung laut Joachim von Mirbach "Sieben von Acht" zu, wollten allerdings nicht unbedingt einen Bildungsbürgermeister, sondern eventuell einen anderen. Die Freien Wähler positionierten sich dagegen, es fehle nicht an einem dritten Bürgermeister, sagte Sybille Seemann, sondern "es fehlen einfach Fachkräfte". Siegfried Heinzmann hielt es, stellvertretend für die SPD, derzeit für "nicht sinnvoll" und will eine "schlanke Struktur" behalten, ebenso Olaf Barth (AfD).

Mit elf Nein-Stimmen gegen fünf Befürworter, einzig aus den Reihen der Grünen und der FDP, war der Antrag der FDP zwar am Ende mehrheitlich abgelehnt worden – dass der Vorstoß der Liberalen ihn aber dennoch getroffen hatte, war angesichts eines kurzen Ausbruchs von Jürgen Roth längst offenkundig geworden: Er frage sich schon, warum man, obwohl Bonath betont habe, gerade keinen Wahlkampf zu betreiben, "diese Diskussion jetzt öffentlich führt", und im Übrigen könne nicht einfach ein Dezernat ohne politischen Auftrag gegründet werden, wetterte Roth.