Seit rund zweieinhalb Jahren existiert das Amt für Stadtentwicklung in der Eyachstadt. Leiterin Annette Stiehle erzählt, welche Aufgaben dort bewältigt werden.
Das Amt für Stadtentwicklung ist noch recht jung. Im Jahr 2023 hat es die Stadt Balingen ins Leben gerufen – direkt nach dem Ende der Gartenschau. Annette Stiehle leitet das vergleichsweise überschaubare Amt mit sieben Mitarbeitern, das zwar klein, aber nicht minder wichtig ist. Gerade aufgrund der Komplexität im Bauwesen und bei der Planung sah die Verwaltung damals die Notwendigkeit, einige Aufgaben aus dem Amt für Planung und Baurecht auszugliedern. Welche Aufgaben das sind, berichtete die 57-jährige Amtsleiterin im Gespräch mit unserer Redaktion.
„Zusammengefasst lässt sich sagen, dass sich unser Team mit den Zukunftsfragen der Eyachstadt auseinandersetzt“, erklärt Stiehle.
„Wir leisten quasi die Vorarbeit“
Die Mitarbeiter schauen sich an, wo in zehn Jahren etwa Wohngebiete sinnvoll sind. Es wird geprüft, in welchen Teilen der Stadt sich Gewerbeflächen eignen. „Wir suchen hierfür geeignete Flächen und überlegen uns, in welcher Form diese Flächen das größte Potenzial entwickeln“, so die Amtsleiterin.
Und weiter: „Wir leisten quasi die Vorarbeit für Sabine Stengel und die Kollegen vom Amt für Bau- und Planungsrecht. Wenn wir die Konzepte entwickelt haben, liegt es an den Amtskollegen, hierfür Baubeschlüsse zu erarbeiten und den weiteren Verwaltungsakt zu vollziehen.“
Austausch mit anderen Ämtern
Stiehle tauscht sich bei ihrer Arbeit regelmäßig mit den anderen Ämtern aus. „Wir erfüllen eine Querschnittsaufgabe.“ Bauprojekte müssen etwa den künftigen Klimagesetzen und -vorgaben entsprechen. Das ruft die neue Klimamanagerin Tamara Sauer auf den Plan. Stiehle lobt die Zusammenarbeit mit den anderen Fachämtern. „Wir sind stets im guten Austausch.“
Derzeit liegen zahlreiche Projekte auf dem Schreibtisch von Stiehle. So springt die Stadt ganz aktuell als Vermittler für Interessenten im Baugebiet Urtelen ein. Ursprünglich wollte dort die Baugenossenschaft Oekogeno aus Freiburg als Bauherr das Konzept des genossenschaftlichen Wohnens realisieren, das einen solidarischen und gemeinschaftlichen Ansatz verfolgt.
Konzepte erarbeitet
Es kam aber anders: Die Genossenschaft sprang ab. Nun steht die Stadt im Austausch mit den Interessenten und berät diese. Stiehle stellt aber klar: „Die Stadt ist nicht Bauherr, sondern in beratender Funktion tätig.“ Vorstellbar seien für die Verwaltung zudem Mitarbeiterwohnungen. Hierzu laufen Gespräche mit ansässigen Unternehmen.
Wie schwer es ist, Bauprojekte zu realisieren, zeigt sich zudem am gescheiterten Projekt auf dem Strasser-Areal. „Die Konzepte sind gut, das Bauen aber ist aktuell sehr teuer“, bewertet Stiehle das Dilemma. Mit dieser Aussage stärkt sie vor allem einer grundlegenden Vorgehensweise der Stadt den Rücken. Die Verwaltung in Balingen setzt häufig auf Konzeptvergaben.
Vereinzelt kritische Stimmen
Für Baugebiete, Bauprojekte, Spielplatzmanagement oder Sportstätten – vorzugsweise werden Konzepte erarbeitet, die „als Leitplanken für die Planungen der nächsten Jahre und Jahrzehnte dienen und absolut notwendig sind“, sagt Stiehle.
Auf der anderen Seite werden im Gemeinderat und in anderen Gremien immer wieder vereinzelt kritische Stimmen laut, die den Konzeptvergaben hohe Kosten bei wenig Ertrag vorwerfen. Stiehle könne verstehen, dass es frustrierend sei, wenn Konzepte am Ende nicht umgesetzt werden. „Dennoch halte ich daran fest“, so die Leiterin. Konzepte könne man später immer noch aus der Schublade holen und etwas anpassen. „Die Arbeit ist nie umsonst.“
Stillstand ist am gefährlichsten
Dazu betont sie, dass Meilensteine wie die Belebung und Gestaltung der Fußgängerzone und die Gartenschau im Jahr 2023 ebenfalls auf Konzeptvergaben aufbauten und diese zur Grundlage hatten.Besonders viel Zuwendung benötigt laut Stiehle aktuell die Sportstättenkonzeption. Im Austausch mit Vereinen, Stadt und Schulen wird gemeinsam erarbeitet, wie die Hallen und Sportplätze in Zukunft am effizientesten genutzt werden können.
Während diese Konzeption noch in den Kinderschuhen steckt, ist die Spielplatzkonzeption schon viel weiter. Im laufenden Jahr sollen bereits zwei Spielplätze – in Endingen und in der Karpfenstraße – angegangen werden. 2027 steht dann der Neubau des sogenannten Leuchtturmspielplatz in der Frommerner Jahnstraße an. Allerdings nur, und das ist momentan immer die große Frage, wenn es die Haushaltsmittel zulassen. Das Wichtigste an ihrem Job, so Stiehle abschließend: „Stillstand ist am gefährlichsten. Städte sind immer im Wandel. Hier darf man niemals ruhen.“