Im Oktober 2016 gab es eine rund zweieinhalbstündige Einwohnerversammlung zum Thema Landkreiswechsel im voll besetzten Bad Herrenalber Kurhaus. In Sachen Stadtentwicklung sollen die Bürger der Kurstadt künftig mehr beteiligt werden. Foto: Kugel

Der Bad Herrenalber Gemeinderat hat am Mittwochabend über das weitere Vorgehen in Sachen Stadtentwicklungsprozess diskutiert. Und beschlossen, wie von der Verwaltung vorgeschlagen, ein Kernteam ins Leben zu rufen.

Bad Herrenalb - Er ist Bad Herrenalber Bürger und war auch schon Stadtrat. Und er engagiert sich ehrenamtlich in der Kurstadt. Sascha Ott ist Direktor am IPEK (Institut für Produktentwicklung am Karlsruher Institut für Technologie) und kennt sich unter anderem in der Strategieprozessentwicklung für Forschungseinrichtungen, Industrie und öffentliche Hand aus. Er zeichnete auch für die Konzeption und Moderation des digitalen Runden Tisches im September vorigen Jahres verantwortlich – Experten diskutierten hier über den Wirtschaftsstandort Bad Herrenalb.

Transparente Zusammenarbeit

Ott ging detailliert auf die Sitzungsvorlage ein. So zeigte er auf, welche zwei konkreten Ziele ein Projekt zur Erarbeitung einer Entwicklungsstrategie für Bad Herrenalb hat: Erneuerung und Erweiterung (aufbauend auf "Vorhandenem"); lernen, wie "echt integrative" und transparente Zusammenarbeit mit Bürgern (und weiteren Stakeholdern [laut Online-Enzyklopädie Wikipedia eine Person oder Gruppe, die ein berechtigtes Interesse am Verlauf oder Ergebnis eines Prozesses oder Projektes hat]) auf allen Ebenen funktionieren kann – was eine Referenz für ein Bürgerbeteiligungsmodell sei. Ott sprach von (Experten-)Wissen und Kompetenz. Es gebe im Übrigen nicht den einen richtigen Prozess.

Bürgermeister Klaus Hoffmann nannte die Stadtentwicklung ein komplexes Thema. Andreas Tockhorn (Grüne Plus) sagte, man brauche eine Veränderung der politischen Kultur, eine fest verankerte Bürgerbeteiligung. Christian Romoser (CDU) zeigte sich ein Stück weit begeistert von Otts Ausführungen. So müsse man nicht immer von vorne anfangen. In der Diskussion wurde des Öfteren der Begriff Blaupause verwendet.

Knüppel zwischen die Beine

Klaus Lienen (CDU) meinte: Egal, wie man sich in Bad Herrenalb fürs Wohl der Bürger einsetze, man bekomme Knüppel zwischen die Beine geworfen. Er erinnerte an das zurückliegende Prozedere sowie konkrete Sachen aus der Bürgerschaft – und daran, dass vier Jahre lang nichts passiert sei. Nicht reden, sondern machen, laute seine Devise. Gertraud Maier (UBV) sagte, sie glaube mit Blick auf die neue Generation nicht daran, dass alles blockiert werde. Laut Rüdiger König (UBV) muss ins Bewusstsein der Bevölkerung, dass sie wichtig sei und man ihr Gehör verschaffen wolle. Dorothea Müller (Grüne Plus) stellte fest, dass ihr das Basisorientierte fehle. Kernteam und Problemlösungsteam – sozusagen eine doppelte Hierarchisierung irritiere.

Der Rathauschef sprach von einer großen Litanei von Einzelprojekten. Es gebe aber keine strategische Entwicklung der Kommune. Nach dem Prozess müsse feststehen: da wolle man hin.

Nicht enttäuschen

Manfred Senk (Grüne Plus) sagte, er verstehe es, wenn jemand mit Blick auf die Umsetzung und den vergangenen Prozess Bauchgrummeln habe. Wegen der monetären Situation sei nichts umgesetzt worden. Benötigt werde das notwendige Geld, ansonsten gebe es am Ende nur Enttäuschungen. Lienen konstatierte, das Ganze bleibe am Geld hängen. Die Stadt sei kurz davor, sich nur noch um die Pflichtaufgaben kümmern zu können. Was wäre zum Beispiel, wenn ein größerer Kanal kaputt gehe. Die Leute dürften nicht enttäuscht werden.

Das Stadtoberhaupt regte an, optimistischer ranzugehen. Die Bürger würden stärker beteiligt bei der Entwicklung der Stadt. Es sei ein deutliches Zeichen. Zusammen wolle man gestalten.

Letztendlich votierte das Gremium bei einer Gegenstimme und zwei Enthaltungen dafür, so weiterzuverfahren, wie von der Verwaltung vorgeschlagen. Laut Sitzungsvorlage der Stadtverwaltung ist der zeitliche Rahmen durchaus sportlich, heißt es doch: "Die Verwaltung geht davon aus, dass drei bis vier Workshops pro Themenfeld notwendig sein werden und der Prozess bis Jahresende 2022 abgeschlossen sein könnte."