Ideen, Analysen und Fantasie – so kann der Fruchtkasten Horbs neue Perle werden. Was der erste Rundgang für Erkenntnisse bringt.
Das war einer der spannendsten Hautnah-Momente in Horb: Zum ersten Mal durften Bürger den Fruchtkasten besichtigen. Live-Eindrücke der Bausubstanz, der ehemaligen Zellen der Polizei und einen Blick in die Zukunft.
Horbs OB Michael Keßler: „Endlich startet die Bürgerbeteiligung. Sie werden heute viele Eindrücke und Überblicke davon bekommen, was Horb vor sich hat. Persönlich bin ich dafür, dass wir den Fruchtkasten gleich beim Kernstadtumbau mit reinnehmen. Doch darüber muss der Gemeinderat in diesem Jahr entscheiden.“
Gut 50 Besucher sind da. Sie gehen zuerst einen Stock höher. Hier ist zu erahnen, wie groß der zukünftige Ratssaal werden kann. 400 Quadratmeter – und die Balken-Stützwerke sind hier nur an der Seite.
Stadtentwicklerin Laura Pallamattam: „Der Dachstuhl wurde in den 80er Jahren saniert – er ist in gutem Zustand und trocken. Wenn wir die Decken entfernen, dann haben wir 14,70 Meter bis zur Giebelspitze auf jetzt drei Etagen. In den Etagen darunter sind die Balkenstützen enger gesetzt – hier gibt es Raster von ungefähr vier auf 4,20 Meter. Holzwürmer konnten bei den bisherigen Gutachten nicht entdeckt werden.“
Ein toller Saal – wie auf der KI-Animation des Rathauses gut zu erkennen ist. Allerdings: Ob hier weitere Gauben oder große Dachfenster ihn noch heller machen können? Pallamatam: „Das müssen wir mit dem Denkmalschutz klären. Ich bin da eher skeptisch, wahrscheinlich wird man mit einem Beleuchtungskonzept arbeiten müssen.“
Welche Gastronomie passt ins Erdgeschoss des Fruchtkastens?
Die Wände dazwischen könne man jederzeit herausnehmen. Noch ein Vorteil: Alle Kabelleitungen sind Aufputz gelegt. Der Nachteil der Konstruktion von 1816: Die Deckenhöhe beträgt bisher 2,40 Meter. Pallamantam: „Zwischen den Balkenlagen dürften maximal drei Meter möglich sein.“
Und das könnte im Erdgeschoss (Keller hat der Fruchtkasten nicht) zum Problem werden: Hier ist eine Idee eine Gastronomie. Architekt Simon Ebner (wollte unter anderem das Kipp-Areal in Genossenschaft entwickeln): „Das wird schwierig, bei diesen Raumhöhen eine Vollgastronomie darzustellen. Eine Teilgastronomie könnte da eher gehen.“
Und während es Rundgangs kommen so manche Ideen. Peter Haipt: „Man sollte hier ein KI-Zentrum in Zusammenarbeit mit Tübingen machen. Dann kann man ein Drittel der Rathausstellen einsparen – damit finanziert sich der Fruchtkasten von selber.“ Immobilienexperte Eckhard Schäffner (von Poll Immobilien Horb): „Man sollte überlegen, den Fruchtkasten mit dem Parkhaus gegenüber mit einer Brücke oder ähnlichem zu verbinden.“
Am spektakulärsten hier: Die ehemaligen Gewahrsams-Zellen der Polizei im Erdgeschoss. Nebenan steht ein Tresor. OB Keßler klopft dagegen: „Den krieg ich nicht auf.“
Draußen wird sich von den Eindrücken erst einmal erholt. OB Keßler unterhält sich mit Gemeinderat Cem Atas (SPD). Dahinter sind noch zwei Gebäude, die der geplanten Mühlkanal-Terrasse im Wege stehen. Keßler: „Da gibt es noch keine Verhandlungen. Wir haben drei Termine geplant, bei denen wir mit Eigentümern sprechen werden. Danach können wir mehr sagen.“ Ehe er sich verabschiedet, hat er spontan die Idee eines Besuchers aufgenommen: Einen Flohmarkt vor der Entkernung. Keßler: „Für alte Schalter und mehr gibt es bestimmt Interessierte.“
So geht es jetzt weiter mit dem Fruchtkasten
Dann geht es wieder Treppen hoch. Pallamattam: „Den Aufzug habe ich bisher hier in den Räumen neben dem Treppenhaus vorgesehen. Allerdings: Wenn der Saal für 200 Gäste geplant wird, muss noch ein Treppenhaus her. Als zusätzlicher Fluchtweg.“
Und hier werden Ideen gesammelt. Indoor-Spielplatz, Fahrrad-Abstellraum, Gastronomie, Hostel, Co-Working-Spaces. Und noch eine entscheidende Frage beantwortet. Pallamattam: „Wenn wir nächstes Frühjahr starten sollten, dann müsste das ganze entkernt werden. Davor noch intensive Untersuchungen und Schadstoffprüfung. Dann könnte der Fruchtkasten realistisch in fünf Jahren umgebaut sein.“ Das Gute: Man könne zunächst die Entkernung und die Außenhülle machen. In einem zweiten Teil den Innenausbau.