Die ersten „Türchen“ sind geöffnet und jeden Tag stellt sich die Frage: Welche Überraschung hält der begehbare Adventskalender in der Balinger Stadtkirche heute bereit?
Wer suchet, der findet: Ganz unwillkürlich schweift der Blick beim Betreten der Balinger Stadtkirche durch den großen Kirchenraum. Und nach ein paar Schritten hat man es auch schon entdeckt: „Türchen“ Nummer eins befindet sich im hinteren Bereich, in der Kinderecke.
Passend dazu gewählt ist auch der Beitrag, der den Auftakt zum diesjährigen begehbaren Adventskalender markiert. Auf einem kleinen Regal sind verschiedene Püppchen platziert, die dem Betrachter lächelnd entgegenblicken.
Martin Luther King in der Stadtkirche Balingen
Sie stehen symbolisch für Kinder mit verschiedenen Hautfarben und erinnern an die berühmten Worte des US-amerikanischen Bürgerrechtlers Martin Luther King: „I have a dream“ – „Ich habe einen Traum.“
Auszüge aus der Rede, die er am 28. August 1963 vor dem Lincoln Memorial in Washington hielt, sind auf einem an der Wand befestigten Blatt zu lesen: „Ich habe einen Traum, dass meine vier kleinen Kinder eines Tages in einer Nation leben werden, in der man sie nicht nach ihrer Hautfarbe, sondern nach ihrem Charakter beurteilen wird.“
Ein Zeichen gegen Rassismus setzen
Und: „Das ist unsere Hoffnung. Mit diesem Glauben kehre ich in den Süden zurück.“ Dieser letzte Satz schlägt den Bogen zum Motto des begehbaren Adventskalenders, das in diesem Jahr „Glaube, Liebe, Hoffnung“ lautet.
An der ersten Station lädt das Netzwerk Antirassismus dazu ein, die Püppchen zu basteln, mitzunehmen und dadurch „ein Zeichen gegen Rassismus“ und für eine Welt zu setzen, „in der alle Menschen gleich wertvoll sind.“ Eine bebilderte Anleitung, wie die Herstellung der kleinen Figuren gelingt, wird gleich mitgeliefert.
Auf der Suche nach „Türchen“ Nummer zwei führt der Weg weiter durch den Sakralbau. Vorbei an Stationen, deren Zahlen auf Adventstage weisen, die noch nicht angebrochen sind und bei denen man schon jetzt gespannt sein darf, welch kreative Ideen die Gestalterinnen und Gestalter hier verwirklichen werden.
„Drück einfach mal mich“
Die Zahl Zwei ist im vorderen Bereich der Kirche zu finden. Mit einem Satz aus dem 1. Korintherbrief – „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen“ – wird hier eine kurze, aber bedeutende Frage verbunden: „Heute noch keine Umarmung bekommen?“
Eine solche setzt bekanntlich nicht nur Glückshormone frei und steigert das Wohlbefinden. Der kurze Körperkontakt beeinflusst verschiedenen Studien zufolge sogar die Hirnaktivität.
Doch was tun, wenn man gerade niemanden an der Seite hat, den man umarmen könnte? Die zweite Station schafft Abhilfe: „Drück einfach mal mich...“ Mich? Wer sich bei diesem Wort fragend umsieht, muss den Blick nur ein bisschen nach rechts wenden.
Allen, die jetzt neugierig geworden sind, sei ein Besuch der Stadtkirche empfohlen, denn auch hinter den nächsten „Türchen“ des begehbaren Adventskalenders verbergen sich noch viele Überraschungen, die unter dem Motto „Glaube, Liebe, Hoffnung“ durch den Advent begleiten, zum Nachdenken anregen oder dazu einladen, einfach mal innezuhalten und die Stille auf sich wirken zu lassen – und welcher Raum würde sich dazu besser anbieten als ein Kirchenraum?