Monika Merstetter nahm das Publikum in Ötlingen mit auf eine spannende Zeitreise in die Welt des Malers Hermann Daur. Foto: Dorothee Philipp

Auf den Spuren des Malers Hermann Daur im Weiler Ortsteil Ötlingen.

Der Spätsommertag hätte schöner nicht sein können: Sonnenschein, blauer Himmel, klare Luft und weite Sicht hinaus ins Dreiländereck. Mit Stadtführerin Monika Merstetter machten sich über 30 Interessierte auf, in Ötlingen, wo der Maler Hermann Daur (1870 bis 1925) zwischen 1906 und 1925 einen Großteil seines Werkes geschaffen hat, den Spuren des stillen Genies zu folgen. Die Führung war eine Veranstaltung im Rahmen des Gedenkens an den 100. Todestag des Malers – er war am 21. Februar 1925 an seinem 55. Geburtstag verstorben. Auch das Keramikmuseum Kandern, das Markgräfler Museum Müllheim und das Dreiländermuseum Lörrach haben sich mit eigenen Angeboten am Gedenken beteiligt.

 

Neuerwerbung in Dorfstube

Hier auf dem Koger’schen Anwesen hatte Hermann Daur sein Atelier. Foto: Dorothee Philipp

Der Förderverein Dorfstube hatte zur Führung auch das kleine, feine Museum geöffnet, in dem etliche Bilder und Zeichnungen Daurs gezeigt werden, darunter auch die Neuerwerbung „Über den Dächern“, die der Verein erst kürzlich bei einem bekannten Auktionshaus ersteigern konnte.

Die Neuerwerbung „Über den Dächern“ von Hermann Daur in der Ötlinger Dorfstube Foto: Dorothee Philipp

„Ich möchte mich der Person Hermann Daurs nähern“, erklärte Merstetter. Sie nahm das Publikum mit, nicht nur auf einen Rundgang durchs Dorf, sondern auch auf eine Zeitreise ins frühe 20. Jahrhundert. Erst ab 1902 gab es im Dorf fließendes Wasser, fünf Vereine standen für Freizeitaktivitäten zur Verfügung, das unten in der Ebene gelegene Binzen war eine Art Kleinzentrum für die knapp 490 Einwohner.

Daur muss laut seinem Biografen Hermann Eris Busse (1891 bis 1947) ein fröhlicher Mensch gewesen sein, der sich unbändig freuen und herzlich lachen konnte. Als Schüler war der 1870 in Lörrach geborene Sohn eines Farbtechnikers jedoch schüchtern und mehr an Farben und Bildern interessiert als am sonstigen Lernstoff. Der Vater habe sehr früh das Talent des Jungen erkannt und ihn gefördert. Nach dem Tod des Vaters musste Daur die Ausbildung am Progymnasium abbrechen, um einen Beruf zu erlernen. Die Zeichenschule in Basel öffnete ihm den Weg in eine Künstlerlaufbahn, in der er als Zeichenlehrer etwas Geld verdienen konnte. Merstetter wies darauf hin, dass Daur ungewöhnlich viele und gute Lehrmeister hatte. Sein Cousin Max Laeuger, der damals eine außerordentliche Professur an der Technischen Hochschule Karlsruhe bekleidete, vermittelte ihn an die dortige Kunstgewerbeschule. Eine Reise nach München brachte ihm neue Eindrücke aus den dortigen Museen, aber auch Landschaftserlebnisse vom Bodensee und dem Hohentwiel, von der er „wie trunken“ heimgekommen sei.

Einkaufsroller mit Material

Merstetter befasst sich schon viele Jahre mit Daur, hatte zur Führung einen ganzen Einkaufsroller mit Dokumenten, Fotografien und Zeitungsausschnitten dabei, aus dem sie zu den jeweiligen Stationen immer wieder Unerwartetes und Unbekanntes hervorzauberte. Wie die Verbindung Daurs zum Heimat- und Keramikmuseum Kandern auf den Fund einer großen Keramik aus der Hallstattzeit zurückgeht, wie er 1895 und in den folgenden Jahren mit seinem Faible für ruhige Landschaften und Hünengräber immer wieder den Norden aufsuchte, dort später in Duhnen bei Cuxhaven seine Frau Gretchen kennenlernte, wie er in Graubünden lernte, Schnee zu malen oder wie er auf der berühmten Inka-Tapete in Ötlingen ein klitzekleines Matterhorn versteckte – neben all den Orten und Geschichten hatte Merstetter auch viele in der Region bekannte Namen parat, deren Träger sich um die Person Daurs scharten. Verständiges Nicken im Publikum zeigte, dass Persönlichkeiten wie Ernst Kammüller, Richard Sichler, Friedrich Vortisch, Familie Koger, Pfarrer Beyer, die Wirtsleute des Haltinger „Hirschen“ oder Adolf Glattacker auch heute noch Begriffe sind.

Freundeskreis gegründet

Die Verehrung im Dorf für den großen Maler wird bis heute gepflegt. Schon zwei Jahre nach seinem Tod wurde ein Freundeskreis gegründet, in den Reben unterhalb des Dorfes plätschert der Daur-Brunnen, die Daur-Hütte oben auf dem Tüllinger Berg ist ein beliebtes Ausflugsziel und die 1963 gebaute Schule in Ötlingen trägt seinen Namen. Der lange Jahre gepflegte Daur-Schoppen im Gasthaus „Ochsen“ wurde erst 2009 eingestellt.

Am Ende der Führung vor der Gallus-Kirche mit weitem Blick über Basel und das Elsass zitierte Merstetter aus der berührenden Grabrede, die Pfarrer Beyer damals gehalten hatte: er habe ein stilles, bescheidenes Leben gelebt, große Gedanken und ein reines Herz bewahrt. Eine schwere Krankheit machte diesem Künstlerleben ein vorzeitiges Ende. „Er habe noch so viel zu malen“ hatte Daur kurz vor seinem Tod gesagt.

Sonderausstellungen

Das Keramikmuseum Kandern
 zeigt noch bis zum 30. Oktober die Sonderausstellung „Hermann Daur – Vom Sammeln“.

Im Dreiländermuseum Lörrach
 ist bis 23. November die Ausstellung „Hermann Daur – ein moderner Blick“ zu sehen. Hier findet am 28. September um 11.30 Uhr eine öffentliche Führung statt.