Eine hochinteressante Poststempeldokumenten-Sammlung übergibt Leo Schlageter (links) an den Vorsitzenden des Arbeitskreises Stadtgeschichte der Heimatgilde Frohsinn Vöhrenbach, Markus Schätzle. Foto: Ketterer

Da bekamen die Mitglieder des Arbeitskreises Stadtgeschichte der Heimatgilde Frohsinn leuchtende Augen, als sie von einer Sammlung historischer Poststempeldokumente hörten. Manfred Keller aus Gütenbach, der bereits verstorben ist, sammelte diese Poststempeldokumente mit Bezug Vöhrenbach, die bis ins Jahr 1833 zurückgehen.

Vöhrenbach - Dazu muss man wissen, dass in der damaligen Zeit Briefe ohne Kuverts verschickt wurden. Für das zu verschickende Dokument selber gab es eine spezielle Falttechnik. Zusammengefaltet ähnelte es einem Kuvert. Verschlossen wurde das Schreiben mit einem Siegel. Das Briefgeheimnis war auf diese Weise gewährleistet. Die Beschriftung mit Empfänger und Absender gab es wie man es heute noch kennt, nur mit dem Unterschied, dass der geschriebene Brief die Innenseite der Faltung war und die Rückseite des Blattes nach der Faltung die Funktion des Kuverts übernahm.

"Fast wie ein Lottogewinn"

Eine solche Sammlung zu bekommen, ist fast wie ein Lottogewinn, äußerte sich der Vorsitzende des Arbeitskreises Stadtgeschichte Markus Schätzle. Der Furtwanger Leo Schlageter, ein Cousin von Keller, bot dem Arbeitskreis diese Poststempeldokumente für einen niedrigen dreistelligen Betrag an. Gerne wurde das Angebot angenommen. Schätzle bedankte sich deshalb besonders bei Schlageter, denn es wäre schade gewesen, wenn diese Sammlung vielleicht im Internet zum Kauf gestanden hätte und der Arbeitskreis nicht zum Zuge gekommen wäre.

Der Fisch im Stadtwappen

So verfügt der Arbeitskreis jetzt unter anderem über einer Rechnung des "Posthalters Ketterer zum Löwen" vom August 1846. Formuliert als "Löbliche Kirchenrechnung da hier". Das Gasthaus Löwen befand sich an der Stelle, wo heute das Pfarrzentrum Krone steht. Das Gasthaus Krone wurde 1893 an der Stelle des Löwen erbaut. Weiter enthält die Sammlung das Vöhrenbacher Stadtwappen als Baustein für die Badischen Jugendherbergen. Früher, vor über 100 Jahren, zeigte das Stadtwappen allerdings einen Fisch, der von rechts oben nach links unten schwimmt. Im jetzigen Stadtwappen bewegt sich die Forelle jedoch von rechts unten nach links oben.

Brief nach Argentinien kommt nach zwei Jahren zurück

Kurios ist ein Poststempeldokument vom 15. Juni 1889. Dieser Brief, in Vöhrenbach abgestempelt, sollte an eine Jesuiten in Argentinien gehen. Nach über zweieinhalb Jahren kam der Brief, abgesandt in Santa Fe mit diversen Durchgangsstempeln, nach Vöhrenbach zurück, wegen Nichtzustellbarkeit. Eine weitere Rechnung dieser Sammlung zeigt den Briefkopf der Fürstlich Fürstenbergischen Hüttenverwaltung (das war das Hammerwerk in Hammereisenbach). Datiert ist die Rechnung im August 1854. Von 1523 bis 1867 war das Hammerwerk in Betrieb.

Ältestes Dokument von 1833

Das älteste Dokument dieser aus zwei Ordnern bestehenden Sammlung wurde im Jahre 1833 geschrieben. Ein Auszug aus dem Brief lautet: "Vom Raum Vöhrenbach zogen schon früh ab Ende des 17. Jahrhunderts erst die Glas- und dann die Uhrenträger hinaus ins Land und diese besorgten das Überbringen von Nachrichten oder gaben Briefe auf einer anderen Poststation auf". Auch Schreiben an ehemalige Vöhrenbacher Firmen bergen sicherlich interessante Details. Dazu muss allerdings die Sütterlin-Schrift gelesen werden können, was eine herausfordernde Arbeit mit sich bringen wird.

Info: Kalender mit historischen Stadtbildern

Nach Übergabe der historischen Sammlung machte Markus Schätzle noch auf den neuen Kalender des Arbeitskreises mit historischen Stadtbildern aufmerksam. Der Kalender ist beim Schreibwarengeschäft Fürderer, sowie bei den Tankstellen Kienzler und Avia (Dengler) erhältlich.