Unübersehbar gibt es in Freudenstadt zahlreiche Stadt- oder Straßentauben. Das Problem einer gefühlt zunehmenden Population gibt es nicht nur in der Kurstadt.
Die Stadttauben stammen vermutlich von verwilderten Haus- und Brieftauben ab, die ursprünglich aus der Felsentaube gezüchtet wurden. Laut Nabu hat sich die Stadt- und Straßentaube wie nahezu keine andere Vogelart zum anpassungsfähigen Kulturfolger entwickelt, dessen Lebensbedingungen weitgehend vom Menschen bestimmt werden. So schätzt man, dass weltweit rund 500 Millionen Tauben in Städten leben.
Das zur Freude vieler Menschen, aber auch zum Leidwesen vieler Städte und Hausbesitzer. Da der Stadttaube das Brüten auf Bäumen normalerweise nicht möglich ist, sind die Vögel auf Häuser, Balkone, Mauern und Brücken als Felsenersatz angewiesen.
Der obere Marktplatz scheint ein idealer Standort für die Tauben zu sein. Das belegen immer wieder größere Taubenschwärme. Ab und an kommt man sich wie im von Alfred Hitchcock verfilmten Horrorfilm „Die Vögel“ vor, der solche Vogelschwärme eindrucksvoll in Szene setzte.
Keine Scheu vor Menschen
Scheu vor Menschen kennen die Vögel nicht, wenn sie nach Nahrung auf dem Boden suchen. Wie alle verwandten Taubenarten sind Stadttauben in der Regel Samen- oder Körnerfresser. Zusätzlich nehmen sie Erde oder Steinchen auf, die als Gastrolithen dienen, aber vermutlich auch die Mineralstoffversorgung verbessern. Das ist auf dem Marktplatz zu verfolgen, wenn die Tauben in Spalten der Buntsandsteinplatten über der Tiefgarage genau dort nach Steinchen suchen.
Die Vermehrungsrate der Tiere ist nicht zu unterschätzen. Die Brutzeit beträgt durchschnittlich rund 17 bis 18 Tage. Unabhängig von Witterung oder Nahrungsmangel können Tauben durch den angezüchteten Brutzwang sechs bis acht Mal im Jahr brüten, wobei meist zwei Eier im Nest liegen. Dabei werden vorzugsweise Nischen bevorzugt.
Vorsicht ist bei der Entfernung von Taubenkot angebracht
Zum Ärger der Hausbesitzer ist der Taubenkot aufgrund enthaltener Harnsäure schwer wasserlöslich. Durch seinen sauren PH-Wert kann der Kot Fassaden, Metalle und Denkmäler angreifen. Eine Taube kann im Jahr zehn bis zwölf Kilo Kot produzieren, der Fassaden, Häuser, Bürgersteige und Denkmäler verschmutzt. Vorsicht ist bei der Entfernung von Taubenkot angebracht. Er kann Keime und Krankheitserreger enthalten. Je frischer, um so infektiöser kann er sein. Handschuhe sind beim Entfernen auf alle Fälle angebracht.
Die Tiere dürfen laut Tierschutzgesetz nicht verletzt oder getötet werden. Stadttauben sind standorttreu und haben meist eine Lebenserwartung von zwei bis drei Jahre. Unter optimalen Bedingungen können sie bis zu zehn Jahre alt werden. Die Jungensterblichkeit ist im ersten Jahr mit 90 Prozent hoch. Neben Taubenhäusern wurde auch schon die Pille für Tauben eingesetzt , um die Population langfristig zu verkleinern.
Nabu: Tiere nicht füttern
Vom Nabu Freudenstadt kennt dessen Sprecher Eberhard Valtinke, ehemaliger Förster im Steinwald, das Thema. „Zum Glück sind wir in Freudenstadt noch nicht soweit wie in manchen Großstädten, wo man mit Taubenhäusern versucht, die Vermehrungsrate zu drücken“, sagt er. Wichtig sei, die Tiere nicht zu füttern. Nistplätze würden sie wohl immer irgendwo finden. Als bescheidener Regulat käme noch der Wanderfalke in Frage, der aber, so weit der ehemalige Förster weiß, nicht direkt in Freudenstadt brütet.