Für die Donaueschinger war die Veränderung bei den Hans-Thoma-Höfen in den vergangenen Wochen deutlich sichtbar. Nach und nach verschwanden immer mehr Teile der früheren Gebäude im Staub des Abrissbaggers. Bis hinunter zum Südstern-Kreisel reicht momentan eine offene Erdfläche.
Donaueschingen – Jetzt soll es dort mit den Arbeiten allerdings so richtig losgehen. Aus dem alten soll ein neues, modernes Quartier mit sechs neuen Gebäuden und 88 Wohnungen entstehen. Bauherr ist die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima). "Die vorhandenen Grundrisse modern anzupassen, das war nicht möglich. Also gingen die Planungen in Richtung Neubau", erklärte Susanne Dübon, Leiterin der Hauptstelle Portfoliomanagement bei der Bima, beim offiziellen Spatenstich für das große Projekt.
"Die Mieter können und müssen den Bauverlauf mitmachen. Im zweiten Bauabschnitt werden sie dann selbst umziehen, dann sind ihre Wohnungen betroffen", erklärte Dübon. "Ich denke sie werden sich dann freuen, eine moderne Wohnung vorzufinden."
Einige Mieter kommen zum Spatenstich
Zum Spatenstich waren auch einige Mieter aus den Gebäuden in der Hansjakobstraße gekommen. So etwa auch Renate Benz. Sie lebt bereits seit sechs Jahren im Hans-Thoma-Areal und verfolgt das Projekt mit Spannung und Interesse: "Es war sehr interessant. Man hat ja alles hier direkt mitbekommen. Trotz der Baustelle ist es sehr angenehm verlaufen. Ich hatte im Sommer meine Fenster trotzdem offen."
Zentrale Lage überzeugt
Renate Benz blickt positiv auf den anstehenden Umzug: "Wir freuen uns darauf, in eine neue Wohnung zu kommen." Besonders freut sie sich, dass es dann einen Balkon geben wird: "Viele haben hier auch Haustiere, die wir natürlich mitnehmen wollen." Das Hans-Thoma-Areal schätze sie vor allem wegen der zentralen Lage: "Ich habe keinen Führerschein und komme hier überall hin."
Sie lässt sich von Projektleiterin Tanja Stiefel erklären, wie das Gebiet künftig aussehen wird. Das neue, auf 8000 Quadratmetern entstehende neue Areal soll 2024 komplett fertiggestellt sein. Ein Zeitplan, den man unbedingt einhalten möchte: "Nach nur einem dreiviertel Jahr an Planungen und Ausschreibungen stehen wir hier beim Spatenstich", machte Joachim Dannecker von der Firma Ed. Züblin AG das rasche Voranschreiten des Projektes deutlich.
Rund 800 Tonnen Stahl werden verbaut
"Viele Nahunternehmer ins Boot zu holen, das hilft auch der Wertschöpfungskette vor Ort. Daher wollen wir etwa 60 bis 70 Prozent des Vergabevolumens auch hier lassen", so Dannecker weiter. Bis Weihnachten will man mit der Baugrube fertig sein. "Da fallen dann etwa 16 000 Kubikmeter Aushub an." Das Richtfest sei für Oktober 2023 anvisiert: "Bis dahin werden rund 800 Tonnen Stahl verbaut." Um die angepeilte Geschwindigkeit zu verdeutlichen: "Von der Raummenge gesehen entstehen pro Monat dann vier Einfamilienhäuser. Der Zielkorridor steht – und den werden wir einhalten", so Dannecker weiter.
Weiterer Abriss geplant
In einem zweiten Bauabschnitt, der nach dem Bau der ersten sechs neuen Gebäude voraussichtlich 2025 beginnen soll, ist für die fünf Bestandsgebäude im Bereich Hans-Jakob-Straße, Emil-Rehmann-Straße, Friedhofstraße, Hindenburgring ebenfalls ein Abriss mit anschließendem Neubau von fünf Mehrfamilienhäusern geplant. Dadurch entstehen bis zu 80 weitere Zwei- bis Fünf-Zimmer-Wohnungen. Auch geplant seien eine Tiefgarage und eine Neugestaltung des Außenbereiches.
Ein Plus auch für die Bundeswehr
Die Größe des Projektes sei eine "nicht alltägliche", sagt Oberbürgermeister Erik Pauly. "Noch dazu mitten in der Stadt." Es freue ihn, dass die Bima nicht nur Gebäude verkaufe, sondern auch investiere. "Für uns ist das hier eine Standortfrage", so Pauly weiter. Donaueschingen sei ein Bundeswehr-Standort und wolle das auch weiter bleiben: "Durch den Neubau entstehen auch für die Bundeswehr beste Möglichkeiten direkt neben der Kaserne."
Zuerst für Bundesbedienstete
Wie bei Wohnungen der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben üblich, werde diese zuerst Bundesbediensteten als bezahlbarer Wohnraum angeboten. Dazu zählen unter anderem Beschäftigte von Zoll, Bundespolizei und Bundeswehr. Das Projekt sei in einer zeitlich überschaubaren Phase strukturiert: "Wenn es beim Bau so läuft wie beim Rückbau, dann mache ich mir wegen des Zeitplanes keine Sorgen", so Pauly. "Und wenn die Bundesbediensteten ihre Wohnungen haben, dann gibt es sicher Möglichkeiten für Donaueschinger." Das Bild der Stadt gewinne mit dem neuen Areal "unheimlich. Das Gebiet wird aufgewertet."
Info: Das Projekt
Vier Bestandsgebäude aus den 1950er-Jahren sind bereits abgerissen. Jetzt beginnt der Neubau von sechs Mehrfamilienhäusern mit 88 Zwei- bis Fünf-Zimmer-Wohnungen sowie acht Gewerbeeinheiten und einer Tiefgarage. Die Anlagen rund um die Gebäude sollen auch neu gestaltet werden. Der Bau soll bis 2024 dauern und rund 35 Millionen Euro kosten. Dabei entstehen 7300 Quadratmeter Wohnfläche. Der zweite Abschnitt ist für 2025 geplant, wenn der erste bereits fertiggestellt ist. Dann werden fünf weitere alte Bestandsgebäude abgerissen und durch Neubauten ersetzt.