Regen, ein Reh, das aus dem Gebüsch springt und der innere Schweinehund: All das kann Familie Klaucke nicht stoppen. Das Trio legte insgesamt 2230 Kilometer zurück.
Während Schriftsteller Jules Verne seine Helden in 80 Tagen um die Welt schickte, reichten Familie Klaucke aus Oberbaldingen schon 21 Tage – um sich mit Muskelkraft, Sportsgeist und einer ordentlichen Portion Familienspaß zwar nicht um die Welt, aber immerhin bis in den Europa-Park zu radeln. Da die Familie schulisch und beruflich enge Verbindungen zu Donaueschingen hat, nahm sie am Donaueschinger Stadtradeln 2025 teil.
Dabei trotzte das Trio dem wechselhaften Juliwetter und veranstaltete innerhalb des großen Wettbewerbs ein Bruderduell – um die Aktion damit zu einem unvergesslichen Abenteuer auf zwei Rädern zu machen. Die sportliche Familie, bestehend aus Mama Anna und ihren Söhnen Alexander (14) und Arne Jonathan (12), ist im Leichtathletikverein Donaueschingen aktiv und auch beim SSC Bad Dürrheim im Schwimmbad regelmäßig anzutreffen.
Doch im Juli drehte sich bei den Klauckes alles ums Fahrrad. Denn Alexander hatte ein klares Ziel: Er wollte seinem jüngeren Bruder Arne nacheifern, der bereits beim Stadtradeln 2024 nicht nur als familieninterner Sieger hervorgegangen war, sondern auch bester Radler des LV Donaueschingen wurde. „Letztes Jahr hat Arne mich ganz schön abgehängt“, erzählt Alexander. „Dieses Jahr wollte ich zeigen, dass ich mithalten kann.“ Der tägliche Schulweg von Oberbaldingen nach Donaueschingen ins Fürstenberg-Gymnasium wurde zur Bühne für das Bruderduell.
Aber auch Mama Anna, Lehrkraft an der Erich-Kästner-Schule, griff in das Familienduell mit ein. „Ich fahre zwar ein E-Bike, aber treten muss man dennoch – und auch oftmals bei den doch vielen Regentagen im Juli den inneren Schweinehund noch einmal zusätzlich überwinden“, sagt Anna Klaucke mit einem Lachen. „Wir sind mehr als einmal komplett durchnässt heimgekommen – aber es hat trotzdem Spaß gemacht. Ich war sehr beeindruckt, wie wir das durchgezogen haben“, berichtet sie.
Da steigt der Puls
Ein kleiner Schreckmoment blieb allerdings nicht aus: Auf einer ihrer Touren sprang plötzlich ein Reh aus dem Gebüsch direkt vor Annas Vorderrad. „Ich habe gerade noch bremsen können – zum Glück ist nichts passiert, weder dem Reh noch mir“, erzählt sie. Aber der Puls war kurzzeitig höher als bei jedem Anstieg.
Die Motivation war hoch – nicht zuletzt wegen eines besonderen Anreizes: Wer in den drei Wochen des Wettbewerbs die meisten Kilometer sammelte, durfte sich über eine Eintrittskarte in den Europa-Park freuen. So gab es dann auch einmal eine Tour nach Rottweil zum Erdbeerenpflücken. „So kamen dann an einem Tag schon mal fast 80 Kilometer auf den Fahrradtacho“, erzählt das Trio. „Und Papa war da dann natürlich auch mit von der Partie“, ergänzt Anna.
Täglich ab Oberbaldingen
Alleine die täglichen Touren von Oberbaldingen nach Donaueschingen brachten jedem so an die 40 Kilometer. Klavierspielen in Villingen, Schwimmtraining in Bad Dürrheim und Leichtathletik in Donaueschingen taten ihr Übriges. Auch an den Wochenenden blieb das Auto stehen – weitere Touren standen auf dem Programm. Vor allem die beiden Jungs mit ihren Mountainbikes waren in der Zeit zusätzlich auf Biketrails in der Umgebung unterwegs.
Alexander gewinnt das Familienduell
Am Ende war die Überraschung dann perfekt: Während Arne Jonathan und Anna 624 beziehungsweise 799 Kilometer schafften, spulte Alexander 807 Kilometer auf seinem Rad herunter. „Wenn ich gewusst hätte, wie knapp es war, dann hätte ich noch ein paar Runden mehr mit dem Rad gedreht – schließlich ging es ja auch um das Familienduell“, lacht Anna Klaucke. So gewann Alexander nicht nur den hausinternen Titel, sondern auch die vom LV Donaueschingen ausgelobte Eintrittskarte für den Europa-Park.
Arne Jonathan nahm es sportlich: „Okay, Alex hat gewonnen – aber nächstes Jahr hol ich mir den Titel“, sagt er, denn man freut sich schon wieder auf die (hoffentlich) Neuauflage 2026.
Verbindendes Erlebnis
Die Familie Klaucke zeigt so eindrucksvoll, wie Stadtradeln nicht nur ein sportlicher Wettbewerb, sondern auch ein verbindendes Erlebnis für die ganze Familie sein kann – selbst bei Regenwetter und tierischen Überraschungen. Und wer weiß – vielleicht heißt es nächstes Jahr wieder „In 21 Tagen um die Region“ – mit neuen Zielen, neuen Strecken und ganz viel Teamgeist.
Der Wettbewerb
Beim Stadtradeln
sammeln Bürgerinnen und Bürger jedes Jahr im Juni oder Juli drei Wochen lang Fahrradkilometer für den Klimaschutz und den Teamgeist. Ziel ist es, möglichst viele Alltagswege mit dem Rad anstatt dem Auto zurückzulegen und so CO2 zu sparen.