Die Stadt Nagold rüstet auf ihren Dächern mit Photovoltaikanlagen nach. Foto: dpa/Marijan Murat

Die Stadt Nagold gibt in Sachen Photovoltaik Vollgas. Bis Ende des Jahres könnte sich die auf kommunalen Dächern gewonnene Energieleistung verdoppeln. Und das ist erst der Anfang.

Geht es um die Erzeugung von Strom mit Photovoltaikanlagen (PV), hat sich die Stadt Nagold viel vorgenommen. Zug um Zug sollen städtische Gebäude auf ihren Dächern mit Photovoltaikanlagen ausgestattet werden.

 

Neu ist das nicht, doch seit einem Jahr ist deutlich Zug in die Sache gekommen. So könnten allein in diesem Jahr noch fünf neue Anlagen auf städtischen Gebäuden entstehen. Genau so viele wie bis jetzt insgesamt von den Stadtwerken in Nagold betrieben werden.

Seit einem Jahr sind die Stadtwerke der Betreiber

Nagold zündet also den PV-Booster. „Seit dem vergangenen Jahr liegt der Bau der PV-Anlagen in der Zuständigkeit der Stadtwerke Nagold“, erörtert die Stadt auf Anfrage der Redaktion. Zuvor sei das städtische Hoch- und Tiefbauamt zuständig gewesen.

Mit dem Wechsel der Zuständigkeit ging eine regelrechte Investitionsoffensive einher. Jährlich stehen nun 500.000 Euro zur Verfügung, um die städtischen Dächer mit Photovoltaik nachzurüsten.

Die Leistung könnte sich innerhalb eines Jahres verdoppeln

In diesem Jahr sollen noch fünf neue PV-Anlagen entstehen. Die ausgewählten Standorte sind die Dächer der Häfele-Arena, des Bauhofs, der Burgschule und der zwei Kindergärten auf dem Steinberg.

Mit diesen Maßnahmen könnte sich die Höhe der durch städtische PV-Anlagen erzeugten Energieleistung von aktuell 300 kWp bis zum Ende des Jahres auf 600 kWp verdoppeln.

Strombedarf von 140 bis 190 Vier-Personen-Haushalten

Zur Einordnung der Dimension: kWp steht für Kilowatt-Peak und ist die Maßeinheit für die maximale Nennleistung einer Photovoltaik-Anlage. Ein kWp sorgt im Jahr je nach Anlage und Standort für 900 bis 1200 kWh Strom. Der durchschnittliche Stromverbrauch liegt bei einem Vier-Personen-Haushalt laut Stromspiegel.de bei 3800 kWh im Jahr (ohne elektrische Warmwasserbereitung).

Wenn die Stadt Nagold also 600 kWp an Leistung über PV-Anlagen generiert, dann würde das jährlich den Strombedarf von 140 bis 190 Vier-Personen-Haushalten abdecken.

Die Häfele-Arena bekommt in diesem Jahr eine PV-Anlage aufs Dach. Foto: Heiko Hofmann

Nach Angaben der Stadt Nagold werden auf Neubauten der Kommune mittlerweile eigentlich immer Photovoltaik-Anlagen eingeplant. Für den geplanten Neubau des Parkhauses Innenstadt Ost (Weihergässle) ist zum Beispiel eine Anlage geplant, die alleine 420 kWp erbringen kann. Der Kostenpunkt dafür: 450.000 Euro.

Als ein weiteres Highlight sei eine „ultraleichte vertikal installierte bifaziale Photovoltaikanlage auf dem Bauhof mit ca. 150 kWp im Endausbau“ geplant.

Ehe die Photovoltaik-Offensive gestartet werden konnte, galt es für die Stadtwerke im vergangenen Jahr zunächst eine Potenzialanalyse für alle kommunalen Dächer zu erstellen. „Hier sind neben wirtschaftlichen Faktoren auch technische Voraussetzungen im Vorplanungsstatus geprüft worden“, teilt die Stadt Nagold mit.

Im Sommer vergangenen Jahres weihte die Stadt Nagold die Anlage auf dem Dach der Lembergschule ein. Foto: Glanzmann

Anhand dieser Analyse sei dann eine Rangliste erstellt worden. Und nach dieser erfolgt nun die Umsetzung der einzelnen Projekte auf den Bestandsdächern.

Im kommenden Jahr steht der Bau der Anlage für das Parkhaus Innenstadt Ost an, ebenso für den Neubau in der Calwer Straße 2. Auch auf dem Atrium am Lemberg und auf der Zellerschule sind neue kommunale PV-Anlagen vorgesehen. Des Weiteren wollen die Stadtwerke größere Anlagen am Wasserwerk prüfen.

Von den fünf derzeit schon von den Stadtwerken betriebenen Anlagen ist die größte eine Kombi-Anlage auf den Dächern der Lembergschule und des Musiksaals. Die dort mögliche Leistung liegt bei 140 kWp.

Bei der Stadt spricht man in Sachen Photovoltaik von einem „fast perfekten Match“. Der Grund: „Die Stadt spart aufgrund der geringeren Stromkosten Geld und die Stadtwerke haben eine auf mittelfristige Sicht weitere profitable Sparte.“