Der Stadtgarten wird seit einiger Zeit bekanntermaßen umgebaut und attraktiver gemacht. Dazu gehört auch eine geplante Photovoltaik-Anlage. Die sollte nun deutlich größer werden. Doch das gefiel niemandem so richtig.
Treppen, Mauern, Wege und vieles mehr: Der Stadtgarten Calw wird sein Gesicht bis voraussichtlich Ende kommenden Jahres deutlich verändern.
Insgesamt fließen rund 1,5 Millionen Euro in das Projekt; rund 90 Prozent davon (1,35 Millionen Euro) kommen dabei von einem Förderprogramm, dass Anpassungen an den Klimwandel bezuschusst. Die Stadt bezahlt entsprechend etwa 150 000 Euro.
Strom für nächtliche Beleuchtung
Damit all das Fördergeld auch ausbezahlt wird, musste sich die Stadt im Vorfeld ein Konzept für die Maßnahmen im Stadtgarten absegnen lassen. Dazu gehörte auch eine kleine Photovoltaik-Anlage, die sowohl Strom für die Ladung geplanter Bürger-Gartengeräte als auch für die gesamte nächtliche Beleuchtung des Stadtgartens liefern soll.
Die Geräte sollen auf Anregung der Bewohner die Nachbarschaft einladen, sich an der Pflege des Stadtgartens zu beteiligen.
Bislang war zu diesem Zweck eine PV-Anlage mit einer Fläche von rund 52 Quadratmetern vorgesehen, die von der „schwarzwald nature GmbH“, einer Tochtergesellschaft der Stadtwerke, umgesetzt werden sollte.
Gemessen am Aufwand, so hieß es nun jedoch in der Vorlage der jüngsten Gemeinderatssitzung, falle der Energie-Ertrag ziemlich gering aus.
Die Verwaltung schlug deshalb vor, stattdessen eine rund achtfach größere Fläche am Hang einzuplanen – mit 412 Quadratmetern und einem Ertrag von knapp 97 000 Kilowattstunden im Jahr.
„Wirtschaftlichste Lösung“
Die Anlage soll am Hang oberhalb des Caféhäusles in der Schillerstraße entstehen. Die „große Variante“, ergänzte die Verwaltung, könnte durch farbige PV-Module auch den Schriftzug „Calw“ bilden, der dann vom gegenüberliegenden Hang zu sehen wäre. Dies wäre die „wirtschaftlichste Lösung“, erklärte Mogler.
Mit dieser Idee konnte sich jedoch kaum jemand im Gemeinderat anfreunden.
Dieter Kömpf (Freie Wähler) führte beispielsweise als erster ästhetische Gründe ins Feld. „An der Stelle passt das einfach nicht“, sagte er.
Gudrun Mogler (SPD) schloss sich an: „Ich kann dem großen Ding gar nichts abgewinnen, auch nicht einer ‚Hollywoodisierung‘“, meinte sie mit Blick auf den möglichen Schriftzug „Calw“.
Oliver Höfle (Gemeinsam für Calw) sorgte sich zudem um das Caféhäusle. „Das bauen wir denen ja fast auf die Terrasse drauf.“ Generell sprach er sich für eine Anlage aus – aber „bitte nicht dort“. Das passe einfach nicht zum Stadtbild.
Oberbürgermeister Florian Kling konnte immerhin einen der Einwände direkt entkräften: „Nur um das mal klarzustellen: Von der Terrasse des Caféhäusles sieht man die Anlage nicht.“
„Sicherlich Geschmacksache“
Der Idee, einen alternativen Standort im Stadtgarten zu finden, hielt er entgegen, dass dies grundsätzlich nichts ändern würde, selbst wenn es einen geben würde. Zu sehen wären die Module immer.
Adrian Hettwer (Gemeinsam für Calw) brach indes eine Lanze für diese „absolut zeitgemäße Energiegewinnung“, an deren Anblick man sich gewöhnen müsse. Werde dann noch begrünt – Mogler erklärte, es sollen Hecken und Bäum rundherum gepflanzt werden – falle das Ganze auch nicht mehr so auf. Das sei „aber sicherlich Geschmacksache“.
Fest steht zudem: Ganz ohne PV-Anlage im Stadtgarten müsste mit dem Bund, der den hohen Zuschuss bezahlt, aufwendig verhandelt werden – mit unklarem Ausgang.
So meinte Bernhard Plappert (CDU), wenn eine Anlage gebaut werden müsse, sei es doch sinnvoller, wenn diese sich auch lohne.
Peter Schaber (Gemeinsam für Calw) fragte, ob Solarbäume geprüft worden seien. Diese wiederum, entgegnete Kling, „wären für Sie alle zu wild“. Zudem taugten sie nichts.
Nicht unbedingt geeignet
Johannes Schwarz (Grüne) verwies schließlich auf ein grundsätzliches Problem: Jeder spreche sich für den Ausbau erneuerbarer Energien aus, aber niemand wolle es vor der Haustür haben. Das Dach der Stadtkirche beispielsweise würde sich vorzüglich eignen – doch dagegen gäbe es sicher Bedenken.
Schwarz räumte aber ein, dass auch er den Standort im Stadtgarten für nicht unbedingt geeignet halte. Er meinte jedoch, er könne das große Projekt leichter aufgeben, wenn die Verwaltung stattdessen eine Dächer-Offensive in Angriff nehmen würde.
Bei vier Stimmen dafür abgelehnt
Peter Drenckhahn (AfD) schloss sich Schwarz an. Ein Bau im Stadtgarten komme für ihn nicht infrage, solange es noch freie Dächer gebe.
Kömpf fügte hinzu, dass er auch die Wirtschaftlichkeit im Stadtgarten bezweifle; immerhin sei das fast Nordhang. Er stimmte dafür ebenfalls Schwarz zu und erklärte, in einer der kommenden Sitzungen des Bauausschusses über die Möglichkeiten von PV-Anlagen auf den Dächern städtischer Gebäude sprechen zu wollen. Kling sicherte zu, sich darum zu kümmern; vieles sei auch bereits geprüft worden.
Die große Anlage wurde schließlich bei vier Stimmen dafür und zwei Enthaltungen abgelehnt. Um die Fördergelder nicht zu gefährden, wird die kleinere Anlage aber umgesetzt.