Vom Gerücht zur Gewissheit: Die Bäckerei Heitzmann zieht mit ihrer Schopfheimer Filiale ein paar Meter weiter und übernimmt die Gastronomie im neuen Uehlin-Haus.
„Gerne bestätigen wir, dass die Bäckerei Heitzmann im „Neuen Uehlin-Haus“ für die Kundinnen und Kunden mit einem schönen Bäckerei-Café da sein wird“, teilt die Geschäftsleitung auf Anfrage unserer Zeitung mit. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Bad Krozingen unterhält in Baden, zwischen Bad Säckingen und Offenburg, ein Netz aus über 100 Filialen und ist auch in Schopfheim bereits seit einigen Jahren vertreten – nur einen Katzensprung vom künftigen Domizil entfernt.
Zum Zeitpunkt der Eröffnung könne man im Moment noch keine genauen Angaben machen, heißt es weiter – diese hänge vom Baufortschritt ab. Wahrscheinlich sei indes eine Eröffnung im dritten Quartal 2026.
Gastro-Einrichtung Thema im Rat
Ganz aktuell beschäftigte der künftige Gastro-Betrieb den Gemeinderat in seiner Sitzung am Montag, und erneut ging es um die Innenausstattung des künftigen Cafés: Bereits im März hatte der Gemeinderat lebhaft diskutiert, ob in dessen Gastraum oder im Untergeschoss wie geplant eine Tischdruckmaschine an die historische Bedeutung des Ortes als Wiege der ersten Tageszeitung im Dreiländereck erinnern soll – oder ob es auch eine Art Fototapete tut.
Nun fiel die Entscheidung: Vor Ort sollen künftig „mindestens drei illuminierte Informationstafeln oder Ähnliches“ aufgestellt werden“, so der mit großer Mehrheit gefasste Gemeinderatsbeschluss. Die Uehlin-Druckmaschine wiederum soll „in die Sammlung zur Person Johann Georg Uehlin des Stadtmuseums eingebunden werden.“
Historische Bedeutung des Standort
Angestoßen worden war die Planänderung vom künftigen Gastro-Betreiber, der im Café selbst entgegen der ursprünglichen Pläne nun doch kein rechtes Plätzchen für das historisch wertvolle Unikat finden konnte – zumindest nicht so, dass es den konservatorischen Anforderungen und einer angemessenen Würdigung genügt hätte.
Gegen eine Planänderung wiederum sprach, dass eine prominente Platzierung der Druckerpresse von der Stadt beim Verkauf des Grundstücks explizit gewünscht und sogar vertraglich festgelegt worden war – auf dass nach Abriss und Neubau zumindest ein letztes greifbares Restchen an das über Jahrhunderte hinweg stadtbildprägenden Gebäude-Ensemble und dessen historische Bedeutung erinnern sollte.
Bei Verträgen „künftig besser hinschauen“
Die Entscheidung über die Planänderung wurde im März vertagt. In der aktuellen Sitzung nun fügte sich die Mehrheit der Gemeinderäte ohne größere Diskussionen den von Stadtverwaltung, Museumsleiter und Gastro-Betreiber vorgelegten Argumenten. „Dieses Kind ist in den Brunnen gefallen. Aber der Vorgang sollte uns für die Zukunft mahnen, bei Verträgen genauer hinzuschauen“, hinterlegte Thomas Kuri (CDU).
Änderungsantrag mehrheitlich abgelehnt
Zuvor hatte Thomas Gsell (SPD) – in der vergangenen Sitzung bereits massiv empört über den Gang der Dinge und Argumente – einen Änderungsantrag eingebracht: Der Betreiber sollte verpflichtet werden, die Druckmaschine vor Ort aufzustellen und die nötige Schutz-Vitrine anzuschaffen. Bei drei Ja- und neun Nein-Stimmen wurde dieser Antrag abgelehnt. Sechs Enthaltungen signalisierten immerhin ein gewisses Verständnis für Anliegen und Verärgerung Gsells.
Abrücken von der Vision „Erlebnisgastronomie“
Auch in der künftigen Nutzung als Bäckerei-Café selbst hat sich die Realität ein gutes Stück von den ursprünglichen Visionen für das Filetstück im Herzen der Schopfheimer Innenstadt entfernt: Lange Zeit war hier wohlklingend von einer „Erlebnisgastronomie“, gerne mit dem Zusatz „mediterran“ die Rede, die zur Belebung der Innenstadt und insbesondere der Fußgängerzone in der Scheffelstraße beitragen sollte. Im Bauantrag vom vergangenen Herbst war dann deutlich weniger schillernd von einem „Backwarengeschäft“ die Rede – immerhin mit großzügigem Café-Bereich, wie auch eine Skizze in den Antragsunterlagen verdeutlicht.
„Es braucht eine pragmatische Lösung“
„Wir hatten eigentlich eine ganz andere Idee von der Gastronomie dort – idealer Weise ein Angebot, das von morgens bis in die Abendstunden geöffnet ist und zum Verweilen einlädt“, räumte Bürgermeister Harscher in der Gemeinderatssitzung am Montag erneut ein – „jetzt haben wir ein Durchlauf-Café.“
Angesicht dieser Tatsache brauche es nun eine pragmatische Lösung auch in der Frage der Druckerpresse, schlug Harscher den Bogen zum eigentlichen Thema. Die ursprüngliche Idee zur Präsentation des musealen Stücks wäre „schlicht überdimensioniert“, befand Harscher: „Das wird die wenigsten Besucher dort interessieren. Klientel und Achtung für so ein Stück werden einfach nicht da sein.“
Auch Wohnungen im Herbst bezugsfertig
Und wie sieht es auf der Baustelle vor Ort aktuell aus? Mit Einsetzen der Fenster und Eindecken des Dachs hat das Projekt „Neues Uehlin-Haus“ bereits im Frühjahr das Rohbaustadium hinter sich gelassen – ein gutes Jahr nach dem Baustart und zwei Jahre, nachdem der Abrissbagger die zwischenzeitlich völlig verrotteten alten Uehlin-Häuser dem Erdboden gleichgemacht hatte. Aktuell läuft der Innenausbau im Gebäude.
Nach dem Café im Erdgeschoss sollen auch Wohnungen in den Obergeschossen noch in diesem Jahr bezugsfertig werden, teilt Claudia Wolf vom Bauträger Atmos4 Projekt GmbH in Karlsruhe auf Anfrage unserer Zeitung mit; der genaue Zeitpunkt der Fertigstellung indes sei abhängig von Bauferien und Veranstaltungen wie dem Sommersound.