Dirigent Christian Feierabend in seinem Element vor der Donaueschinger Stadtkirche. Foto: Regina Kessler

Es ist ein Abschied nach 18 Jahren. Christian Feierabend legt sein Amt als Dirigent der Stadtkapelle nieder. Er will in die zweite Reihe und zurück zu seinem Instrument.

Der letzte Takt ist angebrochen: Wenn Christian Feierabend auf seine 18 Jahre an der Spitze der Stadtkapelle Donaueschingen zurückblickt, schwingt in seinen Worten vor allem eines mit: Dankbarkeit. Ein Lebensabschnitt, sagt er, gehe zu Ende – eine Zeit voller Höhen und Tiefen, aber auch voller Aufbrüche.

 

„Es ist der richtige Zeitpunkt“, betont er ruhig und überzeugt. Ein Satz wie ein behutsam gesetzter Schlusston: lange vorbereitet, nun mit klarer Entschlossenheit ausgesprochen.

Dabei begann seine Reise nach Donaueschingen einst fast zufällig. Sieben Jahre lang hatte er zuvor in Rottweil musiziert und dirigiert – Jahre, an die er gerne zurückdenkt. „Aber auch dort hatte ich irgendwann das Gefühl, weiterziehen zu müssen.“

Als er dann die Stellenausschreibung aus Donaueschingen sah, war es weniger ein rationaler Entschluss als ein inneres Ziehen. Eine tiefere Verbindung zur Stadt hatte er damals nicht – „aber ich fand sie schön, und es war irgendwie eine Sache der Ehre.“ Zumal die Stadtkapelle damals noch ein offizielles Organ der Stadt war. „Auch das hatte Gewicht.“

Auch in Rom war Christian Feierabend mit der Stadtkapelle Donaueschingen. Foto: Feierabend

Wer Christian Feierabend zuhört, merkt schnell: Er liebt die Bewegung, Herausforderungen und die Veränderung. Davon fand er in Donaueschingen reichlich. „Die Jahre waren vielleicht auch etwas turbulent“, sagt er schmunzelnd. Generationen kamen und gingen, Jugendliche zogen fort, die Besetzungen veränderten sich. „Manchmal hatten wir fast ein neues Orchester vor uns.“ Doch statt diese Schwankungen zu beklagen, verstand er sie als Chance – als Nährboden für Neues.

Er schuf ein Ensemble, das Brücken baute, Übergänge schuf und die musikalischen Ebenen verband. Und er traf auf eine Kapelle, die bereit war, jeden seiner Impulse mitzunehmen. „Wir haben alles gemacht – wirklich alles. Die waren immer mitgegangen.“ Zwischen Dirigent und den Musikerinnen und Musikern wuchs ein Vertrauen, das weit über die Probenarbeit hinausreichte. „Es war immer wichtig, jeden mitzunehmen und jeden so anzunehmen, wie er ist – mit Ecken, mit Kanten.“

Kühne Projekte entstanden

So entstanden über die Jahre zahlreiche Momente, die in Erinnerung bleiben: kühne Projekte, die auf dem Papier mutig, fast waghalsig wirkten, und dann doch zu musikalischen Höhepunkten wurden. Armenische Tänze, „Godzilla“, „Las Vegas“, „Palladio“ – Werke, die manch einer kaum in einem städtischen Orchester erwartet hätte. Und doch fanden sie dort ihren Klang.

Nach 18 Jahren an der Spitze der Stadtkapelle Donaueschingen dirigiert Christian Feierabend (Mitte) bald eines seiner letzten Konzerte. Foto: Feierabend

Nicht nur die Konzerte selbst sind es, die Feierabend bewegen, sondern die Atmosphäre, die sich um sie herum entfaltet: die Sommerserenade im Herzen der Stadt, wenn warme Abendluft über dem Platz liegt; das Reitturnier, dessen Kulisse den Klang wie ein Rahmen fasst; die Fastnacht, wenn das Orchester durch die Straßen zieht und Kinderaugen leuchten.

Frischer Wind muss her, findet er.

Feierabend gilt als Perfektionist – vielleicht prägt gerade dieser Wesenszug seine Entscheidung. „In letzter Zeit hat alles funktioniert. Fast schon zu gut.“ Er sagt es leise, aber mit entwaffnender Offenheit. Seine Ideen, spürt er, seien weniger geworden, die kreative Kraft erschöpfter. „Neue Menschen, neue Ideen, frischer Wind – das ist jetzt das Richtige.“

Viele Mitglieder des Orchesters sind dem Dirigenten über die Jahre mehr geworden als bloße musikalische Weggefährten. Freundschaften seien gewachsen. „Dieses gegenseitige Miteinander, diese Unterstützung – davon lebt ein Orchester.“ Eine Nachfolge steht noch aus; im Januar wird Feierabend seinen Platz räumen. Ein Erfolgsrezept hinterlässt er bewusst nicht. „Innovation ist wichtig. Und man muss Herausforderungen mutig annehmen.“

Ein Bild aus vergangenen Zeiten: Christian Feierabend und die Stadtkapelle spielen vor den malerischen Kulissen der Innenstadt Donaueschingens. Foto: Feierabend

Ganz loslassen wird er die Musik ohnehin nicht. Berufsbedingt als Musiklehrer am Fürstenberg-Gymnasium – aber auch persönlich. Er möchte zurück zu seinem Instrument, zur Klarinette, zurück in die zweite Reihe, an einen Platz ohne Taktstock, ohne leitende Verantwortung. „Einfach wieder mitzuspielen“, sagt er – und man merkt, wie sehr ihn dieser Gedanke beflügelt.

Dass die Stadtkapelle ihren besonderen Charakter bewahrt, ist ihm ein Herzenswunsch: die Offenheit, die Flexibilität, die Mischung an Persönlichkeiten, die sie so außergewöhnlich macht, und die Unterstützung durch Stadt und Musikschule, die sie verdiene. „Ich wünsche mir, dass es dem Orchester gut geht – und den Menschen, die diese besondere Mischung ausmachen.“ Und so klingt sein Abschied weder wehmütig noch schwer. Eher reif, klar, warm. Reisende sollte man nicht aufhalten. Denn aus einer Sache der Ehre ist Freude geworden – und am Ende eine Angelegenheit des Herzens.

Das Herbstkonzert

Die Stadtkapelle Donaueschingen 1827
lädt am Samstag, 29. November, um 19 Uhr zu ihrem Herbstkonzert in die Donauhallen in Donaueschingen ein (Einlass: 18.15 Uhr). Das Konzert steht unter einem besonderen Vorzeichen: Es ist das letzte unter der Leitung von Christian Feierabend, der die Kapelle über viele Jahre geprägt und weiterentwickelt hat. Mit der Minikapelle, der Jugendkapelle sowie einem Ensemble der Stadtkapelle erwartet das Publikum ein facettenreiches Programm. Neben Glanzlichtern wie der „Suite Montmartre“ und den „Lion King – Soundtrack Highlights“ erklingen auch moderne Kompositionen, darunter Karl Jenkins’ „Palladio“, das in verschiedenen Bearbeitungen präsentiert wird. Werke von Brahms, Satie, Scheffer und Shostakovich verleihen dem Abend zusätzliche Vielfalt. So soll das Konzert nicht nur ein musikalischer Höhepunkt, sondern auch ein würdiger, stimmungsvoller Abschied für einen langjährigen und geschätzten Dirigenten werden.