Karoline „Chaile“ Kaulla gilt als eine der reichsten Frauen des 18. Jahrhunderts und ist in Hechingen aufgewachsen. Foto: Decker

In einer Stadtführung am Freitag, 30. August, wirft Uwe Decker einen Blick auf das Leben der erfolgreichen Unternehmerin des 18. Jahrhunderts.

Als eine der reichsten Frauen im Europa des 18. Jahrhunderts ist die Jüdin Karoline „Chaile“ Kaulla bekannt. In Hechingen aufgewachsen, schlug „Madame Kaulla“ eine kaufmännische Laufbahn an, belieferte unter anderem das österreichische Heer und wurde schließlich Hoffaktorin des Herzogs von Württemberg; stand damit direkt im Dienste des Herrschers.

 

Stadtführung über das Leben der Unternehmerin

Eine Stadtführung in Hechingen am Freitag, 30. August, soll Einblicke in das Leben der jüdischen Unternehmerin geben. Treffpunkt ist um 17 Uhr am Marktplatzbrunnen, von wo aus Stadtführer Uwe Decker in die Schloßstraße führen wird. Dort waren bis zu sechs Häuser in Kaulla-Besitz, wie Decker im Gespräch mit unserer Redaktion berichtet. Er verspricht Interessierten: „Wir werden in der Stadtführung die Steine umdrehen.“

So könne man sich zum Beispiel vorstellen, dass die Schloßstraße eine Verbindungsstraße zwischen Nord und Süd gewesen sei, auf der im 18. Jahrhundert große Karren fuhren. Nach Aussage von Stadtführer Decker habe „Madame Kaulla“ damals „Riesenmengen an Waren“ über ihr Agentennetz vertrieben. Aus ihren Geschäften mit dem Adel und dem daraus gewonnenen großen Reichtum sei „über Generationen hinweg“ das Bankwesen erwachsen.

Drahtseilakt zwischen Kulturen und Religionen

Hechingens Stadtführer betont außerdem, dass „Madame Kaulla“ auf einem Drahtseil zwischen verschiedenen Kulturen balancierte: Obwohl Juden zur damaligen Zeit viele Bürgerrechte vorenthalten waren, war „Madame Kaulla“ außerordentlich erfolgreich und agierte international. So belieferte sie ab 1792 die Österreicher nicht nur mit Munition, Proviant und Sätteln für den Krieg gegen Napoleon, sondern auch mit Geld.

Offenbar begleitete sie höchstpersönlich viele dieser Lieferungen und engagierte sich darüber hinaus für arme umherziehende Juden, sogenannte Betteljuden. Aber auch in ihrer Heimat Hechingen blieb ihr Einfluss nicht unsichtbar: Dort stiftete sie mitunter eine Talmudschule und ein jüdisches Obdachlosenheim.

„Es ist eine faszinierende Frau, zwischen den Religionen erzogen“, sagt Uwe Decker. Im Hinblick auf die Belieferung des Heeres durch Kaulla sieht er eine Parallele zur Gegenwart: „Ich werde in der Führung auch sagen, dass sich die Geschichte wiederholt.“