Das La Loona in Friedlingen, hier der Tischkicker, ist sehr gefragt. Foto: Daniel Hengst

Trotz personeller Engpässe konnte die Stadtjugendpflege in Weil am Rhein im Jahr 2025 viel, aber nicht alles, was sie sich vorgenommen hatte, umsetzen.

Ein herausforderndes Jahr liege hinter der Stadtjugendpflege, erläuterte Kullakowski-Göhner im Kultur-, Sport- und Verwaltungsausschuss (KSVA). Den Eintritt von Verena Eyhorn in die Elternzeit Ende 2025 musste das Team bis Oktober kompensieren. Erst dann konnte ihre Leitungsposition mit einem Deputat von 70 Prozent wieder besetzt werden. Allerdings verließ dann im Oktober Akebia Gayer die Stadtjugendpflege, so dass Streetworker Janosch Glattacker, der zuvor schon im Jugendcafé ausgeholfen hatte, sporadisch auch noch im Friedlinger La Loona einspringen musste.

 

Personalausfälle forderten hohen Einsatz

Das Resultat: Weil auch noch Krankheitsausfälle sich häuften, war die Stadtjugendpflege 2025 nur an 185 Tagen erreichbar, ein Jahr davor konnte das Team noch an 229 Tagen für die Jugendlichen da sein. Insgesamt registrierte man dennoch 11 580 Kontakte. Die durchschnittliche Zahl an Kontakten pro Tag, nämlich 62, ist damit konstant geblieben.

Das La Loona in Friedlingen erwies sich mit 5556 Besuchern wieder als enorm gefragt, so dass es nach der Kündigung von Akebia Gayer für die dortige Fachkraft Melda Sarli nicht immer einfach war, das Pensum zu bewältigen. Zwei Fachkräfte sollten es dort neben den beiden sich abwechselnden DHBW-Studenten und der einen Absolventin eines Freiwilligen Sozialen Jahres schon sein, meinte Kullakowski-Göhner, weshalb er hoffe, die vakante Position rasch besetzen zu können.

Mehr Einzelfallhilfen

Sowohl bei Streetworker Janosch Glattacker, der auf den Straßen übers Jahr hinweg mit mehr als 500 fast durchweg männlichen Jugendlichen ins Gespräch kam, als auch im La Loona nahm die Zahl der Einzelfallhilfen weiter zu.

Frusterlebnisse

Im Friedlinger Zentrum ist der Donnerstagnachmittag inzwischen ganz für individuelle Beratungsgespräche reserviert, wobei die Problemlagen vielfältig sind: Von Frusterlebnissen bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz, über ausländerrechtliche Themen bis hin zu psychosozialen Ängsten und prekären Wohnverhältnissen reicht die Palette. 317 Einzelberatungen wurden geführt und dafür mehr als 314 Stunden aufgewendet.

Neue Formate

Neue Formate wie „Cekirdek und Tee“, ein vor allem bei muslimischen Kindern beliebter Austausch bei Sonnenblumenkernen und Tee rund um Alltagsthemen, der Treff „Queer and Friends“ sowie die Kooperation mit der Gemeinschaftsunterkunft, die Kinder Geflüchteter ins Haltinger Juke geführt habe, sollen ebenso fortgeführt und intensiviert werden, wie bewährte Aktionen, zu denen etwa ein Fußballturnier, das gemeinsame Fastenbrechen oder Themenmonate gehören.

Aufsuchende Jugendarbeit stärken

Künftig alle Mitarbeitenden stärker in die aufsuchende Jugendarbeit und die Begleitung des Jugendparlaments einzubinden, hat sich der neue Leiter vorgenommen. Auch das Hereinholen von Personalleitern verschiedener Firmen in die Jugendhäuser schwebt ihm vor. Sie sollen den Jugendlichen Tipps für die Beerbung aus erster Hand mitgeben. Und das mobile Soccerfeld, das 2025 nicht zum Einsatz kam, soll in den Sommermonaten 2026 wieder in verschiedenen Halinger Quartieren aufgebaut werden.

„Teller-Helden“

Eine wichtige 2025 ins Leben gerufene Aktion ist die Initiative „Teller-Helden“, die von breitem ehrenamtlichem Engagement und Lebensmittelspenden des Marktkauf getragen wird. Sie sorgt im La Loona für ein günstiges ausgewogenes Mittagessen. Lasse die Unterstützung nach, ist dieses Angebot aber in Gefahr. „Wir können nicht auch noch eine Mensa sein“, ergänzte Hauptamtsleiterin Annette Huber auf Nachfrage von Nilufar Hamidi.

Anzahl der erreichte Mädchen relativ hoch

Der Anteil der erreichten Mädchen sei mit 24 Prozent in Weil vergleichsweise hoch, versicherte Kullakowski-Göhner Ulrike Fröhlich. Dennoch wolle man versuchen, über Mädchenarbeit neue weibliche Nutzergruppen aufzubauen.

Angebote werden akzeptiert

Bemerkenswert sei, so der neue Leiter abschließend, dass immer mehr Teenies zwischen zwölf und 15 Jahren die Angebote der Stadtjugendpflege wahrnehmen. 2025 entfielen 43 Prozent aller Kontakte auf diese Altersgruppe. 2024 hatte deren Anteil noch bei 38 Prozent gelegen. 37 Prozent des Klientels ist jünger als zwölf Jahre und 20 Prozent 16 Jahre oder älter.