Von Anja Kaiser (links) und Leonie Dieterle stammt die Idee für eine Bräunlinger Version des "Wellerman"-Liedes. Foto: Stadtkapelle

Die Stadtkapelle ist seit geraumer Zeit auf der Suche nach einem neuen Probelokal – und nun bahnt sich eine Lösung an. Der Plan sieht vor, dass die evangelische Auferstehungskirche zu einem Bräunlinger Vereinshaus wird.

Bräunlingen - Dieses soll als "Haus der Musik" hauptsächlich von der Stadtkapelle genutzt werden. Damit dieses Vorhaben tatsächlich in die Tat umgesetzt werden kann, sind noch einige Entscheidungen fällig, die jetzt getroffen werden.

Was allerdings klar ist: Für das Projekt erfordert es viel Engagement. Es muss renoviert werden, Umbauten müssen stattfinden. Dafür muss die Stadtkapelle einiges stemmen – auch in finanzieller Hinsicht. Aber wie rührt man die Werbetrommel in der Pandemie, also in Zeiten, in denen man wenig Leute persönlich treffen und die Kontakte minimieren sollte? Man dreht ein Musik-Video mit Ohrwurm-Charakter und schickt es über die sozialen Medien und das Video-Portal Youtube in die Welt hinaus.

Hoffnung bietet die Auferstehungskirche

So hat es die Stadtkapelle gemacht – und das erfolgreich und aufwändig. Die Musiker haben ihre eigene Version des bekannten Shanty "Soon May the Wellerman come" vertont, verfilmt und darin ihre eigene derzeitige Situation eingeflochten. Es ist langweilig, Proben können keine stattfinden, und am Freitagabend sind die Musiker zuhause auf dem Sofa. "Oh mir sin ganz ratlos, in Brilingä isch nint me los. D’Musik spielt neänäts meh – liet fritigs ufm Kanäbe", heißt es dazu im Lied. Das alte Probelokal ist nach der Brandverhütungsschau nicht mehr nutzbar, nur maximal 40 Musiker könnten noch rein – in Zeiten ohne Corona zu wenig Platz. Hoffnung bietet die Auferstehungskirche – die im Film mit der Drohnenkamera umkreist wird. Untermalt wird das Ganze vom Schauspiel der Stadtkapellen-Mitglieder und vor allem: von der Musik. Die wurde von jeder Gruppe separat eingespielt und schließlich am digitalen Schneidebrett zu einem Ganzen gemacht.

In den sozialen Medien hagelt es Daumen nach oben und "Gefällt mir". "Wir haben schon über 2000 Zugriffe", erklärt Anja Kaiser von der Stadtkapelle. Sie und Leonie Dieterle hatten die Idee, den "Wellerman" in Stadtkapellen-Version zu veröffentlichen. "Viele Leute haben uns angeschrieben. Sie haben gar nicht mitbekommen, wie die Situation der Stadtkapelle aktuell ist." Außerdem gibt es Begeisterung darüber, wie professionell das Video gemacht ist.

Aber wie kam es zu der Idee? "Wir haben das Lied im Radio gehört. Das ist ein totaler Ohrwurm. Wir haben dann überlegt, dass wir das doch für uns umdichten könnten", erklärt Dieterle. Der "Wellerman" ist bereits in vielen verschiedenen Fassungen im Internet unterwegs. Kaiser und Dieterle machen sich an die Arbeit, dichten Strophen, bauen den aktuellen Anlass der Stadtkapelle in den Text. "Außerdem war es für uns ein Anlass zu zeigen, was für tolle Sänger und Sängerinnen wir in der Stadtkapelle haben", schwärmt Dieterle. Der Text entsteht schließlich sehr schnell: "Zweieinhalb Stunden und ein Fläschchen Sekt hat es gebraucht", erklären die beiden.

Video nach drei Wochen im Kasten

Schließlich gehen sie mit der Idee zum Vorsitzenden Martin Hornung. Sie stößt auf Begeisterung: "Sie sind auf uns zugekommen und haben gefragt, ob sie das anstoßen können. Wir fanden es genial", sagt Hornung. "Das ist auch ein Zeichen dafür, dass bei uns etwas geht, auch wenn wir uns wegen Corona gerade nicht persönlich treffen können." Besonders freut ihn, dass die Idee von den Mitgliedern gekommen sei: "Es wird nicht von oben vorgegeben, sondern kommt aus der Mitte des Vereins." Mit Freude sind die Mitglieder der Stadtkapelle schließlich dabei – direkt sprudeln Ideen und die Bereitschaft, an dem Projekt mitzuwirken. "Wir mussten niemandem nachrennen. Die Lust, etwas zu machen, war einfach da", sagen Kaiser und Dieterle.

Rund drei Wochen dauert es, dann ist das Video im Kasten. Dahinter steckt jedoch eine Menge Arbeit: Filmaufnahmen unter Einhaltung der Abstandsregeln, Tonaufnahmen, Schnitt, Synchronität – alles muss in Einklang gebracht werden. "Wir haben schließlich mit unserem Dirigenten Thorsten Maier in einer virtuellen Konferenz gesprochen. Er sagte uns: Ihr bringt einen guten Text, ich kümmere mich um die Musik." Eine große Hilfe sei auch Robert März gewesen. "Wir haben großes Glück, solche Leute im Verein zu haben", so Dieterle. "Das ist ein besonderer Verein." März kümmert sich um die Video-Bearbeitung, schneidet die einzelnen Aufnahmen und den Ton zu einem runden Film.

Der verkündet jetzt das Anliegen der Stadtkapelle in der Weite der digitalen Welt. Schon jetzt hat der Film abseits davon jedoch auch etwas gebracht: "Gerade den Kontakt zueinander wieder zu haben und gemeinsam Musik zu machen. Dafür hat es sich schon gelohnt." Auch sei es schön gewesen, wieder ein neues Stück zu lernen und einzuspielen. Auch wenn es vorerst nur einzelne Gruppen der Stadtkapelle für sich aufgenommen haben. Meist einfach mit der Handykamera. "Jeder saß beim Spielen zuhause im Wohnzimmer und hat mit dem Handy gefilmt", so Dieterle. Als Orientierung gibt es eine Tonspur des Dirigenten.

Sind noch andere Projekte geplant? "Aktuell noch nicht. Aber es war ein guter Aufhänger, um zu zeigen, vor welchen Problemen wir aktuell stehen", erklärt Kaiser. "Musik zu machen ist uns wichtig, aber vor allem fehlt uns auch der soziale Aspekt davon. Die Gemeinschaft vermissen wir." Wie sehr sie fehlt, das ist im Video zu spüren. Dass sie allerdings noch kräftig besteht, das hat die Stadtkapelle demonstriert.

Den Text haben sich Anja Kaiser und Leonie Dieterle einfallen lassen. Insgesamt gibt es acht Strophen der Bräunlinger Version. Intro: Im Frühjahr kam die Pandemie, seither sehn sich die Musiker nie. Im Anschluss noch die Maskenpflicht und s’Probelokal war dicht. Ein Wiedersehn wär wunderbar, doch wird das was in diesem Jahr? Mir bruchät no weng me Geduld, hinterm lärä Notäpult. Refrain: Oh mir sin ganz ratlos, in Brilingä isch nint me los. D’Musik spielt neänäts meh – liet fritigs ufm Kanäbe.

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