Mit der Innenentwicklung und der vorhandenen Bausubstanz in Sulz beschäftigte sich der Ortschaftsrat in seiner jüngsten Sitzung. Foto: Priestersbach

Mit dem Ideenpool zum Wildberger Stadtentwicklungsprozess "STEP N! 2035" beschäftigte sich einmal mehr der Sulzer Ortschaftsrat. "Es ist gewollt, dass sich Bürger und Ortschaftsräte in den Prozess einbringen", rief Ortsvorsteher Rolf Dittus dem Gremium in Erinnerung.

Wildberg-Sulz - Ortschaftsrat Dieter Gärtner (CDU) hatte sich richtig in das Thema Innenentwicklung eingearbeitet und sich Gedanken über die Zukunft der Sulzer Ortsmitte gemacht. Für ihn hat die Sanierung alter Häuser und der Erhalt der Bausubstanz Vorrang – aber falls eine Ertüchtigung nicht möglich sei, müsse auch ein Abriss in Betracht gezogen werden, "damit kein Wildwuchs in diesen Häusern entsteht". Gleichzeitig warnte Dieter Gärtner davor, alte Häuser zu verkaufen, ohne dabei die Konsequenzen zu sehen. "Wenn so ein Haus in falsche Hände geraten ist, nimmt das Unheil seinen Lauf", und oft werde auch das Umfeld mit runtergezogen. So könnten solche Häuser dann an Personen geraten, die "schnell Geld herausschlagen wollen" und auf billigstem Weg und unter Missachtung baurechtlicher Vorschriften renovieren. In diesen Fällen könne der falsche Umgang mit den alten Gebäuden nachhaltig ganze Bereiche und Straßenzüge zerstören, ist der CDU-Ortschaftsrat überzeugt. Auch aus Sicht der Feuerwehr bergen solche "Bettenburgen" besondere Gefahren, wenn eine Menschenrettung erforderlich werde.

Augenmerk liegt auf Innenstadtentwicklung

Ein Vorschlag war daher, dass "die Stadt an brisanten Stellen von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch machen" und zudem für den Erhalt alter Häuser werben sollte. Wie Dieter Gärtner in seinem Appell, ein besonderes Augenmerk auf die Innenentwicklung zu legen, deutlich machte, wollte er jetzt mit seinen Ausführungen wachrütteln und "zeigen, was es bedeutet, wenn man Ortskerne aufgibt". Und so lautete seine abschließende Feststellung: "Was ist ein Dorf ohne Mitte – und die gilt es auch in Sulz zu erhalten."

Wie Ortsvorsteher Dittus dazu ausführte, sei es zwar so, dass Eigentum verpflichte, der Ortschaftsrat aber praktisch keinen Einfluss darauf nehmen könne, wie die Leute ihre Häuser verkaufen. Als positive Beispiele für eine gelungene Innenentwicklung nannte er das Kloster- und das Kirchenareal, doch gebe es ebenso "sehr fragwürdige Einzelfälle, bei denen sich die Eigentümer nicht an Gesetze halten". Klar ist für den Ortsvorsteher allerdings, dass man für junge Menschen auch Bauplatzangebote im Außenbereich benötige.

Staat kommt an seine Grenzen

Dass bei Sanierungsgebieten dicke Bretter gebohrt werden, rief Bürgermeister Ulrich Bünger mit Blick auf den Stadtteil Schönbronn in Erinnerung. "Veränderungsprozesse brauchen lange – und es braucht Leute im Dorf, die vorangehen", weiß der Rathauschef. Zwar sei der Gemeinderat oft bereit, alte Gebäude zu erwerben. Allerdings dürfe die Stadt dies nur zum Verkehrswert tun, während "da oft ganz andere Preise aufgerufen werden". Und wenn jemand ein Haus kauft und es bis an die Grenze des Verträglichen nutzt, könne man nichts machen; da komme der Staat an seine Grenzen, so Bünger mit Blick auf die Überwachung der Einhaltung baurechtlicher und anderer Vorschriften.

Auf ein anderes Thema ging Jürgen Niethammer mit Blick auf die Bargeldversorgung ein, denn ein Geldautomat gehöre in seinen Augen zur Nahversorgung, und die Banken würden es sich bei diesem Thema oft zu einfach machen. Wie Bürgermeister Ulrich Bünger erwiderte, müsse man wissen, dass der Betrieb eines Geldautomaten rund 70 000 Euro im Jahr koste. Vor diesem Hintergrund müsse sich schon jeder fragen, wie er seine Gewohnheiten handhabe – und ob man bereit sei, zusätzliche Kosten zu akzeptieren. "Die Nutzerzahlen gehen deutlich zurück", und da sei der Kosten-Nutzeneffekt bei Geldautomaten betriebswirtschaftlich vielfach nicht mehr gewährleistet, so Bünger.