Die Lammerberg-Realschule ist längst abgerissen, das Progymnasium saniert. Ob am Standort der früheren Realschule erneut eine Schule gebaut wird, ist offen. Foto: Kistner

Um die Ressourcen für die Bildungslandschaft effizienter zu nutzen, stößt die Stadt Albstadt mit neuen Plänen für die räumliche Rochade mehrerer Schulen vor.

Viel Geld investiert wurde in den vergangenen Jahren in den Schulstandort Lammerberg. Die Kernsanierung des Progymnasiums ist abgeschlossen; das Realschulgebäude dem Erdboden gleich gemacht. Stünde nur noch dessen Neubau bevor. Ob es zu diesem Realschul-Neubau noch kommen wird, ist nach derzeitigem Stand jedoch völlig offen.

 

Denn: Die Stadtverwaltung stößt mit neuen Plänen für die künftige Konzeption der Bildungs- und Sportlandschaft vor, die eine räumliche Rochade mehrerer Schulen mit sich bringen könnte. Vorab nur so viel: Noch ist nichts entschieden; die finale Ausgestaltung der Ideen der Verwaltung stehen noch aus. Die Verwaltungsspitze um Oberbürgermeister Roland Tralmer, Erster Bürgermeister Roland Schmidt und Bürgermeister Steve Mall wollen zunächst in den Dialog mit den betroffenen Schulvertretern gehen. Eine transparente Kommunikation habe oberste Priorität.

Anbau an Gymi Ebingen

Die Pläne der Verwaltung sehen vor, auf den Neubau der Lammerberg-Realschule zu verzichten und die dadurch frei werdenden finanziellen Mittel anderweitig für die Sport- und Bildungslandschaft Albstadts einzusetzen. In der Folge soll das Progymnasium von Tailfingen an das Ebinger Gymnasium umziehen und die Lammerberg-Realschule in das frisch sanierte PGT-Gebäude wechseln. Dort untergebracht werden sollen zudem die Schülerinnen und Schüler der Schillerschule, dessen Haupt- und Werkrealstandort geschlossen wird. Letztere Entscheidung hatte der Gemeinderat bereits im vergangenen Oktober getroffen.

Um die Schüler des PGT räumlich in Ebingen unterbringen zu können, ist ein Anbau an das bestehende Gymi-Gebäude angedacht. In welcher Form das PGT am Standort Ebingen weiterbetrieben wird, ist Teil des nun anstehenden Austauschs zwischen Verwaltung und Schulvertretern. Denkbar scheinen verschiedene Optionen.

Folgen für Turnhallen

Damit jedoch nicht genug. Die Gedankenspiele der Stadt haben auch Auswirkungen auf die Hallensituation. Durch den Verzicht auf den Realschulneubau – im Haushaltsplan immerhin mit 27 Millionen Euro veranschlagt – offenbaren sich neue finanzielle Möglichkeiten. So könnte der Bau der viel diskutierten Zwei-Feld-Turnhalle am Lammerberg realisiert werden. Dazu wäre eine zusätzliche Ein-Feld-Turnhalle im Bereich des Ebinger Gymnasiums nötig, um genügend Kapazitäten für den Sportunterricht für die gestiegene Anzahl an Schülern vorzuhalten.

Nicht an Schülern sparen

Oberbürgermeister Roland Tralmer ist wichtig zu betonen: „Es geht nicht um das Sparen an den Kindern oder an der Bildungslandschaft.“ Der Vorschlag der Verwaltung sehe nur vor, dass eingeplante Geld anders einzusetzen. Mit den für den Realschulbau geplanten Geldern – abzüglich der bereits investierten Planungskosten – sei denkbar, den Bildungsstandort Albstadt für die Zukunft zu rüsten. Beispielsweise komme die Lutherschule räumlich an ihre Grenzen, wie die Schulleitung erst im März dem Gemeinderat berichtete.

Weiter stünden in Onstmettingen Investitionen an. Dort ist die Raichberghalle ein Sanierungsfall; auch die Nachnutzung des frei werdenden Gebäudes der Schillerschule müsse überdacht werden. Die dortige Grundschule soll erhalten bleiben. Die sanierungsfällige Mazmannhalle soll jedoch nicht von den frei werdenden Mittel profitieren. Diese Baustelle müsse gesondert angegangen werden.

Bis die neuen Überlegungen der Verwaltung Tatsachen sind, ist noch ein weiter Weg zu gehen. Zunächst muss der Gemeinderat den Beschluss für das neue Konzept fassen und damit ein Anhörungsverfahren für das PGT, die Schillerschule und die Lammerberg-Realschule initiieren. Das sieht das Schulgesetz des Landes bei der Einrichtung, Errichtung, Änderung und Aufhebung von Schulen so vor. Da das Gymnasium Ebingen nur erweitert werden würde, ist dieses vom Anhörungsverfahren nicht betroffen.

Beschluss vor Pause

Gehört werden müssen jeweils der Gesamtelternbeirat, die Schulkonferenz, die Gesamtlehrerkonferenz und die Elternbeiräte. Zudem müssen die betroffenen Nachbarkommunen, aus welchen Jugendliche die Schulen besuchen sowie der Landkreis zwecks ÖPNV-Anbindung beteiligt werden. Die finale Entscheidung liegt letztlich bei den Schulaufsichtsbehörden – also dem Regierungspräsidium Tübingen und dem Kultusministerium.

Zur Zeitschiene: Der Gemeinderatsbeschluss für die Neukonzeption der Bildungslandschaft soll noch vor der Sommerpause fallen. Gelingt dies, sei mit einer finalen Entscheidung der Schulaufsichtsbehörden nicht vor Ende des Jahres zu rechnen. Baulich umgesetzt könnte ein Gymnasiumanbau und eine Zwei-Feld-Turnhalle am Lammerberg wohl frühestens bis Mitte 2029.

Betroffene informieren

Schulleitungen und Lehrer der vier betroffenen Schulen wurden am Mittwochabend über die Neukonzeption von der Verwaltung unterrichtet. Letztlich seien die Pläne auch Teil der Gebäudebestandsoptimierung, die sich die Verwaltung im Rahmen der Haushaltskonsolidierung auf die Fahne geschrieben hat.

Oberbürgermeister Roland Tralmer sieht in den neuen Plänen „eine große Chance“, weiß aber auch um das Konfliktpotenzial. Nun gelte es, eine sachliche Diskussion zu führen.

Schülerzahlen

Aktuelle Zahlen
Von der möglichen Rochade in der Albstädter Bildungslandschaft sind vier Schulen betroffen: PGT (321 Schüler), Realschule Lammerberg (rund 500 Schüler), Haupt- und Werkrealschule Schillerschule (rund 200 Schüler) und das Gymnasium Ebingen (rund 750 Schüler).