Das Schramberger Stadtmuseum ist ein wichtiges Museums Schrambergs. Es beherbergt neben wechselnden Kunstausstellungen Dauerausstellungen zur Strohflechterei, Steingutherstellung, Uhrenindustrie sowie zur Schramberger Burgengeschichte.
Unter Oberbürgermeister Roland Geitmann fand in Schramberg in den 1970er Jahren ein großer kulturpolitischer Aufbruch statt, der es ermöglichte im Schloss ein zeittypisches „Kulturzentrum“ für das Stadtarchiv, die Stadtbibliothek und das Stadtmuseum einzurichten.
Nach der Neugründung des Stadtmuseums im Jahr 1979 übernahm der Museumspädagoge und Volkskundler Andreas Kuntz dessen Leitung. Aufgrund kontroverser politischer Debatten über die Ausrichtung des Museums verließ Kuntz Schramberg jedoch bereits im darauf folgenden Jahr und die Geografin, Germanistin und Volkskundlerin Gisela Lixfeld trat seine Nachfolge an. Fast 40 Jahre lang realisierte Lixfeld zahlreiche Sonderausstellungen und baute die Sammlung des Museums stetig aus. Das von ihr initiierte partizipative Konzept „Museum zum Mitmachen“ war seiner Zeit weit voraus und erfreut sich auch heute noch großer Beliebtheit bei den Besuchern.
Produkte aus Schwarzwald
Im Jahr 2017 übernahm der Historiker und Kulturwissenschaftler Carsten Kohlmann die Leitung des Stadtmuseums. Gemeinsam mit seiner Stellvertreterin, der Kulturwissenschaftlerin und Museologin Annette Hehr, nutzte er das 40-jährige Gründungsjubiläum für eine Bestandsaufnahme und Positionsbestimmung. Mit „Made in Schramberg - Spitzenprodukte aus dem Schwarzwald für den Weltmarkt“ wurde eine neue Dauer-Wechsel-Ausstellung eröffnet.
Im Rahmen der Reihe „Kunst und Kultur in Schramberg“ möchten wir Ihnen besondere Exponate der Ausstellung näher vorstellen und die sich in unserer Mitte befindenden Kunstwerke verstärkt in den Fokus rücken. Zu den außergewöhnlichen Highlights der Dauerausstellungen gehört die Kunstuhr von Arthur Junghans, die in den vergangen zwei Jahren durch das Theaterstück „Die Unruh des Herrn Junghans“ und die folgende Musicalproduktion „Junghans - Das Musical“ verstärkt ins breite Bewusstsein der Öffentlichkeit rückte.
Die Geschichte der bedeutenden Uhrenindustrie war bereits von Beginn an ein wichtiger Schwerpunkt der Museumsarbeit. Zum 125-jährigen Firmenjubiläum wurde im Jahr 1986 die umfangreiche Sammlung der Uhrenfabrik Junghans als Dauerleihgabe an das Stadtmuseum übergeben.
Die Junghans’sche Kunstuhr ist Teil dieses bedeutenden Nachweises Schramberger Industriegeschichte. Die Kunstuhr wurde von Arthur Junghans, dem älteren Sohn von Erhard Junghans, beim Nürnberger Hofuhrmacher Gustav Speckhard in Auftrag gegeben. Im Jahr 1900 präsentierte der Firmenchef seine Uhrenfabrik mit diesem außergewöhnlichen Werk auf der Weltausstellung in Paris. Die Kunstuhr ist 4,85 Meter hoch und und besteht aus einem altarähnlichen Gehäuse aus Eichenholz, das auf einem massiven Sockel mit mehreren Stufen ruht. Das Vorgängermodell und Vorbild der Junghans’schen Kunstuhr entstand um 1892 im Auftrag des Uhrenliebhabers Carl Marfels.
Präsentation in Ausstellung
Dieser wollte der Weltöffentlichkeit auf der Weltausstellung in Chicago im Jahr 1893 beweisen, dass „diese Kunstfertigkeit [der deutschen Uhrenbauer] nicht ausgestorben ist.“
Das Modell der Kunstuhr hatte der Nürnberger Uhrmacher Gustav Speckhard bereits einige Jahre zuvor entworfen. Diese erste Kunstuhr beherbergte neben der Darstellung der vier Apostel und der Leidensgeschichte Jesu in acht beweglichen Bildern auch Szenen des profanen Zeitgeschehens. Mit einem eigens ausgedachten Bild- und Musikprogramm sollte auf der Weltausstellung in Chicago dem 400. Jubiläums der Entdeckung Amerikas gedacht werden.
Für seine Kunstuhr hatte Arthur Junghans jedoch andere Pläne. Das Bildprogramm der alten Kunstuhr, die einst „für eine Kirche, Hauskapelle, Betsaal […]“ entworfen wurde, sollte dem von Junghans angestrebten Verwendungszweck als Firmenreklame angepasst werden.
Den Sockel der Uhr schmückt daher statt wie in der ersten Uhr ein Bildnis des Uhrmachers nun die Muse der Geschichtsschreibung. Der Todesengel mit Sense, der die Stunden anschlug, passte nicht zum gewünschten Fortschrittsgedanken und wurde durch die Kombination eines Todesengels mit Stundenglas als Symbol der Vergänglichkeit und einem Engel mit Kreuz als Symbol des ewigen Lebens ersetzt.
Attribute des modernen Zeitalters wie Lokomotiven, Dampfer und Fabrikgebäude wurden zum Markenzeichen der neuen Zeit. Die Krönungsfiguren auf der imposanten Spitze, drei Posaune blasende Engel, die das Jüngste Gericht versinnbildlichen sollten, mussten einer Allegorie der Elektrizität weichen. Sie wurden durch zwei Männer mit Telefon und Kabel sowie einer Frau ersetzt, die stolz eine Glühbirne emporhebt. Bei Carl Marfels, dem Auftraggeber der ersten Uhr und Initiator der zweiten kamen diese Änderungen nicht besonders gut an, da er durch sie die Harmonie der Uhr gestört sah.
Todesengel zählt Stunden
Die imposante Kunstuhr verbindet Fortschritt und Tradition. Die Uhrzeit wird durch ein kleines Turmuhrwerk auf das Ziffernblatt übertragen. Alle Viertelstunden wird das Schlagwerk ausgelöst und der Engel des ewigen Lebens schlägt mit einem Hammer an die Glocke. Die vollen Stunden hingegen zählt der Todesengel.
Im Schramberger Stadtmuseum befindet sich die Uhr im zweiten Stock neben der Ausstellung zur Uhrenindustrie in Schramberg in einer eigens ausgehobenen Nische in der Decke, um das monumentale Werk perfekt zur Geltung zu bringen.
Museumsserie
In einer kleinen Serie
stellen wir die Schramberger Museen vor und zeigen, warum sich ein (Wieder-)Besuch lohnt.
Heute
das Schramberger Stadtmuseum. Geöffnet ist es dienstags bis freitags von 13 bis 17 Uhr, samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr.