Seit Anfang November betreibt die Stadt zwei Blitzersäulen am Autobahnzubringer. Im November und Dezember wurden dort 2174 Fahrer geblitzt, die schneller als mit Tempo 70 unterwegs waren. Foto: Wendling

Im vergangenen Jahr sind in Lahr weniger Verkehrsverstöße begangen worden. Sowohl die Zahl der Temposünder als auch die der Falschparker hat abgenommen. Einzelne Raser waren aber besonders dreist.

Rund 36 000 Verstöße wurden 2024 registriert – im Jahr davor waren es noch 42000 gewesen. Der Rückgang ist umso bemerkenswerter, da die Stadt seit Anfang November 2024 zwei zusätzliche Blitzer-Säulen am Autobahnzubringer betreibt. Es gibt also mehr Verkehrsüberwachung in Lahr, aber weniger festgestellte Delikte.

 

Dass am Autobahnzubringer zwei neuartige „Starenkästen“ die Einhaltung von Tempo 70 kontrollieren, hat sich offenbar noch nicht bei allen herumgesprochen. Denn allein im November und Dezember wurden dort 2174 Fahrer geblitzt, mehr als an jedem anderen Blitzer in Lahr im gesamten Jahr. Selbst die Anlage am südlichen Ortseingang von Kippenheim kann da nicht mithalten, dort wurden „nur“ noch 1900 Fahrer erwischt.

Die Stadt hatte 2024 acht stationäre Blitzer im Einsatz, außerdem ihren mobilen Mess-Anhänger, der ein Alleskönner ist: gute Tarnung, vandalismussicher – und er kann tagelang alleine bleiben. Ihren „Super-Blitzer“ betreibt die Stadt nun seit dreieinhalb Jahren.

Seither gehen ihm immer weniger Fahrer in die Falle, offenbar, weil viele aus Schaden klug geworden sind: 2022 hatte der hochmoderne Messanhänger noch mehr als 11000 Temposünder erwischt, 2023 waren es knapp 8000. Im vergangenen Jahr war die semistationäre Messanlage an etwa 50 Standorten positioniert und blitzte „nur“ noch rund 7500 Fahrer, bei denen anschließend ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet wurde.

Bei den stationären Messanlagen, also den Blitzer-Säulen, setzte sich der Trend der Vorjahre fort: Abermals gab es insgesamt weniger Verstöße – etwa 10 000 im Vergleich zu rund 11 000 im Jahr davor.

Raser dürfen sich indes auch abseits der fest installierten Anlagen nicht in Sicherheit wiegen, setzt die Stadt doch auch auf mobile Geschwindigkeitsüberwachung. Im Vorjahr wurde an 87 Tagen mit mobilen Blitzern gemessen. Vor allem an neuralgischen Punkten wurde kontrolliert, zum Beispiel vor Schulen und Kindergärten, an Unfallschwerpunkten sowie an Orten, die von den Ortsteilen vorgeschlagen worden waren. Hier wurden 3100 Fälle erfasst, womit der Trend auch hier positiv ist. Denn 2023 waren bei der mobilen Überwachung in Lahr noch 3450 Temposünder erwischt worden, im Jahr davor sogar 4162.

In ihrer Pressemitteilung liefert die Stadt eine Erklärung dafür, weshalb in der Stadt immer weniger Verkehrsverstöße begangen werden: „Die Verkehrserziehung wirkt“, heißt es aus dem Rathaus.

So mancher, der zu schnell unterwegs ist, wird freilich nicht bestraft. Zu der großen Zahl der Verstöße, die nicht in die Statistik einfließen, gehören laut Stadt solche von Rettungsfahrzeugen und der Polizei. Sowie von Fahrradfahrern am Urteilsplatz, die zwar fotografiert wurden, aber nicht identifiziert werden konnten.

Mit 86 Sachen durch einen Tempo-30-Bereich gefahren

Insgesamt hat die Stadt im Vorjahr 20 600 Verfahren gegen Temposünder eingeleitet – nach 22 050 im Jahr 2023 und sogar 35 279 im Jahr 2022. Der Positiv-Trend dürfte mit der Novellierung der Straßenverkehrsordnung Ende 2021 zusammenhängen, bei der der Bußgeldkatalog vereinheitlicht wurde – mit teils doppelt so hohen Strafzahlungen.

Besonders dreiste Raser müssen nicht nur ein Bußgeld berappen, sondern ihren Führerschein abgeben. Bei den Geschwindigkeitsmessungen waren die höchsten gemessenen Werte 143 Stundenkilometer außerorts im Bereich Tempo 70 und innerorts 86 Stundenkilometer im Bereich Tempo 30. Logisch, dass sich diese Fahrer danach erst Mal nicht mehr hinter das Steuer eines Autos setzen durften. Insgesamt hat die Bußgeldbehörde 2024 mehr als 130 Fahrverbote angeordnet – nicht nur wegen Geschwindigkeitsüberschreitungen, sondern auch wegen Rotlicht-, Alkohol-, Betäubungsmittel- oder Unfallverstößen.

Auch bei den Falschparkern sind die Zahlen in Lahr gesunken, auf 13 500. Im Jahr 2023 waren noch 17100 „Knöllchen“ an Parksünder verteilt worden. Auch hier hat man im Rathaus eine gewisse Ahnung, wie es zu dieser Entwicklung kommen konnte: „Der Rückgang der Zahlen im ruhenden Verkehr steht vermutlich im Zusammenhang mit der abschreckenden Wirkung der – inzwischen in der Höhe deutlich spürbaren – Verwarnungsgelder für Parkverstöße.“

In 1800 Fällen (2023 waren es 1850) leitete die Polizei ein Verfahren ein – dabei sind auch die 900 Unfälle vertreten, die sich im Vorjahr in Lahr ereignet haben. In dieser recht hohen Zahl – 2023 waren 850 Unfälle in der Stadt gezählt worden – sind auch kleinere Vergehen enthalten, wie beispielsweise Kratzer nach einem Parkrempler. Hinzu kommen unter anderem Gurtverstöße, Handyverstöße, Ruhestörungen, Betäubungsmitttel- und Alkoholfahrten.

Die Strafzettel für Temposünder (826 000), Falschparker ( 383 000 Euro) und andere Ordnungswidrigkeiten haben laut der Verwaltung im Vorjahr 1,42 Millionen Euro in die Stadtkasse gespült – das war mehr Geld als 2023 (1,32 Millionen Euro). Und das, obwohl die Zahl der Verkehrsverstöße gesunken ist (von 42 000 auf 36 400).

Des Rätsels Lösung: Die angegebenen Beträge der Einnahmen beziehen sich auf die Sollstellungen und liegen wahrscheinlich deshalb höher als in den vergangenen Jahren, als auf das Ist abgestellt wurde, heißt es aus dem Rathaus. Der Bezug auf das Soll sei aussagekräftiger, da gerade bei den Verfahren zum Jahresende die Zahlungen erst im Folgejahr eingehen würden.

Die Lahrer Blitzer-Statistik im Überblick

Die Stadt betreibt neben ihrem mobilen Mess-Anhänger acht stationäre Blitzer – hier ihre Bilanz aus dem vergangenen Jahr:

Burgheim: 1800 Fälle, davon 24 Rotlichtverstöße

Schwarzwaldstraße: war nicht in Betrieb

Geroldsecker Vorstadt: 29 Fälle

Kippenheim: 1900 Fälle

Kaiserstraße (Kino und Altes Rathaus): 1750 Fälle

Reichenbacher Hauptstraße: 900 Fälle

Kuhbacher Hauptstraße: 1150 Fälle

Autobahnzubringer: 2174 Fälle