Rainer Prewo (Vierter von rechts) bei einem SPD-Termin in Nagold. Foto: Hamm

Nagolds ehemaliger Oberbürgermeister Rainer Prewo hat auf unseren Artikel „Wie viel darf der Stadtumbau kosten?“vom 20. Januar reagiert.

In einem Brief an unsere Redaktion schreibt er: „Um Kosten und Dauer zu beurteilen, muss man sie mit dem Ergebnis ins Verhältnis setzen.“ Dann benennt er die Faken, wie sie sich aus seiner Sicht darstellen: Die Bauzeit erstreckte sich, in mehreren Phasen, von 1998 – 2005. Die Durchgangsverkehre in beiden Achsen (Nord/Süd und Ost/West) drohten die Stadt zu zerstören, Teile des Handels waren schon geflüchtet. Die neue Führung über ein System kleiner Tunnel wurde zum Rückgrat für alles Weitere (die beiden größeren waren 2000 gebaut, der dritte 2003).

 

Acht Projekte bis zum vollständigen Ergebnis

Die einstige Autokreuzung ist nun der Begegnungsplatz im Herzen der Stadt (1). Dazu brauchte es neue Parkierungsanlagen knapp am neuen Gürtel (2002-2004) um den Kern (2). Dann ein neuer Busbahnhof, mit kleinerer Fläche, doch 50 Prozent mehr Verkehrsleistung (3). So konnte die Waldach, die vom alten ZOB überdeckelt war, bis zur Mündung freigelegt und renaturiert werden (4). Die städtebauliche Fassung des Geländes der vormaligen Gambrinus-Brauerei wurde von einer Last zur großen Chance (5). Der städtische Baubetriebshof mittendrin war zu verlagern und (viel rationeller) weiter draußen neu zu bauen, auf der Fläche entstanden Wohn- und Geschäftshäuser (6). Parallel liefen drei innerstädtische Sanierungsgebiete, die nun auf den Stadtumbau abgestimmt wurden (7). Schließlich folgte als letzte Phase die Gestaltung der Fußgängerflächen, vor allem Vorstadtplatz und Marktstraße (8). – Planungen und kommunale Entscheidungen dauerten von 1994-1997, einschließlich Grunderwerb, Bahn AG-Verträge (Eisenbahnkreuzungen), Wettbewerbsverfahren, Anliegergespräche, vor allem Bürgergespräche und Quartiersversammlungen.

Entscheidend ist aus Sicht von Prewo wie immer, dass Ziele und Struktur zusammen passen, und für Bürgerinnen und Bürger verständlich waren. – Alles war im November 2005 fertig – so dem Handel versprochen („Zum Weihnachtsgeschäft 2005 wird eingeweiht“, so kam es).

Die Bauleitung hatte übrigens ein Horber Ingenieur, Richard Kuon aus Talheim; auch eine Horber Stadträtin, Kristina Sauter, war hautnah dabei und dürfte sich lebhaft erinnern. Natürlich lief nicht alles am Schnürchen, doch stramm im Takt. War kein Hexawerk, es gab viel positive Spannung in der Bürgerschaft.

Nun die Kosten: Alles (1-8) zusammen: gut 60 Mio, Förderungen (vor allem Land und Bund) summiert rund 40 Millionen Euro, Anteil Stadt: Gut 20 Millionen Euro. Es hat die Stadt finanziell nicht umgeworfen – von heute gesehen, im Gegenteil. Der Haushalt war in keinem Jahr unausgeglichen, der Schuldenstand nach dem Umbau niedriger als davor.

Bisher bin ich keiner Nagolderin, keinem Nagolder begegnet, die meinten, die „städtische Rendite“ könne sich nicht sehen lassen. Noch während der Bauzeit (2002), als erkennbar war, wo es hingeht, entschloss sich die Stadt zur Bewerbung um die Landesgartenschau, mit viel Zustimmung der Bürger.

„Mir steht es nicht zu, anderen Städten Ratschläge zu geben. Gerade Horb hat ja selbst Erfahrungen mit größeren Projekten. So könnte der Wahlspruch des württembergi-schen Herzogs Eberhard, um 1500, ganz gut passen: Attempto!“, so Nagolds ehemaliger Oberbürgermeister Rainer Prewo.