Hans Barucha ist der neue Wirtschaftsförderer der Stadt Nagold. Eine "ideale Besetzung", findet OB Großmann – und bezeichnet ihn sogar als "seine rechte Hand".
Nagold - Barucha bringe für seinen neuen Job langjährige Erfahrungen aus der freien Wirtschaft mit, so Nagolds OB zu der Personalie. Dazu sei er schon immer eng verwurzelt mit der Stadt.
Eigentlich stammt Hans Barucha – Jahrgang 1992 – aus Ebhausen, wo er verheiratet ist, bis heute wohnt. Und wo er zuletzt auch als dortiger CDU-Ortsvorsitzender im Gemeinderat saß.
Mit seiner neuen Aufgabe als Nagolder Wirtschaftsförderer musste er dieses Mandat mit Blick auf die Verwaltungsgemeinschaft, die die Stadt Nagold unter anderem mit Ebhausen bildet, allerdings hergeben. "Schweren Herzens", wie er sagt. Die Arbeit im Gemeinderat habe seinen "Blick geöffnet".
Als Jugendgemeinderat aktiv
Nagold, das sei "meine Stadt", sagt Barucha. Abitur am OHG hat er hier gemacht, war mit 16 Jahren Mitglied des Nagolder Jugendgemeinderats, sogar dessen stellvertretender Vorsitzender. Das war zur Hoch-Zeit der Landesgartenschau. Als damaliges Mitglied der Jungen Union war er in der Ticketkontrolle zugeteilt. Eine "tolle Zeit", die auch ihn mit ihrer Euphorie bis heute trage. Vor allem, weil es immer – auch als Jugendlicher – die Möglichkeit gab, die Stadt hier aktiv mitzugestalten. Die Grillmöglichkeit bei der Häfele-Hütte, das war damals eine der Ideen und eines der erfolgreichen Projekte des Nagolder Jugendparlaments. Auch der Ausbau der Volleyballplätze beim Badepark.
Seit damals – seit seinem 16. Lebensjahr – ist Barucha auch im VfL Nagold aktiv, anfangs als Leistungssportler in der Leichtathletikabteilung: Kugelstoßen, Sprint, Hoch- und Weitsprung. Heute ist er Abteilungsleiter. Der Nagolder Mittsommerlauf trägt zum Beispiel seine Handschrift. "Ein tolles Event!" Und ebenfalls ein tolles Beispiel dafür, dass man in Nagold "immer viel bewegen" könne.
Studiert hat Hans Barucha in Stuttgart an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg, er hat einen Bachelor in BWL in der Fachrichtung Industrie und Dienstleistungsmanagement. Wobei ihm in seinem neuen Job schon auch sehr bewusst sei, dass er in einer "Zeit sehr großer Herausforderungen" diese neue Aufgabe übernehme: Die Corona-Krise ist noch nicht komplett überwunden, gleichzeitig finde eine "große Metamorphose" beispielsweise der Automobilindustrie hin zu alternativen Antrieben statt. Auch Nagold sei von deren Zulieferindustrie geprägt. Hinzu komme ein, vor allem eben durch die Pandemie geprägtes, verändertes Konsumverhalten – hin zum Online-Handel. Wobei die Pandemie auch "ein Brandbeschleuniger" für den Fachkräftemangel gewesen sei – bei weitem nicht nur in der Gastronomie.
Galoppierende Inflation
Gerade aktuell verschärfe sich diese Situation speziell für den Handel noch durch die "galoppierende Inflation", die die Verbraucher enorm verunsichere. Trotzdem sieht Wirtschaftsförderer Barucha speziell für Nagold auch in all diesen Krisen "mehr Chancen" als Risiken: Die Stadt nehme aufgrund der hier herrschenden "sehr hohen Lebensqualität" eine Sonderstellung ein, allerdings stünden der auch aufgrund dieser großen Attraktivität und der damit verbundenen großen Nachfrage "hohe Lebenshaltungskosten" gegenüber. Aufgabe sei es daher unter anderem, eine "gesunde Balance" in diesen Bereichen herzustellen.
Aber die Bedingungen, die Nagold hier böte, seien aus Baruchas Sicht "wirklich sehr gut": Nagold sei ein "besonderes Mittelzentrum", das gerade im Bereich der Wirtschaft spannende "und stabile" Strukturen aufweise mit einem "starken Handwerk", verschiedenen "Global Playern" und einer "noch stabilen Handelsstruktur". Damit gerade letzteres so bleiben könne, müssten aber die Rahmenbedingungen "weiter optimiert" werden – was vor allem die Steigerung der Aufenthaltsqualität in der Nagolder Innenstadt meine.
Mehr Anreize schaffen
"Wir müssen noch mehr Anreize schaffen für die Menschen, nach Nagold zu kommen." Das meine auch eine Optimierung der ÖPNV-Anbindung, ein schlüssiges Park-Konzept – auch und gerade für Fahrräder, bis hin zu Stellflächen für Lastenfahrräder, mit denen vermehrt immer mehr Familien unterwegs seien. Auch er selbst, erzählt Hans Barucha, habe Nagold als Arbeitsort gewählt, weil es auch für ihn "sehr gut mit dem Fahrrad" erreichbar sei.
Große Erwartungen richtet der Nagolder Wirtschaftsförderer auf ein aktuelles Gutachten zur Standortsituation der Stadt, das momentan in die internen Diskussionen etwa des Gemeinderats eingebracht werde. "Superviele Erkenntnisse" ließen sich daraus ziehen, dazu "extrem viele Gestaltungsmöglichkeiten" - wobei er den gerade anlaufenden Entscheidungsprozessen dazu nicht vorgreifen wolle.
Wirtschaftsförderung ist Chefsache
Auch OB Großmann sieht "die aktuelle Lage der Stadt" als "noch gut" an. Für ihn sei die "Wirtschaftsförderung Chefsache", weshalb Barucha "quasi meine rechte Hand" sei. Wichtigster Auftrag: sich um die Unternehmen kümmern, "die schon da sind"; und diesen bei Bedarf immer ausreichend Expansionsflächen zur Verfügung stellen zu können, um die Herausforderung der Zukunft zu meistern.