Der Gemeinderat hatte in seiner jüngsten Sitzung die Geschäftsordnung zur Fusion des Stadtsenioren- mit dem Behindertenbeirat einstimmig beschlossen.
Zu diesem Thema hatte der Stadtseniorenrat noch einige offene Fragen, zu welchen die Kreisbehindertenbeauftragte beim Landratsamt, Ulrike Krämer, in die Sitzung im Dietrich-Bonhoeffer-Saal in Schopfheim eingeladen war.
Besuch der Kreisbehindertenbeauftragten Ulrike Krämer
Ulrike Krämer stellte sich als Kreisbehindertenbeauftragte vor, sie ist seit September 2022 im Amt. Ihr Arbeitgeber ist das Land. Ihre Hauptaufgabe ist der Einsatz für Menschen mit Beeinträchtigung. Sie ist zuständig für das gute Miteinander der Behinderten und der Kommunen und hat hier eine Art „Ombuds-Funktion“. Wichtig ist der Austausch zu den Verantwortlichen in den Kommunen. Sie arbeitet für die Barrierefreiheit im öffentlichen Raum, und dass Teilhabe und Beeinträchtigung bei der Gesellschaft immer selbstverständlicher werden. Grundsätzlich liegt in Deutschland die Barrierefreiheit im Vergleich zu anderen Ländern weit zurück. Hier seien fast alle Kommunen finanziell schlecht gestellt. Ihre Aufgabe sei, festzustellen, wo die Teilhabe gewünscht und vielleicht zumindest ein hilfreiches Provisorium geschaffen werden kann. Weiterhin schaut sie in den Kommunen gemeinsam mit den Beiräten nach Lösungen. Barrierefreiheit betrifft nicht nur Behinderte, sondern auch ältere Menschen, die mit einem Rollator unterwegs sind, oder auch Mütter mit Kinderwagen. Die Bedürfnisse des Behindertenbeirates und des Seniorenrates seien oft identisch. Sie sagte: „Wir wollen uns gemeinsam stark machen“. Oftmals sei es jedoch notwendig, im Gemeinderat „dicke Bretter zu bohren“. Krämer ist selbst Gemeinderätin in Lörrach und berichtete von einer Aktion des dortigen Behindertenrates, wo Gemeinderäte mit Rollatoren durch die Stadt liefen und persönlich feststellten, wo die Probleme liegen. Ihr Credo sei: „Genau bei Neubauten muss das Thema Barrierefreiheit mitgedacht werden und der Behindertenrat miteinbezogen werden – ein Umbau ist später erheblich teurer“. Wichtig sei auch die Wertschätzung der Beiräte durch die Kommunen.
Stadtseniorenrat von Erfolglosigkeit gefrustet
Der Sprecher der Stadtsenioren, Hannes Schneider, teilte seine Enttäuschung und den Frust mit, der sich innerhalb sechs Jahren seit dem Bestehen des Rates aufgebaut hat. Die Stadtsenioren sind als faktische Arbeitsgemeinschaft bislang kein berufenes Gremium des Gemeinderates. Er sagte: „Die Seniorenarbeit geht ja meist auch in die Behindertenarbeit über“. Mit dem Bürgermeister und der Verwaltung treffen sich die Stadtsenioren mehrfach im Jahr im Arbeitskreis Barrierefreiheit, es wurden auch Begehungen gemacht. Die neuralgischen Punkte in Schopfheim als oberste Priorität werden stets vom Seniorenrat angesprochen - passiert sei so gut wie nichts. Er sagte: „Bei unserer Verwaltung kommt die Barrierefreiheit ganz hinten – und es werden die wildesten Ausreden vorgebracht“. Als Beispiel nannte er einen ungeeignet errichteten Zebrastreifen in der Wehrer Straße.
Auch Heidi Malnati als ehemalige Gemeinderätin bestätigte, es zahle sich häufig aus, geduldig über einen längeren Zeitraum, „dicke Bretter zu bohren“. Sie sagte: „Ein gutes Ergebnis zu erlangen, geht nie schnell“. Auch im Gemeinderat gibt es bei diesem Thema nicht immer nur Freunde. Sie versuchte, auszugleichen und sagte: „Nicht immer ist die Stadt verantwortlich für die Regeln“. Die gemeinsame Satzung der beiden Räte findet ihre volle Zustimmung. Auch für den Behindertenbeirat werden sich Mitglieder finden lassen.
Krämer ergänzte: „Der Seniorenrat wird ab 1. Juli ein klar berufenes Gremium des Gemeinderates – da muss jetzt ein gut gestaltetes Miteinander entstehen“. Nachdem der Behindertenbeirat keine Beauftragten mehr hatte, sei es doch vorteilhaft, beide Räte zusammenzufügen. Insoweit würden die Stadtsenioren „mehr Gewicht“ erlangen. Dann gab es von ihr noch ein dickes Lob für die Stadtsenioren, Krämer sagte: „Ihr habt eine super Arbeit als freie Gruppe geleistet“.
Auch Fachbereichsleiterin Tanja Zimmermann sprach von einem „Neustart“. Sie sagte: „Das was möglich ist, sollte auch möglich gemacht werden. Man muss aber auch die Realitäten sehen. Tatsächlich muss noch an der Kommunikation gefeilt werden“.
Das Georg-Reinhard-Haus sucht ehrenamtliche Helfer
Geschäftsführer Matthias Lang vom Georg-Reinhard-Haus meldete sich zu Wort und berichtete von Umstrukturierungen der acht Wohngruppen. Hier werden ehrenamtliche Helfer, jeweils abends zwischen 17.30 Uhr und 19 Uhr in der Hauswirtschaft gesucht. Per Ehrenamtsvertrag erfolgt hier eine Vergütung. Hier wird Hilfe beim Vorbereiten und Zureichen des Abendessens benötigt, die Senioren sollen hier nicht alleine sein. Interessenten, auch nur für bestimmte Wochentage, können sich bei der Pflegedienstleitung des Georg-Reinhard-Hauses melden.
Hannes Schneider teilte mit, eine Zusicherung der SBB bekommen zu haben, per Lautsprecherdurchsage vom nicht funktionierenden Lift am Bahnsteig des Schopfheimer Bahnhofes zu warnen.