Groß war das Interesse am Vortrag von Stephan Maurer über die Herren von Waldeck. Foto: Birgit Althof/FöSS

Im Stadtmuseum Schopfheim zeichnet der Wirtschaftswissenschaftler und Hobby-Historiker Stephan Maurer die Spuren des Adelsgeschlechts nach, das für das Wiesental einst prägend war.

„Ich Walcho habe bedacht die Unstetigkeit der zeitlichen gegenwärtigen Güter und begehre zu empfangen den Lohn der künftigen…“, heißt es bedeutungsschwer in einer Urkunde vom 7. April 1113. Walcho von Waldeck überschreibt seinen gesamten Besitz – „alles das, was ich zum heutigen Tage zu eigen habe“ – mit Ausnahme eines kleinen Guts in Steinen an das Kloster St. Blasien. „Das Motiv war eindeutig religiös“, erklärte Stephan Maurer bei seinem Vortrag im vollbesetzten Roggenbachsaal, wo mehr als 60 Besucher der wechselvollen Geschichte der frühmittelalterlichen Adelshäuser folgten.

 

Abschied vom weltlichen Leben samt Gütern

1113 trat Walcho in das Kloster St. Blasien ein, wo er bis zu seinem Tod lebte – weder sein Sohn noch seine Ehefrau machten Besitzrechte geltend, vielleicht wurden auch sie Ordensleute. Was heute fast ungeheuerlich klingt, galt im Mittelalter als fromme Sitte: Hermann, der Stammvater der Markgrafen zu Baden, ein gewisser „Herre Dietrich“, der der Familie von Rötteln zugeschrieben wird und viele andere mehr gaben ihr weltliches Leben samt Gütern auf und zogen sich in Klöster zurück.

Für Geschichtsforscher bieten Schenkungsurkunden wertvolle Informationen aus einer sonst sehr quellenarmen Zeit – auch Schopfheim wurde auf diese Weise 807 zum ersten Mal erwähnt.

„Hauptquellen sind Dokumente über Rechtsgeschäfte“, so Stephan Maurer: Schenkungen sowie die Namenslisten der Adligen, die sie bezeugten, geben Aufschluss über die Beziehungsnetzwerke zwischen den Familien, zwischen Herrschern und Untertanen sowie den Klöstern. Vor allem lassen sie Rückschlüsse auf Siedlungsorte zu, die durch archäologische Grabungen ergänzt werden können.

Herrschaftsfreie Wälder, rivalisierende Geschlechter

Maurer zeichnete ein spannendes Bild aus grauer Vorzeit: Durch Adelsfamilien aus dem „Altsiedelland“ am Ober- und Hochrhein schritt die Besiedelung des Mittleren Wiesentals ab dem siebten und achten Jahrhundert langsam voran. Im zehnten und elften Jahrhundert folgte nach und nach auch das Kleine Wiesental. „Unerschlossener Wald war herrschaftsfrei“, erläuterte Maurer: Durch Rodungen, die anschließend durch einfache Erd-Holz-Burgen gesichert wurden, vergrößerte der Adel seinen Landbesitz. Drei Familien rivalisierten um Territorien: Die Herren von Waldeck mit Besitztümern im Altsiedelland bis Steinen und im Oberen und Kleinen Wiesental, die Herren von Wart mit Gütern in Wieslet, Weitenau und Demberg sowie die Familie von Rötteln. Besonders die frühmittelalterlichen Relikte von Burgen bereiten den Forschern noch immer Kopfzerbrechen. Stammt das Turmhölzle oberhalb Raitbachs noch aus Waldecker Zeit?

Wurde die Rotenburg bei Wieslet von den Röttler oder den Waldecker Herren gegründet? Warum fand man hier Keramik aus dem 11. und dem 13. Jahrhundert, aber nicht in der Zeit dazwischen? Wurde der Standort zwischendurch aufgegeben?

Sicher ist, dass die Burg nach einer Erbteilung 1240 an Dietrich von Rötteln fiel, dessen Seitenlinie „von Rotenberg“ jedoch mit seinen Söhnen ausstarb. Vermutet wird, dass sein Besitz auf die Waldecker zurückgeht. Ihr Geschlecht starb im 12. Jahrhundert aus. Damit war für die Herren von Rötteln der Weg Richtung Belchen und Köhlgarten frei – hier winkten große herrschaftsfreie Waldgebiete. Ein Glücksfall für Schopfheim, das für die Röttler an Bedeutung gewann und 1240 zur Stadt erhoben wurde. Manchmal sind es eben auch die Launen des Schicksals, die über Aufstieg und Fall eines Orts entscheiden. Gegen diese „Unstetigkeit“ des Weltlichen hatte sich die rivalisierende Herrschaft von Wart bis dato schon längst abgesichert – durch eine großzügige Schenkung ihrer Wiesentäler Güter an das Kloster St. Blasien im Jahr 1100.

Stephan Maurer Foto: zVg/Maurer

Infos und Exkursionen zur Ruine Turmhölzle bietet der Förderkreis Ruine Turmhölzle: www.ruine-turmhoelzle.de/de/