Die Pläne für das Mühlenareal werden erst mal nicht umgesetzt. Es fehlt ein finanzkräftiger Investor. Foto: Krokauer

Weil der Immobilienmarkt schwächelt, findet sich kein Investor, um die Wohnbebauung umzusetzen. Der Stadt fehlt das Geld. Nun zieht der Gemeinderat einen vorläufigen Schlussstrich.

Das Mühlenareal im Zentrum der Kernstadt hat schon viele Menschen beschäftigt. Es gab eine Bürgerbeteiligung, einen städtebaulichen Wettbewerb und schließlich einen Gewinner-Entwurf. Letzterer wurde vor rund viereinhalb Jahren gekürt. Den Zuschlag bekamen Architekt Daniel Schönle aus Stuttgart und der Landschaftsarchitekt Michael Hink aus Schwaigern.

 

Immer noch Brachfläche

Auf dem 4600 Quadratmeter großen Areal sollten ursprünglich in fünf Gebäuden 32 Wohneinheiten entstehen. Die Häuser fügen sich in dem Entwurf in die Hanglage ein. Zudem sollte der Lengenbach wieder freigelegt und das Mühlgässle wieder begehbar gemacht werden. Zwischenzeitlich wurde der Entwurf abgeändert. Das Haus in der Hugo-Mäulen-Straße 12 soll abgerissen werden. Statt fünf stünden später einmal nur noch drei Gebäude auf dem Mühlenareal. Trotzdem könnten so noch 28 Wohneinheiten entstehen. Die Änderung soll Platz für eine Erweiterung des Stadtfriedhofs machen und dringend nötige neue Grabflächen schaffen.

Doch trotz Planänderungen: Passiert ist über die Jahre nichts. Das Mühlenareal liegt immer noch brach. Bauamtsleiter Rainer Becht erklärte im Gemeinderat auch, warum das so ist: Man finde keinen Investor, der das Projekt umsetzt. „Es ist aktuell schwierig Wohnungen zu verkaufen, weil die Preise sehr hoch sind“, so Becht. Außerdem, so steht in der Vorlage, gibt es in der Kernstadt ein „Überangebot an Wohnungen“. Denn das Nahe Ochsenareal sei fertig gebaut. Der Umbau des früheren Kronen-Hotels zu Wohnungen befindet sich in der Umsetzung. Dass die Stadt das Projekt auf dem Mühlenareal selbst umsetzt, ist aufgrund der Finanzlage Bad Liebenzells unvorstellbar.

Verzichten Architekten auf Honorar?

Das Problem ist aber, dass die Planungen zum Mühlenareal Teil eines städtebaulichen Wettbewerbs waren. Das heißt, die Architekten haben einen Anspruch auf die Umsetzung des Projekts und ihr vollständiges Honorar, welches sich nach der Bausumme richtet. Wie Becht im Gemeinderat erklärte, stünden den Architekten im Falle der Umsetzung rund 1,2 Millionen Euro zu. Diesen Vertrag mit den Architekten möchte die Stadt nun auflösen, um damit die Pflicht der Umsetzung und damit auch die Zahlung des hohen Honorars – beziehungsweise den Anspruch auf beides – loszuwerden.

Wie Becht erklärte, zeigten sich die Architekten kooperativ. Die Verwaltung sei deshalb dafür, die aktuelle Planung „zu sichern“. Man könne die Ergebnisse in einer Broschüre für einen Investor zusammenfassen. Eventuell könne man das Mühlengässle schon jetzt erstellen, den Bach freilegen und eine „parkähnliche“ Anlage herstellen. Das Thema der Umsetzung der Pläne mit der Wohnbebauung könne der Gemeinderat dann 2027 wieder aufgreifen. Denn sonst laufe die Förderung für das Sanierungsgebiet im Stadtkern aus, von welchem das Mühlenareal profitieren sollte.

Der Architekt habe schon etwa 140 000 Euro bekommen, der Freiraumplaner 90 000 Euro, so Becht. Für den vorzeitigen Abschluss des Projekts müsse die Stadt noch einmal etwa 25 000 Euro bezahlen. Dann gehörten die Ergebnisse der Planung aber auch der Stadt. Die Architekten verzichteten auf urheberrechtliche Ansprüche.

Gemeinderat stimmt für vorläufigen Abschluss

„Die Zahlen überraschen mich“, sagte Dietmar Fischer (CDU). Das Architektenhonorar sei sehr hoch. Das Projekt koste insgesamt ja nur fünf Millionen Euro. Fischer war noch Bürgermeister, als der Gewinner-Entwurf ausgewählt wurde. Becht korrigierte Fischer. „Es waren insgesamt rund 13 bis 14 Millionen Euro kalkuliert“, so der Bauamtsleiter. Fischer fürchtete, dass die Architekten weiter Geld von der Stadt forderten. „Eine Einigung mit den Architekten ist erzielt“, so Becht. Man brauche nur noch den Beschluss des Gemeinderates.

Der stimmte Bechts Vorschlag zu. Nur Fischer stimmte dagegen. Damit ist klar, dass es in den kommenden Jahren vorerst keine Wohnbebauung auf dem Mühlen-Areal geben wird. Die Planungen liegen auf Eis, bis ein Investor mit ausreichend Geld gefunden ist.