Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr widerspricht den Aussagen von Bundeskanzler Friedrich Merz zum „Stadtbild“. Für sie gehören Menschen nicht in diese Kategorie.
Die bundesweite Diskussion über das sogenannte „Stadtbild“, ausgelöst durch die Äußerungen von Bundeskanzler Friedrich Merz, sorgt auch in Schramberg für Gesprächsstoff. Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr reagiert darauf mit deutlicher Kritik. Zum Stadtbild gehörten für sie „leblose oder abstrakte Dinge wie Fassaden, Plätze, Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum. Lebendige Menschen hätte ich nie unter ‚das Stadtbild‘ subsumiert.“ Zudem könne sie die Intention des Kanzlers nicht nachvollziehen: „Ich verstehe auch nicht ganz, worum es dem Bundeskanzler geht: Geht es darum, wie Menschen aussehen? Gibt es hier ‚gut‘ oder ‚schlecht‘? Von solchen Wertungen halte ich nichts und kann sie nicht unterstützen.“
Statt abstrakter Bewertungen verweist Eisenlohr auf eine persönliche Erfahrung beim Schramberger Markt. Ein älteres Ehepaar habe sie dort angesprochen. „Die Frau trug Kopftuch“, erinnert sie sich. Die beiden hätten sie freundlich eingeladen, mit ihnen eine Tasse Tee zu trinken. „Wir möchten Sie kennenlernen, wie sind alte Schramberger“, habe der Mann gesagt. Erst auf Nachfrage erfuhr die Bürgermeisterin, dass das Paar um das Jahr 1960 aus Anatolien nach Schramberg gekommen war. „Es fiel mir wie Schuppen von den Augen und machte mich nachdenklich und demütig.“ Dass die beiden sich als „alte Schramberger“ bezeichneten, beeindruckte sie nachhaltig.
Integration statt Stigmatisierung
Für Eisenlohr zeigt diese Begegnung, wie wichtig es ist, Menschen nicht vorschnell einzuordnen. Sie verweist darauf, dass in Schramberg heute 21 500 Menschen unterschiedlicher Herkunft und Hintergründe leben und die Stadt seit jeher von Einwanderung profitiert habe. „Jede und jeder Einzelne kann etwas Wertvolles beitragen – vollkommen egal, wie er oder sie aussieht oder hier gelandet ist.“
Die politischen Aussagen aus Berlin zu geplanten Rückführungen kommentiert Oberbürgermeisterin zurückhaltend. „Als Kommunalverwaltung nehmen wir politische Willensbekundungen des Bundes zur Kenntnis, werden aber erst tätig, wenn sich tatsächlich gesetzliche Grundlagen ändern.“
Beim Thema Integration verfolgt Schramberg einen klaren Ansatz, wie Eisenlohr erklärt: „Als Stadt handeln wir im Integrationsmanagement nach einem integrativen Ansatz, der gezielt Menschen unterstützt, ohne sie zu stigmatisieren.“ Dazu gehören „eine niedrigschwellige Sozialberatung“, der Markt der Kulturen als „Plattform für Begegnungen“, das „Sprachcafé für Frauen“ sowie ein ehrenamtlicher Dolmetscherpool. Entscheidend sei zudem die Zusammenarbeit mit verschiedenen Akteuren, wie Behörden und Schulen.
Stadtbild zum Wohlfühlen
Ein positives Stadtbild, so Eisenlohr, sei nicht an Herkunft oder äußere Erscheinung gekoppelt. „Ein positives Stadtbild entsteht durch eine lebendige, integrative und respektvolle Gemeinschaft.“
Wichtig sei, „dass sich alle Menschen in der Stadt sicher und willkommen fühlen, unabhängig von ihren Lebensumständen oder persönlichen Hintergründen“.
Dazu gehören „saubere, gut gepflegte öffentliche Räume“, ein „starkes soziales Netz“ sowie gute Zugänge zu Bildung, Arbeit und Freizeitangeboten. Ein positives Stadtbild sei geprägt von dem Gefühl, „dass die Stadt ein Ort ist, an dem man sich entfalten und gemeinsam an einer gutem Zukunft arbeiten kann.“