Wie hier am Max-Planck-Gymnasium wurden am Sonntagabend an vielen Orten Stimmen ausgezählt. Oft landete das Kreuz bei der AfD. Foto: Baublies

Blau dominiert: In vier von sieben Stadtteilen liegt die Rechtsaußen-Partei teils deutlich vorne. Der Stadtverband spürt „Rückenwind“ und plant nun eine Geschäftsstelle in Lahr. OB Markus Ibert äußerte sich auf Anfrage nicht zu dem AfD-Erstarken.

Mit 31,4 Prozent stieg die AfD bei der Bundestagswahl in Lahr zur stärksten Kraft auf – und zwar mit deutlichem Vorsprung. Mehr als sechs Prozentpunkte lag die Partei nach Auszählung aller Stimmen vor der CDU.

 

Vor allem die Menschen, die am Sonntag ins Wahllokal gingen, machten ihr Kreuz bei der AfD. Die Karte über die Gewinner in den einzelnen Wahlbezirken offenbart: Lahr ist überwiegend blau. Ein Überblick.

Die Kernstadt ist überwiegend blau

61,2 Prozent ist der Rekordwert der AfD in Lahr. Erreicht hat die Partei diesen im Wahlbezirk Dinglingen-Ost 5 östlich des Bahnhofs. In der Wilhemsstraße, Karlstraße, Leopoldstraße, Albrechtstraße und Saarstraße sowie dem westlichen Teil der Schwarzwaldstraße westlich des Kreisverkehrs erhielt die AfD 278 der 454 gültigen Stimmen. Die CDU (58) folgt mit gerade mal einem Fünftel der Kreuze auf Platz zwei. Im benachbarten Kanadaring ergibt sich ein ähnliches Bild: Dort kommt die AfD auf 57,5 Prozent, den dritthöchsten Wert eines Lahrer Wahlbezirks.

Auch in anderen Bereichen der Kernstadt hat die AfD der CDU klar den Rang abgelaufen. In der Südstadt, dazu zählen etwa die Tramplerstraße, das Münchtal und die Ernetstraße, wählten 39,2 Prozent blau. In der Oststadt, sprich Gerolds-ecker Vorstadt, kommt die AfD auf 37,1 Prozent. Auch die Stadtmitte ist mit 32,9 Prozent blau gefärbt. Im Lahrer Norden sind CDU und AfD insgesamt auf die Stimme genau gleich stark. In den beiden Burgheimer Wahlbezirken liegen die Christdemokraten vorne.

AfD-Mehrheit in vier von sieben Stadtteilen

In vier der sieben Lahrer Stadtteile ergatterte die AfD die meisten Stimmen. Den größten Zuspruch fand die Partei in Langenwinkel mit 58,2 Prozent im östlichen und 44,4 Prozent im westlichen Wahlbezirk. Zusammengerechnet wählte hier gut jeder Zweite die AfD (51,8 Prozent). Auch Kippenheimweiler (48,38 Prozent) entpuppte sich als AfD-Hochburg, wobei der Ort klar geteilt ist: Nördlich der Kaiserswaldstraße erhielt die AfD 56,5 Prozent, im südlichen Teil „nur“ 38,2 Prozent. Ähnliches Bild in Hugsweier (Gesamt: 42,5 Prozent): Im Osten des Orts kommt die AfD auf 52,6 Prozent, im Westen holt sie mit 30,3 Prozent zwar deutlich weniger, aber immer noch mehr als die CDU. In Mietersheim (42 Prozent) gibt es keine großen Unterschiede zwischen den Wahlbezirken.

Die Ergebnisse der Bundestagswahl in den Lahrer Wahlbezirken Foto: Komm.One/Köhler

Anders sieht es in Kuhbach, Reichenbach und Sulz aus. In den drei Ortsteilen liegt die CDU in allen Wahlbezirken vorne. Dennoch liegt die AfD auch in Kuhbach (28,3 Prozent) und Reichenbach (27,9 Prozent) mehr als sieben Prozentpunkte über dem Bundesschnitt. In Sulz ist die Rechtsaußen-Partei im Lahrer Vergleich am unbeliebtesten. Dennoch wählte auch hier mehr als jeder Fünfte die AfD (21,5 Prozent).

Der Stadtverband will eine Geschäftsstelle eröffnen

„Wir sind glücklich“, kommentiert Benjamin Rösch, Sprecher der Lahrer AfD und Mitglied des Gemeinderats, das Lahrer Ergebnis in einer Mitteilung. Man habe den „Rückenwind in Lahr im Wahlkampf schon gespürt“ und durchaus die Hoffnung gehabt, nahe an die 30 Prozent zu kommen. „Das Ergebnis hat diese Hoffnung sogar noch überflügelt.“ Stadtverbandssprecher Hartmut Vogt zeigt sich in der Mitteilung überzeugt, dass die Demonstrationen gegen rechts wie am Samstag auf dem Lahrer Rathausplatz sogar einen positiven Effekt auf das Wahlergebnis der AfD hatten. Die Leute wüssten, so Vogt, „bei wem ihre Stimme gut aufgehoben ist“. Das sei 2024 bei Europa- und Kommunalwahl so gewesen und habe sich nun wiederholt.

Als „nächsten Schritt“, heißt es in der Mitteilung weiter, plant der Stadtverband zeitnah die Eröffnung einer Partei-Geschäftsstelle in Lahr, „um interessierten Bürgern, vor allem auch Jugendlichen und jungen Erwachsenen, eine Anlaufstelle zu bieten“.

Der Rathauschef sagt nichts zur AfD

„Die Bundestagswahl ist entschieden. Mit den Ergebnissen müssen wir umgehen“, kommentierte OB Markus Ibert am Montagabend im Gemeinderat das Wahlergebnis. Explizit auf das starke AfD-Ergebnis in Lahr ging er weder im Rat noch auf Anfrage unserer Redaktion ein. Er erklärte jedoch, dass „sich bessere Zukunftserwartungen der Bürger in künftigen Wahlergebnissen auch wieder positiv niederschlagen werden“.

Ibert dankte allen Wahlhelfern und hob die in der Stadt um zehn Prozent gestiegene Wahlbeteiligung hervor, auch wenn Lahr mit 75 Prozent noch acht Prozentpunkte unter dem Bundesschnitt liegt. Der OB gratulierte Yannick Bury, Johannes Fechner und Michael Blos zum Einzug in den Bundestag. Sie mögen, so Iberts Appell, bei den Themen Rheintalbahn, Breitbandausbau, finanzierbare Bildungsangebote und kommunale Finanzen „die Anliegen unserer Region in Berlin mit Nachdruck vertreten“.

Die vergangenen Wahlen

Die AfD hat in Lahr in den vergangenen Jahren sukzessive an Stimmen gewonnen. Bei der Landtagswahl 2021 kam die Partei auf 15 Prozent, bei der Bundestagswahl 2021 waren es 15,5 Prozent. Bei der Europawahl im Juni 2024 sprang die AfD mit 22,7 Prozent erstmals auf Platz zwei. Bei der parallel abgehaltenen Gemeinderatswahl verpasste sie mit 20 Prozent nur knapp die Spitzenposition – die Freien Wähler holten 0,6 Prozentpunkte mehr. Nun überflügelte die AfD alle anderen Parteien mit 31,4 Prozent deutlich.