Orchester und Sänger im Einklang in der Stadtkirche Foto: Roland Beck

Die Sängerinnen und Sänger der Evangelischen Kantorei sowie die Arcademia Sinfonica haben in der Balinger Stadtkirche das weltbekannte Oratorium aufgeführt.

Augen schließen, Hände übereinanderlegen, tief einatmen: Halleluja! Dieser Schlusschor des ersten Teils von Händels Messiah sang die vielköpfige Kantorei und spielte die Arcademia Sinfonica unter Leitung von Kirchenmusikdirektor Wolfgang Ehni mit einer solchen Klangkraft und farbigen Ornamentierung, dass die Zuhörer in der voll besetzten Balinger Stadtkirche mehrere Wimpernschläge brauchten, um dieses Jubellied aller Jubellieder und somit den gesamten ersten Teil des geistlichen Oratoriums der christlichen Heilsgeschichte mit langem Applaus im Stehen gebührend zu feiern.

 

Am liebsten mitsingen will der geneigte Zuhörer bei diesem weltbekannten Oratorium, das in England Kultstatus besitzt, schon zuvor bei den Arien der Altsängerin Kathrin Leidig, des Tenors Marcus Elsässer, des Basssängers Liangliang Thao und der Sopranistin Carla Frick.

Gesungen wurde auf Englisch

Der Text lag schließlich vor in der liebevoll und dennoch informativ gestalteten Broschüre. Die Solisten und der Chor sangen in der Originalversion, also in Englisch. Das lässt das konzertante Geschehen noch empfindsamer erscheinen und kultiviert die schlanken Vibrationen der Solisten melodisch noch wirksamer.

Die evangelische Kantorei sang wie mit einer Stimme, strahlend, mit musikalischen Nuancen von zart bis energiegeladen, und auch das Zusammenspielen mit den Instrumentalisten der Arcademia wirkte kraftvoll ausbalanciert, homogen und kunstvoll zugleich. Vom ersten Ton an versetzten der Chor und die Instrumentalisten das Publikum in feierliche Weihnachtsstimmung. Die Spannung und Spielfreude brach keine Sekunde ab. Sie hielt an bis zum letzten Ton.

Kirchenbänke wurden gedreht

Die fast atemlos Zuhörenden wurden beinahe zum Teil dieser gesungenen Bildhaftigkeit von Bibelzitaten. Denn die Kirchenbänke wurden um die eigene Achse gedreht, und alle konnten die Akteure bei ihrer Arbeit beobachten. Zudem konnte man so die prachtvoll ausgestaltete Orgel, die barocken Baluster oder König David mit seiner Harfe betrachten. Ein Gesamtkunstwerk wurde also an diesem denkwürdigen Abend vor aller Augen und Ohren gestaltet.

Mühelos schraubte sich der auf Oratorien spezialisierte Tenor Marcus Elsässer auf hohe Töne und ließ seine Stimme auf elegante Tiefen fallen. Er dynamisierte unglaublich energiegeladen, frisch und jubelnd. Die Bassstimme des in China geborenen Liangliang Zhao zeichnete mühelos die gesungenen Schnörkel und Girlanden seiner Partie – wie dem Accompagnanto – mit seiner Tiefe und Fülle und einem Volumen, das bis in die Baritonlagen markant funkelte.

Fortsetzung im Mai 2026

Die Altstimme von Kathrin Leidig, die unter anderem an der Musikhochschule in Trossingen studierte, klang weich und fraulich und dennoch fast lyrisch mit energiegeladenen Höhen. Doch wie fast immer, überstrahlte in Werken aller Art der Sopran die Gesangsdarbietungen. Das gelang auch Carla Frick mit ihrer charakteristisch hellen, strahlenden und glasklaren, fast glockenhaften Klangfarbe und ihrem großen Tonumfang: „Jauchze, o Tochter von Jerusalem.“

Das Oratorium Messiah erfährt seine Fortsetzung mit Teil II und III am 17. Mai. Bis dahin bleibt das ergreifend gejauchzte grandiose Halleluja im Gehörgang.