Frisch gekrönt: Claudia und Wolfgang Seljé. Foto: Peter Petsch

Zu Händels Feuerwerksmusik schritt das neue Stadtprinzenpaar der Gesellschaft Möbelwagen, Claudia II. und Wolfgang III., zur feierlichen Inthronisation im Stuttgarter Rathaus. Mit dabei: alle Gesellschaften aus Stuttgart und viele aus der Region.

Zu Händels Feuerwerksmusik schritt das neue Stadtprinzenpaar der Gesellschaft Möbelwagen, Claudia II. und Wolfgang III., zur feierlichen Inthronisation im Stuttgarter Rathaus. Mit dabei: alle Gesellschaften aus Stuttgart und viele aus der Region.

Stuttgart - „Wir wollen die Stadt während des Faschings zum Wohl der Stuttgarter mit Toleranz, Weitsicht und Humor regieren“, verspricht Wolfgang III. staatsmännisch. Wie jede Stadtprinzen bringen Claudia II. und Wolfgang III. Fähigkeiten in die Kampagne ein: Sie können singen. „Die meisten Stadtprinzenpaare können singen, aber wir hatten auch einmal einen Zauberer“, sagt Möbelwagen-Präsident Thomas Klinghammer. Der 54-jährige Wolfgang Seljé ist Sänger und Moderator. Seine Ehefrau Claudia Seljé arbeitet als Controllerin in einer schwäbischen Bautrocknungsfirma: „Das ist ein ganz trockener Beruf“, sagt die 47-Jährige.

Verheiratet sind die beiden gebürtigen Stuttgarter, die in Filderstadt wohnen, seit 18 Jahren. Kennengelernt haben sie sich bei einer Aufführung von Mozarts „Zauberflöte“ in Filderstadt als Papagena und als Papageno. „Da hat es sofort gefunkt“, sagen beide unisono. Für die frisch gekürten Adeligen auf Zeit lassen sich Berufsleben und die Faschingskampagne relativ gut in Einklang bringen. „Ich bin Freiberufler und kann meine Termine selbst steuern. Bei einigen Faschingsterminen werde ich allerdings nicht dabei sein, weil ich schon länger anderweitig unter Vertrag stehe“, sagt der Sänger. Bei seiner Gattin klappt ebenfalls alles gut, denn die meisten Termine liegen sowieso an den Wochenenden, und an anderen Tagen nimmt sie Urlaub.

Auf das singende Ehepaar ist Thomas Klinghammer beim Surfen im Internet und beim Anschauen von Wolfgang Seljés Homepage gestoßen: „Dabei ist er mir als schwä­bischer Frank Sinatra aufgefallen, und das passt gut in unseren Karneval. Er hat auch gleich Ja gesagt.“ „Schwäbisch ist meine Muttersprache, deshalb singe ich in ihr, nicht um komisch zu wirken. Ich habe ­Texte mit Tiefgang zu Songs der Weltmusik ­geschrieben, die Menschen interessant ­finden sollen“, sagt der frisch gekürte Stadtprinz.

Die spontane Zusage wirkt befremdlich, denn die beiden hatten mit Fasching nichts am Hut. „Als Kind im Prinzessinnen-Kostüm habe ich natürlich auch von einem Prinzen geträumt. Später habe ich Umzüge angeschaut, aber immer Distanz zum Fasching gehalten.“ Jetzt harren die beiden der Dinge, die da kommen. „Wir sind gespannt wie ein Flitzebogen“, sagt Claudia Seljé, und ihr Mann ergänzt: „Wir wollen jetzt unsere Toleranz erweitern.“ Auf ungläubiges Staunen ist der Entschluss der beiden bei den drei 17, 24 und 27 Jahre alten Töchtern gestoßen. „Die beiden ältesten stießen ein verblüfftes ‚Hä?‘ hervor. Die jüngste fand die alterstypische Universalbemerkung: ‚Cool.‘“

Das Gesangsrepertoire des Stadtprinzen und seiner bisweilen mitsingenden Gattin hat die Narren im Rathaus jedenfalls restlos begeistert. Zur Melodie von Sinatras „Strangers In The Night“ textet der Prinz: „Schenkat Se mr Zeit. I bitt’ Se ehrlich, Sie machet mr a Freid.“ Um seine Erfahrungen mit einer kubanischen Friseurin zu vertonnen, greift Seljé zum Lied „Guantanamera“ und textet, passend zum Friseursalon: „Kammer da net mehr ra?“