Heidi Schänzle in ihrem neuen Reich Foto: Stadt Messstetten/Volker Bitzer

Die Meßstettener Stadtbücherei hat eine neue Leiterin. Vor allem Agatha Christie steht bei ihr hoch im Kurs.

„Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett“, sang Bill Ramsey im bekannten Schlager und im gleichnamigen Film. Krimis liebt auch Heidi Schänzle über alles.

 

Wie es sich für eine eingefleischte Liebhaberin von literarischem Mord und Totschlag gehört, steht bei ihr die Grande Dame des englischen Kriminalromans hoch im Kurs: Agatha Christie. „Ich habe fast alle Bücher von ihr gelesen, viele in der englischen Originalfassung“, erzählt Schänzle.

Sie verrät auch ihre aktuellen Favoriten: Einer ist der dänische Schriftsteller Jussi Adler-Olsen, der andere ist der Brite Richard Osman.

Lieber was Künstlerisches als Bankerin

Bücher und Lesen waren schon immer das große Hobby von Heidi Schänzle, die am Ebinger Wirtschaftsgymnasium ihr Abitur gemacht hat. Bankerin oder ein Job in der Wirtschaft waren nie ihr Berufswunsch. Etwas Künstlerisches schwebte ihr eigentlich vor.

Nach dem Abi am WG machte sie eine zweijährige Ausbildung bei der Stadtbücherei Balingen. „Assistentin an Bibliotheken“ hieß das damals, heute spricht man von „Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste“. Im Anschluss wurde sie von der Stadt Balingen übernommen und arbeitete rund 25 Jahre lang in der Kreisstadt, bevor Schänzle in die Stadtbücherei Albstadt wechselte.

Eine neue Option tat sich dieses Jahr in Meßstetten auf: Die bisherige Leiterin der Stadtbücherei, Shirly Engel, wollte sich intensiv ihrem Studium und einem Praktikum widmen.

Edelgard Herre steht auch der neuen Chefin zur Seite

Die beiden Frauen kannten sich seit Jahren, war doch Engel einst Auszubildende in der Balinger Stadtbücherei. So kam es, dass sich Schänzle in Meßstetten auf die frei werdende Stelle bewarb. Seit Oktober ist sie die Chefin der Meßstetter Bücherei. Ihr zur Seite steht Edelgard Herre.

Trotz „Tonies“ und Kamishibai ist das klassische Lesen nicht ausgestorben: Viele Schulkinder kommen, oft mit Lehrerin oder Lehrer, Woche für Woche in die Meßstetter Bibliothek im Untergeschoss der Burgschule. „Da ist wohl eine Schulstunde in Deutsch regelmäßig für einen Besuch in der Bücherei vorgesehen“, freut sich Schänzle.

Auch ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger zählen zum Kundenkreis der Bücherei. Schwächer ist die Resonanz bei den mittleren Jahrgängen. Das sei aber kein Meßstetter Phänomen, sondern deckungsgleich mit anderen Büchereien, weiß Schänzle; ebenso, dass mehr Frauen als Männer unter den Lesefreudigen sind.

Mehr Sachbücher für Kinder und Saatgut-Bibliothek

Ausbauen möchte Schänzle das Angebot an Kinder-Sachbüchern, mit denen zeitloses Grundwissen vermittelt wird. Das seien Inhalte, die nicht so schnell „Schnee von gestern“ werden.

Ein Projekt, das Schänzle im nächsten Jahr angehen möchte, ist die „Saatgut-Bibliothek“. Dort werden nicht Bücher, sondern Pflanzensamen ausgeliehen und getauscht. Ziel ist es, die Vielfalt alter und lokaler Sorten zu erhalten, die Biodiversität zu fördern und Hobbygärtner zu unterstützen.

Sollte Schänzle einmal nicht von einem Krimi gefesselt oder in einen anderen Roman vertieft sein, dann pflegt sie in ihrer Freizeit ein komplett anderes Steckenpferd: an Autos schrauben und auf Autotreffen gehen. US-Cars und Pickups begeistern sie besonders.