Agnes Sapper ist eine erfolgreiche Kinderbuchautorin, die in Vergessenheit geraten ist.
Auflagen in Millionenhöhe hat sie erzielt. Agnes Sapper war eine der erfolgreichsten Kinderbuchautorinnen des frühen 20. Jahrhunderts.
Sie kam am 12. April 1852 in München auf die Welt, ist also keine gebürtige Calwerin. In der Stadt gelebt hat sie von 1892 bis 1898. Gestorben ist die Autorin am 19. März 1929 in Würzburg.
Sapper wird oft mit Johanna Spyri (1827-1901) verglichen, die mit ihren Heidi-Romanen bis heute weltberühmt ist - nicht zuletzt durch mehrere Verfilmungen und einer Zeichentrickserie, die ganze Generationen von Kindern im Fernsehen gesehen haben.
In Vergessenheit geraten
Gegenüber der Schweizer Schriftstellerin ist Agnes Sapper dann doch ein Stück weit in Vergessenheit geraten. Immerhin ist ihr erfolgreichster Roman „Die Familie Pfäffling“, erschienen 1907, 2002 noch einmal aufgelegt worden. Von diesem Titel wurden nahezu eine Million Bücher verkauft. Ihre Gesamtauflage soll Schätzungen zufolge die Drei-Millionen-Grenze überschritten haben.
Mit „Werden und Wachsen“ folgte 1910 eine Fortsetzung des Bestsellers. Vom Vater, dem Publizisten Karl Brater eher liberal, von der Mutter Pauline eher protestantisch-fränkisch geprägt, erhielt Agnes Sapper Privatunterricht, wurde im Stil eine „höheren Tochter“, wie das Anfang des 20. Jahrhunderts hieß, erzogen.
Zum Schreiben wird sie von ihrem Ehemann, dem Beamten Eduard Sapper, ermuntert. Mit der Erzählung „In Wasserfluten“ gewinnt sie einen Wettbewerb, mit “Gretchen Reinwalds letztes Schuljahr“ und „Die Mutter unter ihren Kindern“ feiert sie erste Erfolge.
Ihr Weg nach Calw
Zu „Kuni und ihr Pate Valentin Andreae“ wird sie in Calw von dem historischen Gebäude in der Salzgasse 11, heute ein Ärztehaus, inspiriert, in dem die Familie Sapper gewohnt hat. Dort befindet sich damals das Gasthaus „Zur Kanne“. Durch die Versetzung ihres Mannes, der Gerichtsnotar ist, ist die Familie nach Calw gekommen. Agnes Sapper freut sich über den Umzug in das „reizende Schwarzwaldstädtchen“. Ihre ersten Bücher erscheinen im Calwer Verlag, der von Hermann Hesses Vater Johannes geleitet wird.
Das Ehepaar Sapper hat fünf Kinder, zwei Söhne sterben früh. Sohn Karl wird nach Abschluss seines Theologiestudiums in der Calwer Stadtkirche ordiniert. Die Töchter Agnes und Anna erhalten, was damals nicht selbstverständlich war, eine solide Berufsausbildung. Nach dem Tod ihres Mannes zieht Agnes Sapper nach Würzburg.
Deutschnationale Sicht
Die Rolle der Frau sah Agnes Sapper in der damaligen Gesellschaft durchaus kritisch. Sie hatte zudem einen Blick für soziale Probleme. Dennoch wird ihr Werk aus heutiger Sicht auch kritisiert: Deutschnational bis chauvinistisch – so urteilt die Journalistin Dorothea Keuler über zwei Kriegsbüchlein für Kinder, die Sapper nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs schreibt. Die Journalistin verweist zugleich auf den damaligen Zeitgeist.
Auch James Krüss (1926-1997), ein paar Jahrzehnte nach Sapper einer der erfolgreichsten deutschen Kinderbuchautoren, lässt kaum ein gutes Haar an ihr. Er bezeichnet sie als puritanisch, ordnungsliebend, staatstragend und im Krieg chauvinistisch.
Soziale Probleme im Blick
Dorothea Keuler sieht das in einem etwas anderen Licht. Heutige Kinderbuchexperten würdigten ihre Sensibilität für soziale Probleme. Anwältin der Kinder sei sie freilich nicht gewesen. Ihre Erzählungen stärkten die Autorität der Eltern. Anders als die wilhelminische Rohrstockpädagogik, die auch über das Kaiserreich hinaus in vielen Schulen und Elternhäusern noch herrschte, „will Agnes Sapper Gehorsam und Einsicht aus Liebe erreichen“, schreibt Keuler.
Die Serie
Als Besitzer des Geburtshauses von Hermann Hesse bewahrt die Familie Schaber nicht nur das Gedenken an den in Calw geborenen Literaturnobelpreisträger. Sie fühlt sich darüber hinaus dem kulturellen und geschichtlichen Erbe ihrer Heimatstadt verpflichtet. So hatte Hermann Schaber die Idee, mit Blick auf die 950-Jahr-Feier, die 2025 begangen wird, in Zusammenarbeit mit dem Verleger Hans-Jürgen Schmid, schmidmusic Musikverlag, Monat für Monat bekannte Calwer Persönlichkeiten in den Schaufenstern seiner Geschäfte zu präsentieren. Daran beteiligt sich auch die Buchhandlung Osiander in Calw. Der Schwarzwälder Bote begleitet diese Aktion mit einer Serie. av