Der Stadtklimatag hielt jede Menge Tipps bereit, wie man im Alltag seinen ökologischen Fußabdruck minimieren kann. Foto: Herbert Frey

Es gibt viele Möglichkeiten, sich vor Ort gegen die Aufheizung der Umwelt zu engagieren. Das machte der erste Stadtklimatag von Bündnis 90/Die Grünen in Weil am Rhein deutlich.

An der Garderobe der Festhalle konnten Interessierte am Samstag auch Setzlinge und Blumenzwiebeln abgeben und neues Pflanzmaterial mitnehmen. Nicht nur Narzissen-, Tulpen- oder Lilienkeimlinge standen da zum Tausch bereit, sondern auch Kaffee-Arabica-Pflanzen oder Topinambur-Wurzeln.

 

Diversität und Praxisnähe – immer unterfüttert von wissenschaftlichen Erkenntnissen – prägten dann auch das Bild in der Halle, in der mittig der 30 Meter lange Klimastrahl der Initiative „Teachers for Future“ auslag. Dieser belegte, dass das bereits 1824 wissenschaftlich formulierte Phänomen des Treibhauseffektes vom Menschen beschleunigt wird.

„Wir wollen zeigen, dass wir nicht nur wandern, sondern aktiv für Artenvielfalt eintreten“, erklärte der Vorsitzende Roland Christ vom Schwarzwaldverein, der etwa beim Mähen der Orchideenwiesen in Istein hilft. Sein Vorgänger Hermann Künzig zeigte, wie man aus einfachen Holzscheiten Wildbienenröhren herstellt, die alle fünf Jahre erneuert werden sollten.

Nachhaltig denken

Für eine noch stärkere Verankerung der Vermittlung nachhaltigen Denkens in den Bildungsplänen setzt sich die Initiative „Teachers for Future“ ein, wie Heike Neudecker erläuterte. Die vielfältigen Engagement-Möglichkeiten, die das Trinationale Umweltzentrum bietet, zeigten Fachbereichsleiter Mickey Wiedermann und sein Team auf, während die Ehrenamtlichen des Runden Klimatisches aus Lörrach verdeutlichten, wie sich jeder und jede kostenlose Unterstützung bei der Realisierung von Solarstromkleinprojekten ins Haus holen kann.

Landtagsabgeordnete Sarah Hagmann zeigte sich beeindruckt von dem, was Gesa Mehrle, Renate Mischak, Martin Fischer, Alexandra Zapp, Regina Duttlinger-Maddox, Johanna Wais und Ulrike Fröhlich (von links) beim Stadtklimatag auf die Beine gestellt haben. Foto: Herbert Frey

„Wir wollen gegenseitig voneinander profitieren“, sagte Moderatorin Alexandra Zapp, die den Tag, an dem sich auch der Nabu und weitere Initiativen beteiligten, mustergültig mit ihren Mitstreiterinnen Gesa Mehrle, Renate Mischak, Regina Duttlinger-Maddox und Johanna Wais organisierte. Unterstützt wurde das Team von den Ortsvereinsvorsitzenden Ulrike Fröhlich und Martin Fischer sowie vom bewirtenden Familienzentrum Wunderfitz. Was sich da im Weiler Ortsverband an neuer Dynamik entwickelt hat, beeindruckte auch Landtagsabgeordnete Sarah Hagmann.

Hitze und Lernleistung

Drei Vorträge zur Stärkung der Klimaresilienz stießen auf besonderes Interesse. Pädiater Patrick Hetzel aus Riehen, Leiter der AG Nachhaltigkeit im Schweizerischen Kinderärzteverband, ging auf die Auswirkungen steigender Hitze vor allem auf den kindlichen Organismus ein. Er forderte ein Temperaturmonitoring und daraus abgeleitete Hitzeschutzpläne für jedes Schulhaus. Denn er sah einen klaren Zusammenhang zwischen sinkenden Pisa-Lernleistungen und steigenden Temperaturen in unisolierten alten „Glasschulhäusern“.

Mehr Grün in die Städte

Markus Hügel, Landschaftsgärtnermeister und Fachagrarwirt für Baumpflege, war schon als Kind fasziniert von Bäumen. Sein Gespür dafür, was die den Körper kühlenden und die Seele wärmenden grünen Riesen benötigen, gab er an die Zuhörer weiter. Bäume stehen im Wald nie allein und sollten dies auch in der Stadt nicht. Mindestens doppelt so viel Platz wie die Krone benötige das Wurzelwerk, damit ein Baum seine herunterkühlende Wirkung entfalten könne, so Hügel. Er legte Stadtplanern die „3-30-300-Regel“ ans Herz: Von jeder Wohnung, jedem Arbeitsplatz aus sollte man drei Bäume sehen können, 30 Prozent der Stadtfläche sollten mit Grün bedeckt sein und zur nächsten öffentlichen Grünfläche sollte der Weg nie weiter sein als 300 Meter. Mit der Vorstellung von Baumarten der Zukunft wie Feldahorn, Purpurerle, Kupferfelsenbirne oder Amber endete Hügel sein Plädoyer für mehr „Feinstaubbinder“ im Stadtbild.

Nicht warten, machen

„Nicht auf die Politik warten, sondern einfach machen“, lautete die Aufforderung von Landschaftsgestalter Caspar Kerdijk. Und: „Man sollte sich auf einen klar definierten, realistischen Wirkungsbereich beschränken“. Im Falle des von ihm mitbegründeten Basler Vereins „Mein Baum, Dein Baum“ sind dies Vorgärten. Weil in Basel-Stadt jedes Haus mindestens drei Meter vom Straßenraum weg stehen müsse, gebe es insgesamt 115 Hektar Vorgartenfläche – „ein Riesenpotenzial für Baumpflanzungen“. 160 Privatleute überzeugte der Verein bereits davon, „dass Bäume keine Fassaden, Leitungen oder Asphalt zerstören und auch keinen Dreck mit sich bringen, sondern dass das Gegenteil der Fall ist, wenn man die richtige Art für den richtigen Standort wählt“, sagte Landschaftsgestalter Kerdijk.

Der erste Stadtklimatag war für die Organisatoren so ermutigend, dass sie eine Neuauflage bereits ins Auge gefasst und dafür auch schon ein Thema gefunden haben: Die Aufklärung über Schottergärten.