Zwischen Bühne und Proberaum passte es offenbar nicht mehr: Die Stadtkapelle Haslach hat die Zusammenarbeit mit Alexander Weber beendet.
Noch im Oktober wirkte bei der Präsentation des gemeinsam aufgenommenen Weihnachtsoratoriums alles im Lot. Und auch Ende November hatten die Stadtkapelle Haslach und ihr Dirigent Alexander Weber unter dem Motto „Lovestory – Liebespaare der Musik“ erfolgreich ihr Jahreskonzert auf die Bühne gebracht. Doch hinter den Kulissen ging es offenbar schon zu diesem Zeitpunkt alles andere als harmonisch zu. Gerüchte über Unstimmigkeiten zwischen Weber und dem Vereinsvorstand machten die Runde. Diese gipfelten nun in der Trennung der Kapelle von ihrem Dirigenten, wie aus einer Pressemitteilung hervorgeht.
„Nach mehreren Gesprächen hat sich gezeigt, dass zwischen dem Verein und dem bisherigen musikalischen Leiter Alexander Weber unterschiedliche Auffassungen über die Art der Orchesterleitung, die grundlegenden Werte des Musizierens sowie die Ausgestaltung der zukünftigen Zusammenarbeit bestehen“, heißt es in der Mitteilung. Die Stadtkapelle Haslach habe sich daher entschieden, die Zusammenarbeit zu beenden.
Wie Stadtkapellen-Geschäftsführer Johannes Becherer auf Anfrage unserer Redaktion erklärt, sei diese Entscheidung vom Vereinsvorstand angestoßen worden. Konkretisiert wird als Grund, dass Dirigent und Vorstand „unterschiedliche Meinungen dazu hatten, wie ein Orchester geleitet werden sollte“. Webers Vorstellung sei gewesen, dass die Musiker „links und rechts der Kapelle nichts anderes machen sollten“. „Wir hingegen fanden, dass sie auch andere Dinge tun dürfen, die ihnen Spaß machen“, nennt Becherer ein Beispiel. Gerade jungen Musikern solle die Möglichkeit gegeben werden, sich auszuleben. „Das zu verbieten – dafür stehen wir nicht“, betont er.
Vor der Entscheidung, Weber zu entlassen, habe es zahlreiche Gespräche gegeben. Bei einer außerordentlichen Sitzung Ende November, zu der alle Musiker einberufen waren, habe er diese umfassend informiert – „auch über Dinge, die vielleicht noch nicht allen bekannt waren“, so Becherer. Der endgültige Beschluss, sich von Weber zu trennen, sei dann Anfang Dezember gefasst worden. Aufgrund seines weiter entfernten Wohnorts sei Weber in der vergangenen Woche telefonisch über die Kündigung informiert worden. Er habe die Nachricht laut Becherer „gefasst und ruhig“ entgegengenommen. Die schriftliche Kündigung werde noch folgen.
Johannes Becherer wird die Proben leiten bis eine Nachfolge geklärt ist
Bis eine Nachfolge geregelt ist, wird Johannes Becherer die Proben leiten. Weber war seit August 2022 über einen Dienstleistungsvertrag auf Honorarbasis angestellt. Dieser beinhaltet eine Kündigungsfrist von sechs Monaten, weshalb der Vertrag formell noch weiterläuft. Es sei jedoch eine sofortige Freistellung vereinbart worden. Becherer, der selbst über einen Dirigentenschein verfügt, übernimmt bis auf Weiteres die musikalische Leitung der Proben.
„Wir werden auf keinen Fall in einer Hauruck-Aktion über irgendwelche Kanäle jemanden Neuen suchen“, betont Becherer mit Blick auf die Nachfolge. In diesem Jahr sollen demnach keine Schritte mehr unternommen werden. Nach den Feiertagen will die Kapelle das Thema angehen und die Stelle über Fachzeitschriften, die eigene Homepage und persönliche Kontakte ausschreiben. Zudem sollen bei Lehrgängen gezielt geeignete Personen angesprochen werden.
Gesucht werde ein Dirigent, der es verstehe, „die Menschen abzuholen und mitzureißen“, fasst Becherer zusammen. Es müsse sowohl menschlich als auch musikalisch passen, zudem sei eine gute Kommunikationsfähigkeit unabdingbar. Becherer betont jedoch, dass die Stadtkapelle keine „One-Man-Show“ sei. „In einem Orchester gibt es eine große Bandbreite an Musikern unterschiedlichen Alters und mit verschiedenen Hintergründen. Da muss jeder Einzelne kompromissbereit sein“, erklärt er.
Unsere Redaktion hat auch mit dem scheidenden Dirigenten Alexander Weber gesprochen. Er erklärte, dass er sich zu den Vorgängen nicht äußern wolle.
Zur Person
Alexander Weber ist gebürtiger Haslacher, wohnt aber nun in Gernsbach. Sein Musikabitur machte er im Jahr 2000 am Schiller-Gymnasium in Offenburg. 1990 begann er seine musikalische Ausbildung, in deren Verlauf er Trompete, Klavier und Gesang erlernte. Danach nahm er ein Musikstudium an der Musikhochschule Karlsruhe auf und beendete dieses im Jahr 2007. Sein Hauptfach war Gesang. Bis 2009 studierte er Kulturmanagement an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg.