Im Deutschen Harmonikamuseum gibt es einen Nachbau des Hohner-Areals, das eine großes Kapitel Stadtgeschichte von Trossingen widerspiegelt, die dem Museumsdirektor und Stadtarchivar Salvatore Martinelli ein besonderes Anliegen ist. Foto: Ingrid Kohler

Seit September 2025 ist Salvatore Martinelli auch Stadtarchivar und rückt mit Sonderausstellungen die Stadtgeschichte in den Fokus des Deutschen Harmonikamuseums.

Salvatore Martinelli hat gut ein Jahr, nachdem er Nachfolger von Martin Häffner als Leiter des Deutschen Harmonikamuseums geworden ist, im September 2026 auch die Nachfolge von Martin Häffner als Stadtarchivar angetreten.

 

Eine sehr vielfältige, zeitaufwendige, aber sehr spannende Aufgabe, wie Martinelli betont. So wird er bereits im Jahr 2026 das Stadtarchiv auch mehr in den Fokus des Deutschen Harmonikamuseums stellen.

„Ein bis zweimal im Jahr wird künftig ein Kapitel der Trossinger Stadtgeschichte präsentiert“, erklärt Martinelli. Los geht es vom 1. bis zum 31. Juli mit einer Sonderausstellung über das Unwetter von 1926 „Trossingen im Sturm“. Vor 100 Jahren, am 19. und 20. Juli 1926, wurde Trossingen von einem schweren Unwetter – Martinelli spricht von einem Tornado – getroffen.

„Viele Häuser waren zerstört, sogar der Kühlturm von Hohner ist umgefallen.“ Das Unglück wiederholte sich in ähnlicher Weise 80 Jahre später mit dem Hagelschlag am 28. Juni 2006.

1926 fegte Sturm über Trossingen

In der Ausstellung über das Jahr 1926 werden die Auswirkungen des Sturms auf die Stadt, den Alltag und die Industrie anhand zeitgenössischer Berichte, Dokumente und Fotografien beleuchtet.

Mit Ausstellungen dieser Art wird das Deutsche Harmonikamuseum in Kooperation mit der Stadt künftig die Stadtgeschichte etwas mehr in den Fokus setzen, so Salvatore Martinelli. Neben einer Sonderausstellung im Bereich Harmonika wird so jedes Jahr in einer Sonderausstellung die Stadtgeschichte aufgegriffen. „Somit haben wir auch die Möglichkeit, Menschen von Trossingen für unser Museum zu begeistern, die sich weniger für das Thema Harmonika interessieren, aber für die Stadtgeschichte.“

Was die Besucherzahlen im Deutschen Harmonikamuseum betrifft, zeigt sich Salvatore Martinelli sehr froh gestimmt. „Wir haben im Jahr 2025 insgesamt 100 Prozent mehr Besucher als noch im Jahr 2024.“ Auch der Altersdurchschnitt der Besucher habe sich gesenkt. „Wir arbeiten aber weiter daran, jüngere Leute ins Museum zu locken.“ Ideen dafür gebe es bereits „sie müssen aber noch weiter ausgearbeitet werden“, so der Museumsdirektor. Dabei setzt er auf ein „Wir“ und meint damit, wenn all seine Mitarbeiter und Ehrenamtlichen mitziehen „dann erreichen wir viel“.

2026 etliche Projekte geplant

Für das Jahr 2026 seien schon etliche Projekte geplant. So werde es mehr regelmäßige Führungen mit dem Museumsdirektor geben, wie im Jahr 2025, als sie bereits auf große Resonanz stießen. Als Stadtführer werde Martin Häffner die Stadtführungen noch weiter ausbauen. Außerdem werde an einem Kinderprogramm im Museum, das für die ganze Familie attraktiv werden soll, gearbeitet.

„Lassen Sie sich überraschen“, sagt Martinelli augenzwinkernd. Auch werde das Kinderferienprogramm neu aufgelegt und mit der Stadtgeschichte verknüpft. Dennoch gelte es, alte Traditionen zu bewahren: „Beispielsweise wird es auch im Dezember 2026 das Weihnachtsvorspiel in Kooperation mit dem Hohnerklang und den Trossinger Grundschulen geben.“

Salvatore Martinelli wirft auch schon einen Blick ins Jahr 2027, wenn die Stadt Trossingen „100 Jahre Stadtrechte“ feiert. Ein Thema, das er als Museumsleiter wie auch als Stadtarchivar umfassend aufgreifen wird, immerhin feiert im Jahr 2027 auch die Mundharmonika ihr 200-jähriges Jubiläum.

Verleihung der Stadtrechte

Der junge Christian Messner hatte im Jahr 1827 im elterlichen Haus im Tal, dem später legendären „Zeughäusle“ mit der Reparatur und dem Nachbau einer Wiener Mundharmonika begonnen. Das Jubiläum „100 Jahre Mundharmonika“ wurde dann im Juli 1927 mit einer Gewerbeschau und anderen Festivitäten groß gefeiert mit dem Höhepunkt der Verleihung der Stadtrechte durch den damaligen württembergischen Innenminister Eugen Bolz.