Ortsbesuch: In Nagold beherbergt das Traube-Center seit kurzem das Stadtarchiv. Lange war die Stelle einer Archivarin unbesetzt. Nun hat Claire Hölig viel Arbeit vor sich.
Das Archiv ist ein wichtiger Teil einer Stadt. Seit einiger Zeit gilt das auch wieder in Nagold. Die unteren Erdgeschoss-Räume des Traube-Centers beherbergen seit einigen Monaten das Archiv der Stadt Nagold.
Und nach vielen Jahren ist auch die Stelle der Archivarin wieder besetzt. Seit 1989 war sie nach dem Ausscheiden des letzten Archivars Karl Kempf nicht mehr besetzt worden. Heute sorgt Claire Hölig für eine angemessene Archivierung der relevanten Verwaltungsunterlagen und historischen Zeugnisse der Stadt Nagold.
Angenommen in der Verwaltung fällt ein Dokument an, vielleicht sogar eine Haushaltsangelegenheit oder dergleichen. Wenn es relevant genug ist, bekommt es nach einiger Zeit die Chance, in das Archiv überführt zu werden. Das kann unterschiedlich lange dauern und ist gesetzlich geregelt.
Zeugnis der Stadtgeschichte
Zwischen zwei und 30 Jahren ist alles möglich, je nach dem, worum es sich handelt. Es wird dann auf eine Liste gesetzt und den prüfenden Augen der Archivarin unterzogen. Es gibt zwei große Fragen, die sich an das Dokument stellen: Ist es archivierungsfähig? Und ist es archivierungswürdig?
Claire Hölig ist diejenige, die den Daumen hebt oder senkt über jedem Stück, das auf der Liste steht. Sie muss beurteilen, ob es sich bei einem Dokument oder historischen Überrest um ein wichtiges Zeugnis der Stadtgeschichte handelt oder nicht.
„Langweilig wird es nicht“
Der erste Weg für eine neue Archivale führt in den Quarantäneraum. Würden Tiere oder Schimmel in das Magazin eingeschleppt werden, wäre das eine Katastrophe. In diesem Raum müssen die Objekte ungefähr vier Wochen bleiben. Je nach dem, an welchem Ort man es zuletzt gelagert hatte.
Als nächstes führt ihr Weg sie in den Bearbeitungsraum. Die Archivarin entfernt etwaige Metallteile, Heftklammern und dergleichen. Sie registriert das Stück, nimmt es ins System auf und versieht es mit einer Signatur. Abgelegt in einer Archivkiste findet das Stück dann endlich seinen Weg in das Magazin – in den berühmten Raum mit den Kurbeln.
Arbeit nimmt Fahrt auf
Das Archiv ist die Zuflucht allen Schriftguts und aller Objekte, die einen historischen Wert für die Stadt in sich tragen. Das kann aus der Verwaltung stammen – aber natürlich ist eine Stadt mehr als seine Verwaltung. Archivalien können von Privatpersonen, von Vereinen und Gewerben stammen. Schriftgut aus unterschiedlichen Quellen kann Gegenstand der Bemühungen des Stadtarchivs sein, doch alles durchläuft das gleiche Prozedere.
Die Arbeit des Stadtarchivs in Nagold nimmt gerade immer mehr Fahrt auf. Lange Zeit war die Stelle der Archivleitung vakant, nun gibt es eine Menge zu tun. Der Rückstau löst sich nach und nach. „Langweilig wird es nicht“, sagt Claire Hölig.
Das Archiv steht allen zur Verfügung
In einem Punkt will Hölig aufklären: Bei den Menschen herrsche oftmals ein falsches Bild vor, was die Arbeit eines Archives betrifft. Eine Vorstellung, dass dort ausschließlich geheime Verschlusssachen lagern, dem öffentlichen Zugriff entzogen und weggeschlossen. Und die gibt es natürlich auch. Doch in der Hauptsache ist es ein Hilfsmittel, um die Objekte zur Verfügung zu stellen, die zur Beantwortung von Fragen notwendig sind – Fragen, die Bürger an die Vergangenheit stellen. Claire Hölig wünscht sich, dass diese Seite des Archivs irgendwann das allgemeine Verständnis dominiert. „Ich freue mich über jeden, der ins Archiv kommt“, sagt sie.
Am Samstag, 2. März, lädt das Stadtarchiv ein zu einem Tag der offenen Tür. Von 11 bis 15 Uhr wird das Archiv geöffnet, es wird zwei Führungen geben, um 11 und um 14 Uhr, und man kann vor Ort erfahren, wie das Archiv arbeitet. Der Eintritt ist frei.