Ist die alte JVA in Rottweil als Museumsstandort nun völlig aus dem Rennen? Foto: Otto

Die älteste Stadt Baden-Württembergs hat mit ihrem Stadtmuseum ein Problem. Allein die Heizung ist selbst museumsreif. Hat dieser Standort Zukunft? Eine Studie soll Klarheit bringen.

Soll man Geld in eine „Machbarkeitsstudie“ stecken, obwohl unklar ist, ob man sich das Projekt je leisten kann? Um diese Frage drehte sich die Debatte am Mittwochabend im Umwelt-, Bau- und Verkehrsausschuss in Rottweil.

 

Die Stadtverwaltung brachte das Thema Stadtmuseum wieder auf den Tisch. Das ist zu klein, nicht barrierefrei, generell marode – und für eine Stadt wie Rottweil, die 2028 auch noch die Landesgartenschau austrägt, in diesem Zustand nicht gerade angemessen.

Nachdem andere Ideen vor Jahren scheiterten und sich die Prämissen am Standort in der oberen Hauptstraße geändert haben, wolle man nun mit einer Machbarkeitsstudie ausloten, was machbar ist, so Oberbürgermeister Christian Ruf. Nicht etwa, weil man dann sofort an die Umsetzung gehen will oder kann – man wolle vielmehr gerüstet sein, falls entsprechende Förderprogramme auftauchen.

Fachbereichsleiter Erik Fiss ließ die letzte Jahre der Standortsuchen und Ideen nochmals Revue passieren und machte deutlich, dass mit der neuen Depot-Lösung – ein Mietvertrag ist zum 1. Oktober geschlossen worden – wieder Platz für allerlei Möglichkeiten am aktuellen Standort ist.

Pläne bis zur Landesgartenschau

Klar ist aber auch, dass bis zur Landesgartenschau 2028 kein „neues“ Stadtmuseum präsentiert werden kann. Martina Mayr, Leiterin der städtischen Museen, stellte den pragmatischen Ansatz vor, mit dem den vielen Besuchern doch das Bestmögliche geboten werden soll. Mit diesem „Mittelweg“ vor einer möglichen großen Sanierung soll das Erdgeschoss barrierefrei zugänglich gemacht werden, der Garten soll erlebbar werden und es soll versucht werden, die Öffnungszeiten praktikabler anzupassen, ohne die Personalkosten nach oben zu treiben.

Im Zuge einer möglichen großen Sanierung, sie nannte hier die Jahre 2030 oder 2032, sollen die stadtgeschichtlichen Themen in der Altertumshalle „angeteasert“ und in den oberen Stockwerken dann vertieft werden. „2028 ist unten offen, was oben passiert, sehen wir dann“, so ihre Zusammenfassung.

Für Hermann Breucha (FWV) ist klar, dass man keinen neuen Standort mehr suchen muss. Mit Blick auf die Machbarkeitsstudie hält er es für wichtig, dass es eine klare Aufgabenbeschreibung mit Blick auf ein neues Konzept gibt. Auch die Tourist-Info könnte möglicherweise integriert werden.

Alte JVA nicht außer acht lassen

Jürgen Mehl (SPD+FFR) meldete Bedenken an: Brandschutz und Barrierefreiheit seien schon früher K.O.-Kriterien für eine Weiterentwicklung des jetzigen Standorts gewesen. Hubert Nowack (Grüne) erinnerte daran, dass allein diese Faktoren bei einer Umsetzung „in die Millionen gehen“. Da sehe er die alte JVA – diese war als neuer Museumsstandort schon im Gespräch – noch realistischer.

Und Elke Reichenbach (SPD+FFR) hält schon die knapp 18 000 Euro für die Machbarkeitsstudie für zu viel angesichts der Haushaltslage und der Unsicherheit, was man sich überhaupt leisten kann.

Ralf Banholzer (CDU) verband mit seinem „klaren Ja“ zur Studie auch den Vorschlag zu prüfen, wie es wäre, das Gebäude an den Markt zu bringen und so Mittel für eine andere Lösung freizumachen. Seine Fraktionskollegin Monika Hugger plädierte für eine generelle Konsolidierung im Gebäudebestand. Die Frage sei auch, was noch alles ins Stadtmuseum integriert werden könne.

OB Christian Ruf konstatierte, dass all diese Fragen eben für eine Machbarkeitsstudie sprächen. Harald Sailer (FDP) bekräftigte: „Wenn wir damit klarer sehen, ist das gut investiertes Geld.“ Man müsse wissen, wie sinnhaft der Standort für die Zukunft ist.

Und die Studie, so ergänzte Erik Fiss, könne durchaus auch ergeben, dass eben nicht viel machbar ist.

Bei zwei Nein-Stimmen aus den Reihen von SPD+FFR stimmte der Ausschuss schließlich für die mit 17 850 Euro veranschlagte Studie – der Gemeinderat muss hier „aufgrund des Streitwerts“, so der OB, nicht mehr beschließen.

Ganz abgesehen von den nun mit Spannung erwarteten Ergebnissen, wird sich im Stadtmuseum bis zur Landesgartenschau 2028 so oder so etwas bewegen. Im kleineren Rahmen.