Die Johannesbrücke sah zu Goethes Zeiten natürlich noch anders aus, aber das Zollhäuschen daneben stand schon und wurde von Goethe erwähnt. Michael Hakenmüller ließ seine Stadtführung deshalb hier enden. Foto: Klaus Stopper /Klaus Stopper

Goethe gilt als Geistesgröße. Aber bei einem Besuch in Hechingen unterlief ihm ein Fehler. Unter anderem diesen thematisierte jüngst Stadtführer Michael Hakenmüller.

Unter anderem darauf ging Michael Hakenmüller im Rahmen der von ihm und Leo Faessler angebotenen Reihe „Sommer in der Stiftskirche“ bei einer Führung ein. Denn die Stiftskirche wurde von Goethe 1797 gelobt, aber seine Vermutung, sie sei von Geistlichen entworfen worden, war falsch. Das lag vielleicht auch daran, dass der Stiftskirchen-Bauherr Fürst Joseph-Wihelm ihn damals nicht empfangen konnte, da er ausgerechnet da mit gebrochener Nase im Bett lag. Und beim zweiten Besuch in Hechingen am 16. September 1797 hatte es Goethe eilig.

 

Seit 27 Jahren leitet Hakenmüller Stadtführungen auf Goethes Spuren in Hechingen, und immer wieder erschließen sich ihm neue Aspekte dieses Besuchs. So war Goethe bereits am 12.Oktober 1783 bei der Einweihung der Stiftskirche anwesend und sehr überrascht, dass dieser unter Bewachung vordere Bank-Reihen für Protestanten reservieren ließ.

Streit Goethes mit Georg Friedrich Nicolai

Hakenmüller ging im Rahmen seiner Führung auch auf den Streit Goethes mit Georg Friedrich Nicolai ein, den an Goethes 1774 veröffentlichtem Werk „Leiden des jungen Werther“ das Ende sehr missfiel. Bekanntlich tötet sich der Protagonist darin wegen Liebeskummer. Angeblich sollen solche Selbstmorde dadurch eine Zeit lang Mode unter jungen Leuten geworden sein. Also schrieb Nicolai das Buch um, ließ es glücklich enden und nannte es „Die Freuden des jungen Werther“. Goethe und Schiller tobten und schrieben Schmähgedichte.

Hakenmüller ging auch auf Goethes Schriftstelle-Kollegen Achim von Arnim ein, der einen umfangreichen Roman mit dem Titel „Gräfin Dolores“ schrieb, der unter anderem vom „ungeheuren Reichtum der (an der Schloßstraße wohnhaften) Handelsfamilie Kaulla handelt, die im Gegensatz zur Armut des regierenden Fürsten von Hechingen“ steht, wie er in einem Brief schreibt.

Steigung der Hechinger Staig „lebensgefährlich“

Die Führung folgte Goethe dann auf dem Weg die Staig hinunter, die damals Teil der „Schweizer Straße“ von Stuttgart nach Schaffhausen war und deren Steigung als lebensgefährlich galt. Zum Ausgleich gab es für die Führungsteilnehmer zum Abschluss im Eiscafé „Piccola Venezia“ ein „Goethe-Eis“ aus Schokolade, Karamell und Nuss-Splittern.

Am damaligen Zollhäuschen an der Johannes-Brücke hatten die Reisenden damals Zoll zahlen müssen. Das Geld erhielten die Zollern-Fürsten, investierten es aber nicht in Brückensanierungen. Jedenfalls beschreibt Goethe die Straße als sehr löchrig.