Andrea Stocker, Peter Rögele, Anita Zirnig und Peter Leutze vom Vorstandsteam der Stadtsenioren. Foto: Daniel Vedder

Großen Zuspruch erleben die Donaueschinger Stadtsenioren. Sie wollen älteren Menschen die Chance bieten, aktiv zu sein. Damit schließen sie eine wichtige Lücke.

Es wirkt wie eine kleine Zeitreise, wenn man das Klassenzimmer im Hüfinger Schulmuseum betritt. Wo in Schulen heute moderne Tische und Stühle stehen, füllen hier klassische Sitzbänke den Raum. Vorne kein elektronisches Whiteboard, sondern eine Schiefertafel.

 

Für die Schülerinnen und Schüler, die heute die Bänke füllen, ist es tatsächlich eine kleine Reise zurück in ihre Kindheit und Jugend. Die Stadtsenioren von Donaueschingen sind hier zu ihrem monatlichen Treffen im Schulmuseum zusammengekommen.

37 Seniorinnen und Senioren haben den Weg in die Nachbarstadt auf sich genommen. Viele von ihnen kennen sich, witzeln während der Führung, unterhalten sich danach noch in kleineren Gruppen. Man kennt sich. Aber auch neue Interessierte stoßen bei den Treffen regelmäßig dazu, sagt Organisator Peter Rögele.

Losgelegt haben die Stadtsenioren vor rund 30 Jahren. Das Konzept: Es geht nicht um Betreuung oder Beratung, sondern darum, älteren Menschen in der Kernstadt einmal im Monat die Möglichkeit zu geben, zusammenzukommen und gemeinsam Dinge zu erleben. „Für die Altersgruppe ist es nett, mal herauszukommen und sich zu treffen“, sagt Rögele.

Dazu zählen Vorträge, der klassische Kaffee-Nachmittag oder Halbtagsausflüge innerhalb der erweiterten Region. Dabei können dann auch mal bis zu 55 Teilnehmer dabei sein. „Wir hatten in den vergangenen drei Jahren eine Fahrt, bei der der Bus nicht voll war.“ Die Nachfrage in der Stadt ist groß, so Rögele. „Heute haben ältere Generationen viel mehr Interesse daran, etwas Neues zu sehen, als es noch vor 20 Jahren der Fall war.“

Aktiv sein

Rögele und das Vorstandsteam wollen niedrigschwellige Angebote für ältere Menschen schaffen, um diese Chance zu bieten, aktiv zu bleiben. Sie schneiden für jede Altersgruppe Angebote speziell zu – damit jeder aktiv werden kann.

So gibt es Treffen, die für Menschen geeignet sind, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, andererseits organisieren die Senioren auch eine Wandergruppe. Etwa 80 Prozent der regelmäßig Teilnehmenden sind laut den Organisatoren Frauen.

Margret Wegner aus der Kernstadt ist so gut wie immer bei den Treffen dabei. Foto: Daniel Vedder

Eine, die sich über diese Angebote freut, ist Margret Wegner. Sie wurde vor etwa zwei Jahren durch eine Nachbarin auf die Stadtsenioren aufmerksam. „Wenn es geht, bin ich immer dabei“, sagt Wegner heute. Dass es Leute gibt, die ein abwechslungsreiches Programm speziell für ältere Menschen auf die Beine stellen, sieht sie als besonders wertvoll. „Sonst gibt es da wenig in der Stadt, das auch so vielseitig ist.“

Im Alter wird das direkte Umfeld in der Kommune immer wichtiger, sagt Barbara Stupp, Sprecherin der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen. Deshalb seien Vereine wie die Stadtsenioren so wichtig: „Wer früher täglich zur Arbeit gependelt ist, ist oft an seinem Wohnort nicht so verwurzelt. Wenn körperliche Einschränkungen dazukommen, können weite Wege beschwerlich oder ein ernsthaftes Hindernis werden“, so Stupp. „Offene, barrierearme und kostenlose Begegnungsorte ohne Verzehrpflicht in erreichbarer Entfernung sind dann wichtig, um soziale Kontakte zu knüpfen und an Aktivitäten teilnehmen zu können.“ Solche offene Begegnungsorte ermöglichen, sich weiter aktiv einzubringen.

Deswegen legen Peter Rögele und die Stadtsenioren viel Wert darauf, immer wieder neuen Leuten Plätze bei Ausflügen wie in Hüfingen zu geben. Aufgenommen werden alle ohne Probleme, sagt Brigitte Franzki. Auch sie ist seit etwa zwei Jahren dabei. Neben den Erlebnissen hebt sie den Gemeinschaftsaspekt hervor. „Es gibt hier keine Berührungsängste.“

Kurz vor dem Aus

Dabei standen die Stadtsenioren vor vier Jahren kurz vor dem Aus, berichtet Peter Rögele. Nachdem die alte Leitung nach langer Zeit einen Schritt kürzertreten wollte, wurde die Nachfolge zum Problem. „Wir wurden dann aber von vielen Leuten angesprochen, dass es weitergehen soll“ - also hatte sich der Vorstand neu formiert.

Die abwechslungsreichen Angebote, die über den Kaffee-Nachmittag hinausgehen, machen für Brigitte Franzki den Donaueschinger Seniorentreff aus. Foto: Daniel Vedder

Für die Zukunft sehen sich Peter Rögele und das Vorstandsteam gut aufgestellt. Solange die Angebote so gut angenommen werden, wie aktuell, geht es auch weiter. „Wir haben ja sonst nichts zu tun“, sagt Rögele und lacht.

Dritte Orte im Wandel

Als Dritte Orte
werden in der Soziologie informelle Treffpunkte bezeichnet, an denen Menschen gemeinschaftlich abseits der Familie und Arbeit oder Schule zusammenkommen können. Wo sich die Leute früher noch spontan in der Eckkneipe oder dem Leseclub in der Bibliothek getroffen haben, sind solche Orte heute fast ausgestorben. Oder gibt es sie noch und die Menschen nutzen sie nicht mehr? Auf jeden Fall haben Dritte Orte eine Veränderung durchlaufen. In unserer Serie „Dritte Orte im Wandel“ schauen wir uns an, wie sich die Möglichkeit für spontane Gemeinschaft rund um Donaueschingen verändert hat und wo die Begegnung noch gelebt wird.