Kräftig anpacken heißt es für die Akteure der IG Vogelvoliere um ihren Vorsitzenden Heinz Bernauer (Zweiter v.r.) und Kassierer Foto:  

Wo im Moment alles nach Baustelle aussieht und klingt, soll in wenigen Monaten munteres Vogelgezwitscher den Ton angeben: Die Vogelvoliere im Stadtpark wird neu belebt.

Seit vier Wochen sind die etwa ein Dutzend in der IG Vogelvoliere Stadtpark versammelten Nostalgie- und Vogelfreunde aktiv: Die über 60 Jahre alte und mächtig in die Jahre gekommene Vogelvoliere im Schopfheimer Stadtpark soll auf Vordermann gebracht werden – auf dass schon in diesem Sommer wieder geflügeltes Leben einziehen kann: „Wir wollen die Voliere am 1. August offiziell wiedereröffnen“, sagt Heinz Bernauer, Vorsitzender der IG, beim Pressetermin vor Ort.

 

Reinigung und frische Farbe

Ein grundlegender und schweißtreibender erster Schritt ist inzwischen erledigt: Die Grundreinigung von Boden und Mauern der Innen- und Außenanlage, die mit Hilfe eines Hochdruckreinigers von von altem Schmutz und Vogelkot befreit wurden und inzwischen, auch dank neuem Anstrich, wieder in frischem Glanz erstrahlen.

Aktuell schachten die Helfer den Erdboden des Freigeheges gründlich aus, um es ebenfalls von Vogelkot und dickem Wurzelwerk zu befreien und so den Boden zu bereiten für die geplante Bepflanzung. Elektrik und Wasserleitung sind bereits neu verlegt – letzteres mitsamt Boiler, damit künftig warmes Wasser für die Reinigung von Gehege und Futternäpfen zur Verfügung steht. Anschließend müssen rostige Teile des Drahtgitters ersetzt werden. Neu wird auch ein Teil des Freibereichs überdacht, damit die Vögel auch bei Regen ein trockenes Plätzchen haben – und, damit sie vor Verunreinigung geschützt ist, die freifliegende Artgenossen unter Umständen hinter- beziehungsweise herablassen.

Große Portion Nostalgie

Die Aktion zur Wiederbelebung der Voliere ist von einer gehörigen Portion Nostalgie getragen: „Wir wollen das hier aufleben lassen – so, wie es früher war“, erklärt Initiator Bernauer seine Motivation. Diese „früher“ umfasst mehr als 60 Jahre: Eingeweiht wurde das Vogelgehege 1962 – in dem Jahr, in dem das Areal der Bevölkerung als Stadtpark zugänglich gemacht wurde.

Für Generationen kleiner Schopfheimer war die Voliere in den folgenden Jahrzehnten die Attraktion, an der auf dem Weg durch die Stadt kein Weg vorbeiführte. Mehr als 50 Jahre lang und bis 2018 kümmerte sich die „ Ornithologische Gemeinschaft Schopfheim“ und federführend der kürzlich verstorbene „Vogelvater“ Kurt Häuptle um die Voliere und ihre Bewohner. Nach dessen Rückzug 2018 übernahmen andere Helfer aus den Reihen der Gemeinschaft – konnten die Pflege aber letztlich nicht mehr stemmen, gaben die Voliere auf und die letzten Tiere ab.

Abriss-Pläne abgeändert

Seit vergangenem Herbst war die Einrichtung endgültig verwaist – und sollte eigentlich nach Willen der Stadtverwaltung abgerissen werden und einem Rollstuhl-Karussell Platz machen.

Entsprechende Pläne wurden Ende vergangenen Jahres im Bauausschuss vorgestellt – dann aber angesichts der Initiative der Volierenfreunde abgeändert: Die Voliere bleibt, das Karussell wird davor aufgestellt, so der Vorschlag, der Thema in der nächsten Gemeinderatssitzung ist.

Kritische Rückmeldungen

Während die IG von ihrer Mission beseelt ist, gibt es durchaus auch kritische Rückmeldung. Von Tierquälerei und aus der Zeit gefallener Käfighaltung ist da die Rede, berichtet Bernauer – und verwehrt sich dagegen entschieden: Die IG will die Einrichtung vor allem als Auffangstation verstanden wissen, in der Piepmatze Unterschlupf finden, die aus ihrem bisherigen Nest ausziehen müssen – etwa aus Altersgründen der Halter. Entsprechende Anfragen geben es bereits.

Die fachliche Expertise von Edwin Sänger vom Vogelhaus Hüsingen sorge dafür, dass alles im Sinne des Tierwohl ablaufe, und nicht zuletzt sei das Vorgehen eng mit dem Veterinäramt abgestimmt, das dem Projekt vor wenigen Tagen offiziell grünes Licht gegeben hat. Zu den Auflagen gehört beispielsweise, dass es zwei abgetrennte Bereiche geben wird, um Vogelarten, die so gar nichts miteinander anfangen können, getrennt unterzubringen. Eine Dämmung des Häuschens soll dafür sorgen, dass das Federvieh auch im Winter erträgliche Temperaturen vorfindet, und das neue Dach schützt die Tiere auch draußen.

Für die Pflege sucht die IG Mitstreiter. Diese können sich bei Heinz Bernauer unter h_bernauer@web.de melden.

Wer einen finanziellen Beitrag zu Sanierung und Unterhalt leisten möchte, kann spenden: IG Vogelvoliere, IBAN: DE37 6839 0000 0009 2659 29