Die Bierhalle an der Ecke Gartenstraße/Schuhstraße in Rottenburg: Das Gebäude wurde seit 1874 als Gaststätte genutzt und liegt seit Jahren brach. Im Sommer 2026 soll es abgerissen werden. Foto: Hete Henning

Das alte Rottenburger Lokal an der Gartenstraße/Ecke Schuhstraße soll im Sommer 2026 fallen. Die Stadt hofft, das Grundstück ohne Gebäude besser verkaufen zu können.

In der Bierhalle an der Gartenstraße in Rottenburg wurde bei der Fasnet 2023 zum letzten Mal Bier ausgeschenkt. Anlässlich der närrischen Tage hatte ihr ehemaliger Wirt Udo Schneider das seit 1874 als Gastwirtschaft genutzte Gemäuer zur Fasnet noch einmal geöffnet. Der Gerstensaft floss in Strömen.

 

Seither liegt die Bierhalle brach, und die Stadt Rottenburg sucht nach einem Investor. Vorzugsweise nach einem, der Pläne für eine Weiternutzung im Bereich der Außengastronomie hat. Dort, wo einst die Kegelbahn der Bierhalle stand, wäre beispielsweise ein Biergarten in idyllischer Nähe zum Heberlesgraben mit seinem alten Baumbestand möglich. Für flirrendes Licht sorgt dort im Frühjahr eine mächtige Trauerweide.

Abriss soll die Vermarktung erleichtern

Die Stadtverwaltung hat jetzt ihre Strategie für die Bierhalle geändert. Sie will nicht länger das Grundstück Gartenstraße 9 mit der Bierhalle darauf verkaufen, sondern das Gebäude abreißen und das Grundstück baureif verkaufen. Mit dem Abriss ist laut der städtischen Pressesprecherin Birgit Reinke noch 2026 zu rechnen, vermutlich im Frühsommer oder Sommer.

2023 machte der Rottenburger Gastwirt Udo Schneider die Bierhalle zur Fasnetskneipe. Foto: Uschi Hahn / Archiv

Im Haushaltsplan für 2026 sind für die Abbrucharbeiten 100.000 Euro eingeplant. Ziel des Abrisses sei es, „die Kosten für einen möglichen Interessenten für die Verwertung des Grundstücks zu senken“, so die städtische Pressesprecherin Birgit Reinke auf Anfrage dieser Zeitung.

Die Investorensuche war seit 2019 vergeblich

Um einen Investor hat sich die Stadt Rottenburg allerdings nicht erst seit der Fasnet 2023 bemüht. Die Suche begann bereits 2019. Damals kaufte die Stadt dem Gastwirt Antonio Monteroso die Bierhalle ab. 2020 folgte der Abriss der um 1896 gebauten Kegelbahn. Viele der alten Mauersteine lagerten bis vor Kurzem am Bauzaun zur Schuhstraße hin. Jetzt wurden sie abgeräumt.

2020 war ein Investor abgesprungen, der dort als Teil eines größeren Projekts ein Bäckerei-Café mit Außengastronomie betreiben wollte. Seither sei die Immobilie zweimal zum Verkauf ausgeschrieben gewesen, sagt Reinke, zuletzt 2025. Die Ausschreibungen hätten keinen Erfolg gebracht.

Der frühere Bierhallen-Wirt Udo Schneider spielte 2023 nach dem Fasnets-Erfolg zwar kurz mit dem Gedanken, sein früheres Lokal wieder zu pachten. Dann machte aber auch er einen Rückzieher: Man müsse, so stellte er fest, „viel zu viel reinstecken“, um die alte Gaststätte wieder fit zu machen für die Eventgastronomie, die ihm vorgeschwebt hatte.

Die Stadt hätte gern Außengastronomie

Was einmal auf dem Bierhallen-Grundstück gebaut werden wird, steht noch in den Sternen. Laut Rathaus-Sprecherin Reinke beabsichtigt die Stadt Rottenburg „eine Entwicklung des Grundstücks“. Offen sei allerdings, in welcher Weise. Außengastronomie, also zum Beispiel ein Biergarten oder ein Freiluftcafé, sei „weiterhin wünschenswert“. Denkbar sei aber auch „eine andere öffentlichkeitswirksame Nutzung zum Straßenraum hin“. Selbst neu bebauen will die Stadt das Grundstück nicht.

Bei der zukünftigen Verwertung des Grundstücks Gartenstraße 9 spielt neben den Vorgaben der Altstadtsatzung nicht zuletzt dessen städtebauliche Lage eine Rolle: Es befindet sich an der Ecke Schuhstraße/Gartenstraße, überm südlichen Ende des Stadtgrabens. Und es liegt in unmittelbarer Nähe des vor rund 200 Jahren aus dem Stadtbild verschwundenen Kiebinger Tors. Das Nachbarhaus Gartenstraße 7 ist an die frühere Stadtmauer angebaut. Diese besondere städtebauliche Funktion der Bierhalle müsse sich im späteren Gebäude und dessen Nutzung wiederfinden, so die Stadtverwaltung. Wichtig sei dabei auch die Sichtbeziehung zum Stadtgraben.

Zudem liegt das Grundstück Gartenstraße 9 im Sanierungsgebiet „Heberlesgraben“, für das die Stadt in diesem Jahr einen Zuschuss in Höhe von 800.000 Euro aus dem Städtebauförderprogramm des Landes Baden-Württemberg bekommt. Davon sollen 60.000 Euro in den etwa 100.000 Euro teuren Abriss der Bierhalle fließen. Der kostet die Stadt damit nur noch 40.000 Euro.

Die Stadtmauer beim Zwinger wird repariert

Um das Grundstück Gartenstraße 9 attraktiver zu machen, will die Stadt Rottenburg nicht nur die Bierhalle abbrechen. Sie will auch 380.000 Euro in die Sanierung der Stadtmauer beim Zwinger stecken. Es gilt, das Mauerstück zwischen der Bierhalle und dem Treppenabgang in den Stadtgraben zu reparieren. Oberhalb dieses bereits zu großen Teilen eingestürzten Stücks der Stadtmauer stand früher die Kegelbahn.

Mit der Sanierung der Mauer will die Stadtverwaltung erreichen, dass dieser Teil Rottenburgs wiederbelebt und wie früher Teil des öffentlichen Raums werden kann. Rathaussprecherin Birgit Reinke verweist auf die gewünschte öffentlichkeitswirksame Nutzung des Grundstücks zum Straßenraum hin: „Dafür muss die Mauer hinunter zum Stadtgraben wieder funktionsfähig sein.“

288.000 Euro der Kosten für die Mauersanierung will die Stadt aus dem jüngsten Zuschuss aus dem Städtebauförderprogramm des Landes Baden-Württemberg nehmen.