Die Feuerwehr genießt ein hohes Ansehen – umso schwerer wiegen die Vorkommnisse vom vergangenen Wochenende. Foto: Schabel (Archivfoto)

Die Einsatzkräfte wurden am vergangenen Sonntag massiv angegangen. Die Stadt kündigt rechtliche Schritte an.

Die Schilderungen lassen aufhorchen: In einem anonymen Schreiben mit dem Titel „Sorge um Sicherheit und Respekt gegenüber unseren Einsatzkräften in Lahr“ berichtet ein LZ-Leser von einem Einsatz der Lahrer Feuerwehr, bei dem die Einsatzkräfte von Jugendlichen massiv angegangen worden sein sollen.

 

Der Einsatz habe sich am vergangenen Sonntagabend im Lahrer Bädleweg, Ecke Werderstraße abgespielt, heißt es im Schreiben. Die Feuerwehrleute seien von mindestens zwei Jugendlichen „massiv angepöbelt“ worden. „Während des Einsatzes wurde die Feuerwehr lautstark beleidigt und provoziert“, heißt es dort.

Stadt will Kontakt mit der Polizei aufnehmen

Auf die mehrfache Aufforderung, dass die Jugendlichen weitergehen und die Feuerwehrleute ihre Arbeit verrichten lassen sollen, hätten die Störenfriede gezielt die Konfrontation gesucht. Dabei soll den Feuerwehrleuten auch gedroht worden sein. Unter anderem habe ein Jugendlicher geäußert, dass er sich das Gesicht eines Feuerwehrmannes merken und dieser dann „privat Probleme bekommen“ werde. Einen bestimmten Grund für das Verhalten hat es offensichtlich nicht gegeben.

Das Rathaus erklärt auf Anfrage unserer Redaktion, dass die Feuerwehr am vergangenen Sonntagabend zu einem rauchenden Mülleimer im Bereich Werderstraße gerufen worden sei – und dass die Besatzung eines Löschfahrzeugs vor Ort im Rahmen des Einsatzes von zwei Jugendlichen verbal angegangen worden sei. „Aufgrund des Vorfalls wird die Stadt Lahr Kontakt mit der Polizei aufnehmen und einen entsprechenden Strafantrag stellen“, berichtet Pressesprecher Nicolas Scherger.

OB Markus Ibert: Feuerwehr verdient höchste Anerkennung

Aggressionen gegenüber Rettungs- und Einsatzkräften sind deutschlandweit kein neues Thema (siehe Info). Doch nehmen solche Vorfälle auch in Lahr zu? Das Rathaus betont: Vorfälle wie der am vergangenen Sonntag an der Werderstraße seien bei der Lahrer Wehr selten. „Mehrfache Pöbeleien, Provokationen oder Bedrohungen gegenüber Einsatzkräften sind im Jahresverlauf nicht zu verzeichnen“, erklärt Scherger. Verbale Konfrontationen in dieser Form seien selten und bislang als Einzelfälle zu betrachten.

Dennoch – oder gerade deshalb – beschäftigt die Thematik auch OB Markus Ibert: „Es ist für mich vollkommen unverständlich, wie jemand ausgerechnet Mitgliedern der Feuerwehr mit Aggressionen und Anfeindungen begegnen kann“, betont er in einem Schreiben gegenüber unserer Redaktion. Die haupt- und ehrenamtlichen Mitglieder der Feuerwehr seien Tag und Nacht bereit, auszurücken und für die Sicherheit der Mitmenschen auch Risiken für die eigene körperliche Unversehrtheit einzugehen. Ebenso wie Polizei und Rettungsdienste verdienen sie die höchste Wertschätzung und Anerkennung, so Ibert. „Als Stadtgesellschaft müssen wir unmissverständlich klarmachen, dass wir einen Vorfall wie am vergangenen Sonntag nicht akzeptieren.“

Übergriffe nehmen zu

Eine 2024 veröffentlichte Umfrage des Deutschen Feuerwehrverbands und der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung ergab, dass mehr als 50 Prozent der freiwilligen Feuerwehrkräfte in den vergangenen beiden Jahren angegriffen worden sind. Bei den Werkfeuerwehrmitgliedern war der Anteil gleich hoch, bei den Berufsfeuerwehrangehörigen berichteten 75 Prozent von Angriffen in den vergangenen beiden Jahren. Bei mehr als 90 Prozent der Betroffenen gab es unter den Angriffen Beschimpfungen und Beleidigungen.