Der neue Stadtmusikdirektor Thomas Scheiflinger schätzt das Niveau der Stadt- und Bürgerwehrmusik Villingen. Im Gespräch erzählt der 37-jährige Dirigent von seinen Plänen.
Dass ihm das Schunkellied und der Narromarsch schon in Fleisch und Blut übergegangen ist, hat er beim Zunftball der Narrozunft bewiesen. Kurz kam er nach vorn und stellte sich vor, dann trat er schnell wieder zu seinen Musikern in den Hintergrund: der neue Villinger Stadtmusikdirektor Thomas Scheiflinger. Es war sein erster öffentlicher Auftritt mit der Stadt- und Bürgerwehrmusik, an deren Spitze er seit dem 1. Februar steht.
Ein langes Bewerbungsverfahren mit 15 Interessenten liegt hinter ihm, zusammen mit einem zweiten Kandidaten hatte er es in die Endrunde geschafft und nach einem Probedirigat, einer Vorstellung seiner Pläne und Visionen, Fragerunden und vielen Gesprächen das Rennen gemacht. Ein Glücksfall für den 37-Jährigen – beruflich wie privat.
Vom Niveau des Orchesters begeistert
Den ersten Kontakt zur Stadtmusik hatte er bereits 2023 geknüpft, als er für den damals erkrankten Stadtmusikdirektor Markus Färber eingesprungen war. Nach vier Proben habe er das Jahreskonzert auf die Bühne gebracht und sei vom Niveau des Orchesters begeistert gewesen. Der Eindruck habe sich in seiner Zeit als Interimsdirigent in den vergangenen Monaten noch vertieft.
Gutes Miteinander
„Diese Qualität hat mich gereizt“, nennt er eine der Motivationen, sich zu bewerben. Sein Vorgänger habe das Orchester in den 24 Jahren auf eine hohe Stufe gebracht, daran wolle er anknüpfen. Froh sei er über das gute Miteinander mit Markus Färber, der ihm mit Rat und Rat zur Seite stehe und weiter Unterricht gebe. Die von ihm eingeschlagene Richtung verfolge er weiter, betont Scheiflinger, halte an Jahreskonzerten und Wertungsspielen fest.
Zudem denkt er an neue Formate wie Open-Air-Auftritte und eine stärkere Außenpräsenz als bisher, möchte beispielsweise mit hochwertigen Musical- und Filmmelodien mit der Freude für die Musik anstecken. „Das Orchester muss Spaß haben und es muss dem Publikum gefallen“, gibt er die Devise vor. Wichtig sei es ihm, Musik zu vermitteln. Und für ihn gehöre zu jedem Konzert ein Marsch, sei der Ursprung der Blas- doch die Militärmusik. Diese sei nicht zuletzt wegen der Aufführungen des Zapfenstreichs eine der Anforderungen im Stellenprofil gewesen, die er durch seine Zeit in einem Militärorchester in seiner alten Heimat Österreich erfüllen konnte.
„Auch diese neuen Wege will das junge Vorstandsteam mit mir gehen“, erzählt Scheiflinger, der sich über die tolle Zusammenarbeit freut. Überhaupt hat er sich vorgenommen, „einen Hauch von Jugendlichkeit“ ins Orchester zu bringen und gerade ein Augenmerk auf die Jugend zu werfen, die ihm am Herzen liege.
Der aus Vorarlberg stammende Musiker saß selbst mit drei Jahren zum ersten Mal an der Orgel, mit sechs Jahren begann er, Klarinette zu spielen und begleitete mit elf Jahren seinen ersten Gottesdienst an der Orgel. Zwei Jahre später fing er an, Dirigentenunterricht zu nehmen. Er hat nicht nur Musik, sondern auch Musikwissenschaft und Kunstgeschichte in Feldkirch, Tübingen, Stuttgart, Trossingen und Leipzig studiert.
Weltweit unterwegs
Im In- und Ausland war Scheiflinger tätig, kann auf 20 Jahre Erfahrung als Dirigent zurückblicken, leitete die Stadtkapelle Schömberg, die Feuerwehrmusikkapelle Dagersheim und das Kreisjugendorchester Böblingen, dem er wegen seiner Freude an der Arbeit mit dem Nachwuchs erhalten bleibt, war Geschäftsführer und Projektleiter beim Musikpodium in Stuttgart. Bekannt ist er in der Region auch wegen seines Chorprojekts in Niedereschach, das dieses Jahr in die zweite Runde geht.
„Ich war schon viel in der Welt unterwegs“, stellt er mit einem fast ungläubigen Lächeln fest. Aus Liebe zu einer Schwarzwälderin blieb er in der Region, hat ein Haus in Weiler gebaut und jetzt die erste Festanstellung als Dirigent gefunden. „Es ist schön, sesshaft zu sein“, zeigt er sich rundum zufrieden mit seinen bisherigen Wegen, die ihn schließlich nach Villingen führten. Dankbar sei er für diese Chancen und spüre Demut gegenüber Musikern, Dirigenten und Professoren, die im diese eröffnet hätten.
Unterstützer und Förderer des Orchesters
Er ist angekommen in der neuen Heimat, sieht eine langfristige Perspektive und möchte dem Orchester Beständigkeit geben. Die historische Stadt hat es ihm angetan, ebenso der Menschenschlag. Er fühlt sich herzlich aufgenommen, auch bei den 70 Musikern. Seine Rolle sehe er nicht im Rampenlicht, vielmehr als Unterstützer und Förderer des Orchesters, für das er sich „1000-prozentig“ einsetzen, mit ihm Traditionen bewahren und Neues schaffen wolle.
Da spielt für ihn auch die Fasnet als Brauchtum eine wichtige Rolle. So fiebert er den anstehenden Umzügen entgegen, wenn er an der Spitze der Stadtmusik mitläuft – und seine Familie am ein oder anderen Tag am Straßenrand steht, schunkelt und sich vom Narromarsch mitreißen lässt.